Badische Landesbibliothek
   


Berichte für die Jahre 2009 - 2006 aus der Musikabteilung

2009

Öffentliche Veranstaltungen

Am 14. April 2009 jährte sich der Todestag des Komponisten Georg Friedrich Händel (1685 -1759) zum 250. Mal. Aus diesem Anlass veranstaltete die Badische Landesbibliothek in Kooperation mit der Händel-Gesellschaft Karlsruhe e.V. und dem Badischen Staatstheater Karlsruhe vom 20. Februar bis 18. April 2009 die von Dr. Peter Overbeck kuratierte Ausstellung Händel in Karlsruhe. Händel hat zwar Karlsruhe nie besucht, doch gibt es einige Berührungspunkte mit der Residenzstadt.

Im Rahmen der Ausstellung fanden verschiedene Begleitveranstaltungen statt:

Am 19. Oktober 2009 jährte sich der Todestag des badischen Hofkapellmeisters Joseph Aloys Schmittbaur (1718-1809) zum 200. Mal. Aus diesem Anlass veranstaltete die Badische Landesbibliothek in Zusammenarbeit mit der Heidelberger Akademie der Wissenschaften vom 16. Dezember 2009 bis 24. April 2010 die von Dr. Rüdiger Thomsen-Fürst kuratierte Ausstellung "Sohn der Harmonie!", die Leben und Werk des Komponisten, Instrumentenbauers, Orchesterleiters und Pädagogen würdigte.

Seit 1754 hielt sich Schmittbaur in Baden auf, er war zunächst als Musiker und Sänger am Hofe der Markgrafen von Baden-Baden in Rastatt tätig. Um 1759 stieg er hier zum Konzertmeister auf und wurde schließlich um 1766 Kapellmeister. Nach der Vereinigung der beiden badischen Markgrafschaften kam Schmittbaur 1772 nach Karlsruhe. Von 1775 bis 1777 übernahm er das Amt des Domkapellmeisters in Köln, kehrte dann aber als Hofkapellmeister nach Karlsruhe zurück. Bis zu seinem Lebensende im Jahre 1809 leitete er hier die Geschicke der Hofmusik.

Bei der Eröffnung am 15. Dezember spielte Alexander Marguerre Werke von Schmittbaur aus Cinq Preludes et un Rondo pour l'Armonica ou Piano-Forte (Wien 1803) auf dem Verrophon.

Besondere Erwerbungen

Es konnten zwei neue Gesamtausgaben subskribiert werden:
  • Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788): The complete works
  • Alessandro Stradella (1639-1682): Opera omnia.
Eine praktische Übersicht über alle vorhandenen Gesamtausgaben kann über das Internet eingesehen werden: http://www.blb-karlsruhe.de/blb/blbhtml/besondere-bestaende/musik/gesamt.php

Die traditionsreiche Firma Stargardt versteigerte am 23./24.6.2009 in Berlin Briefe und Manuskripte bedeutender Persönlichkeiten. Der Badischen Landesbibliothek gelangen bei dieser Autographenauktion bedeutende Neuerwerbungen. Unter anderem konnten vier Briefe des Komponisten und Hofkapellmeisters Johann Wenzel Kalliwoda (1801-1866) erworben werden:
  • Ein Brief von Johann Wenzel Kalliwoda, Karlsruhe 15.VI.1845, an den Musikverleger Carl Böhme in Leipzig; es geht u. a. um seinen Sohn Wilhelm, den späteren Karlsruher Kapellmeister. (Signatur K 3170,K,25)
  • Drei Briefe Kalliwodas an seinen Sohn Wilhelm in Karlsruhe, Donaueschingen 18.X.1865 bis Januar 1866. (Signaturen K 3170,K,26 - 28))
Weitere Erwerbungen:
  • Ein eigenhändiger Brief von Emanuel Chabrier (1841-1894), Karlsruhe, 24.V.1889, an einen Freund über die bevorstehende deutsche Uraufführung seiner Oper "Gwendoline" durch Felix Mottl in Karlsruhe. Um seine Deutschkenntnisse zu verbessern, war Chabrier nach Karlsruhe zu Mottl gegangen und hatte diesem seine Oper gezeigt. Mottl, zu dieser Zeit badischer Hofkapellmeister in Karlsruhe, war begeistert und brachte das Werk am 30. Mai 1889 in deutscher Sprache zur Aufführung. (Signatur K 2741, Nachlass Mottl)
  • Eigenhändige Postkarte von Felix Mottl (1856-1911), Karlsruhe, 29.XI.1900. Wohl unveröffentlichtes Schreiben an Philipp Wolfrum, Universitätsmusikdirektor in Heidelberg. (Signatur K 2741, Nachlass Mottl)
  • GABRIELLI, D. [Pseudonym?]. Trois Romances avec Accompagnement de Forte Piano. (Ms.:) Se vend à Carlsruhe, Chez Mr. Danner Maître de Concert [ca. 1795]. Es handelt sich um einen äußerst seltenen Druck, RISM G 89/90 weist nur 2 Exemplare nach. Enthalten sind 3 Romances mit höchst interessanten Vertonungen monarchistischer Texte im Kontext der Gegenbewegungen zur französischen Revolution, hergestellt nahe der französischen Grenze, wohl zum propagandistischen Import nach Frankreich. Der Komponist ist nicht nachweisbar, wahrscheinlich handelt es sich bei dem Namen um ein Pseudonym. (Signatur M 18114 RH)
  • Eine Musikhandschrift von Conradin Kreutzer "Concertino pour l' Oboe", entstanden um 1840 (Signatur Mus. Hs. 1443).

Übernahme des Nachlasses von Josef Schelb

Josef Schelb, 1894 in Bad Krozingen geboren und 1977 in Freiburg gestorben, studierte an den Konservatorien in Basel und Genf und war ab 1914 Lehrer am Freiburger Konservatorium. Im Jahr 1924 übernahm er eine Stelle als Klavierlehrer am Badischen Konservatorium in Karlsruhe. Aus den Oberklassen des Konservatoriums entstand 1929 die erste staatlich anerkannte Musikhochschule Badens, und Josef Schelb erhielt 1932 die Amtsbezeichnung "Professor". Er unterrichtete bis zu seiner Pensionierung 1958 neben Klavier auch Instrumentation und Komposition.

Dr. Albert Schelb, der Sohn des Komponisten, übergab in den Jahren 2008 und 2009 den Nachlass seines Vaters an die Badische Landesbibliothek. Der Nachlass umfasst 157 Werke und steht jetzt der Forschung und der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung. Das Verzeichnis des Nachlasses kann auf den Webseiten der Badischen Landesbibliothek eingesehen werden.

Brigitte Knödler-Kagoshima


2008

Personalia

Eine höchst ehrenvolle Berufung hat die Leiterin der Musikabteilung, Frau Dr. Martina Rebmann, als Leiterin der Musikabteilung der Staatsbibliothek im April 2008 nach Berlin geführt. Wir gratulieren ihr herzlich und wünschen ihr weiterhin viel Erfolg! Die Musikabteilung der Staatsbibliothek verwahrt die größte Musiksammlung Deutschlands und eine der bedeutendsten weltweit. Sie umfasst nicht nur Autographen und Abschriften von großen Komponistinnen und Komponisten. Bedeutend sind auch ihre zahlreichen Nachlässe, Deposita und die Briefsammlung von Personen aus allen Bereichen des Musikschaffens.
Die Arbeit von Frau Dr. Rebmann wird kommissarisch von Frau Knödler-Kagoshima wahrgenommen.

Bestandserschließung

Dr. Armin Brinzing, der Leiter der RISM-Arbeitsstelle München, hatte im Jahr 2001 mit der Erschließung des mehr als 1.400 Signaturen umfassenden Karlsruher Musikhandschriftenbestandes begonnen. Derzeit arbeitet er an der Erstellung des gedruckten Kataloges. Dieser soll in der Reihe "Die Handschriften der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe" erscheinen. Die Musikhandschriften werden auch in der RISM-Datenbank A/II über die ViFa-Musik voraussichtlich Anfang 2010 frei über das Internet recherchierbar sein.

Online-Projekte/Bestandspräsentation

Die Erschließung der Musikalien der Markgrafen von Baden war im Jahr 2007 abgeschlossen worden. Anschließend begannen die Vorarbeiten zur Aufbereitung der Bestandsdaten für das Internet. Im März 2008 konnten Webseiten freigeschaltet werden, die eine Suche in dem Bestand von ca. 1.800 Musikhandschriften und -drucken des 18. bis 20. Jahrhunderts ermöglichen. Die Werke der Schlossbibliothek Baden-Baden besitzen häufig kostbare Einbände und fein gestaltete, handgemalte, farbige Titelblätter. Von großer Bedeutung sind die zahlreichen Dedikationswerke zu festlichen Anlässen des Herrscherhauses wie zu Geburtsagen, Ehe- oder Regierungsjubiläen, die die Beliebtheit bei der badischen Bevölkerung dokumentieren.

Die Handschriftensammlung der Benediktinerabtei auf der Insel Reichenau im Bodensee war bereits im Mittelalter berühmt. Sie ist in ihrem gesamten Bestand vom Jahr 1804 erhalten geblieben und nach Karlsruhe in die damalige Hofbibliothek überführt worden. Die insgesamt 215 Handschriftenfragmente sind bei der Katalogisierung im 19. und 20. Jahrhundert aus Reichenauer Einbänden herausgelöst worden. Sie gehören zu den frühesten Schriftzeugnissen unseres Kulturraumes und finden international Beachtung. Dank finanzieller Unterstützung aus dem Landesrestaurierungsprogramm Baden-Württemberg konnten die nötigen konservierenden Maßnahmen an den Reichenauer Fragmenten durchgeführt werden, anschließend wurden sie digitalisiert. Seit Oktober 2008 werden die 215 Reichenauer Fragmente im Internet präsentiert. Unter den Fragmenten befinden sich auch seltene und wertvolle Zeugnisse mittelalterlicher Musik (Graduale, Antiphonarium, Processionale, ...).

Besondere Erwerbungen

Neu erworben wurde ein eigenhändiges Zeugnis von Franz Lachner (Komponist, 1803-1890) für Louise Adolpha Le Beau (Pianistin und Komponisten, 1850-1927). Die Nachlass von Louise Adolpha Le Beau wird in der Badischen Landesbibliothek aufbewahrt, ebenso der Nachlass von Vinzenz Lachner (1811-1893), einem Bruder von Franz Lachner.
Ausgestellt für einen "Dr. Hartmann zu Frankfurt a. M.": "... bezeugt der erg. Unterzeichnete, daß er Fräulein Louise Adolpha Le Beau als eine tüchtige und gründlich gebildete Pianistin ken[n]en und schätzen gelernt hat. Als Componistin hat sich Frl. Le Beau in mehreren Fächern der musikal. Composition mit Glück versucht und wird ihr schönes Talent sicherlich überall zur Geltung und Anerkennung bringen. Demnach steht der Unterzeichnete nicht an Frl. Le Beau Concert-Instituten bestens zu empfehlen". - Louise Adolpha le Beau, 1850 in Rastatt geboren und 1927 in Baden-Baden gestorben, wurde nach ihrer Ausbildung (sie war u.a. Schülerin von Clara Schumann in Baden-Baden und von Ernst Melchior Sachs in München sowie Privatschülerin von Joseph Reinberger) zu einer erfolgreichen Pianistin und Komponistin. Ihr "Trio für Klavier, Violine, Violoncello, op. 15" regte Franz Lachner, den sie 1870 kennengelernt hatte, zu folgender Äußerung an: "Fahren sie nur so fort, das ist heutzutage selten - denn jetzt schämen sich die Leute ja, wenn ihnen eine Melodie einfällt."


Eigenhändiges Zeugnis von Franz Lachner für Louise Adolpha Le Beau
Eigenhändiges Zeugnis von Franz Lachner für Louise Adolpha Le Beau (Ausschnitt).
Badische Landesbibliothek, Signatur K 2343,224 (Download des Zeugnisses im PDF-Format)

Nachlässe

Ende des Jahres 2008 konnte die Badische Landesbibliothek mit der Übernahme eines neuen musikalischen Nachlasses beginnen. Es handelt sich um den Nachlass von Professor Josef Schelb (1894-1977), der 34 Jahre lang an der Hochschule für Musik in Karlsruhe tätig war. Das Gesamtwerk des Komponisten umfasst mehr als 150 Kompositionen, die eine große Vielfalt in Besetzung und Instrumentation aufweisen. Seine Kompositionen wurden an der Hochschule, in Konzerthäusern und im Rundfunk gespielt. Auch die Arbeiten seiner Karlsruher Kompositionsklasse waren sehr erfolgreich.

Brigitte Knödler-Kagoshima


2007

Bestandserschließung

Im Jahr 2007 konnte die Erschließung des Karlsruher Musikhandschriftenbestandes mit mehr als 1.400 Signaturen, darunter etwa 1.000 Signaturen mit Instrumentalmusik des 18. Jahrhunderts, abgeschlossen werden. Dr. Armin Brinzing, der Leiter der RISM-Arbeitsstelle München, hatte seit 2001 an diesem Projekt gearbeitet und war für jeweils einige Wochen im Jahr "Gastarbeiter" der BLB. Die Daten werden nun für einen gedruckten Katalog aufbereitet, der demnächst erscheinen soll. Damit wird ein erster Musikhandschriftenkatalog der Badischen Landesbibliothek vorgelegt. Zudem werden die Katalogisate dann auch in der RISM-Datenbank A/II, Handschriften vor 1800 recherchierbar sein, die zum Jahreswechsel 2009 über die ViFa-Musik frei über das Internet benutzbar werden soll.

Die Erschließung der Musikalien der Markgrafen von Baden, die die BLB seit 1995 im Zusammenhang mit der Erwerbung der Baden-Badener Schlossbibliothek verwahrt, ist abgeschlossen worden. Etwa 1.800 Datensätze von Musikhandschriften und -drucken des 18. bis 20. Jahrhunderts können nun über die Homepage der BLB recherchiert werden. Darunter befinden sich ausgesprochen viele Unikate und Dedikationswerke, die für die Musikgeschichte der Region von größter Bedeutung sind. Doch zeichnet sich der Bestand auch durch eine ausgewogene Mischung von klassischen Werken in schönen Ausgaben aus, die den Musikgeschmack des badischen Fürstenhauses vorwiegend im 19. Jahrhundert widerspiegeln. Geplant ist nun, ausgewählte Ausgaben zu digitalisieren.

Online-Projekte/Bestandspräsentation

Als Nachklang zum Mozartjahr wurden 2007 die Briefe von Leopold und Wolfgang Amadeus Mozart aus dem Donaueschinger Musikalienbestand digitalisiert und mit Übertragung auf der Homepage der BLB veröffentlicht. In der Sammlung sind zwei Briefe von Leopold Mozart (1719-1787) vom 3. April und 22. April 1784 sowie zwei Briefe von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) vom 8. August und 30. September 1786 enthalten. Alle diese Briefe sind an Sebastian Winter (1744-1815) gerichtet, den Kammerdiener des Fürsten Josef Maria Benedikt zu Fürstenberg (1757-1796). Zuvor hatte der gebürtige Donaueschinger die Familie Mozart auf einer ihrer Reisen durch Europa begleitet. Als Kammerdiener war er für die Beschaffung von Noten für das fürstliche Orchester zuständig, und so lag es nahe, sich auch an die Mozarts zu wenden.

Ergänzend zu den Briefdigitalisaten wurde auch eine Internetdatei mit zahlreichen Bildern zum Thema "Wolfgang Amadeus Mozart und die Donaueschinger Musikaliensammlung" ins Netz gestellt.

Eine wichtige Neuerung stellt die Liste der Belegausgaben unserer Musikhandschriften und -drucke übers Internet dar (Johann Melchior Molter / andere Komponistinnen und Komponisten). Somit können sich Interessierte, die eine Notenausgabe aus Beständen der BLB planen, vorab informieren, ob schon eine Edition vorhanden ist.

Die Karlsruher Komponistin Margarete Schweikert hatte ein Jubiläum: ins Jahr 2007 fiel ihr 50. Todestag, weshalb eine digitale Edition mit Liedern und Kammermusik erarbeitet worden ist. Mit der Bereitstellung ausgewählter Werke im Projekt "Margarete Schweikert - Werke im Internet" sollen nicht nur wissenschaftlich Interessierte angesprochen werden. Vor allem wird es Musikerinnen und Musiker ermöglicht, mit noch unbekannten Werken das heutige Konzertrepertoire zu erweitern.

Für alle Musiker/innen und Musikinteressierten wurden neue und komfortable Suchmöglichkeiten nach Musiknoten, Musiktonträgern und Werken zur Musikwissenschaft in der "Musik-Bibliothek" im Online-Katalog Suchen und Ausleihen eingerichtet. Einzelne Unterpunkte der Musikbibliothek sind z.B. eine Auflistung von Neuerwerbungen im Bereich Musik, eine Suche nach Musiknoten über eine sachliche Erschließung (musikalischen Besetzung, musikalischen Form und Gattung), eine Suche in den historischen Beständen sowie Hinweise auf die elektronischen Ressourcen, die im Rahmen der "Digitalen Bibliothek" der Badischen Landesbibliothek zur Verfügung gestellt werden.

Besondere Erwerbungen

Der Nachlass des Donaueschinger Hofkapellmeisters Johann Wenzel Kalliwoda (1801-1866) ist aus Karlsruher Privatbesitz ein weiteres Mal ergänzt worden. So wurden der BLB u. a. eine bislang unbekannte Kupferplatte mit dem Bild des Musikers geschenkt. Von seinem Sohn Wilhelm Kalliwoda sind in der Schenkung u. a. Noten sowie ein Zeichenbuch enthalten, das im Duktus Anklänge an W. Kalliwodas Leipziger Lehrer Mendelssohn Bartholdy hat.

Martina Rebmann


2006

Öffentliche Veranstaltungen

Als Ouvertüre zum Mozartjahr, das in der Badischen Landesbibliothek durch das reiche Mozartmaterial im Bestand der Donaueschinger Musikalien besondere Bedeutung hat, wurde im Januar 2006 zur Feier des 250. Geburtstages ein Vortragsabend unter dem Titel "... etwas von meiner geringen arbeit ..." - Mozarts Werke in der Badischen Landesbibliothek veranstaltet. Aus diesem Anlass konnten einige der schönsten Handschriften und Drucke der Werke Mozarts aus dem Donaueschinger Bestand im Original gezeigt werden, wie das gesamte zeitgenössische Aufführungsmaterial zur Oper Don Giovanni (Partiturabschrift: Prag 1787), die Abschrift des Quodlibets Galimathias musicum KV 32 des neunjährigen Mozarts (die als einzige Quelle überhaupt einen von Mozart unterlegten Text enthält) oder Sinfonie-Abschriften mit autographen Eintragungen des Komponisten.

Der Förderverein der Badischen Landesbibliothek, die Badische Bibliotheksgesellschaft e. V., veranstaltete im Sommer 2006 die Ausstellung 1966-2006: Kostbare Geschenke der Badischen Bibliotheksgesellschaft, bei der Erwerbungen präsentiert wurden, die mit seiner Unterstützung getätigt werden konnten. Musikalische Kostbarkeiten aus der ehemaligen Donaueschinger Fürstenbibliothek sowie aus dem Notenbestand der Badischen Großherzöge wurden dabei ebenfalls gezeigt. Zur Ausstellung ist ein reichbebilderter Katalog erschienen.

Im September wurde dann die Ausstellung Der Magier am Dirigentenpult. Felix Mottl (1856-1911) eröffnet. Mottl war Kapellmeister in Karlsruhe und trug wesentlich zum künstlerischen Ansehen der Stadt bei. Im Alter von knapp 25 Jahren wurde er im Oktober 1880 als Nachfolger von Otto Dessoff am großherzoglich-badischen Hoftheater als Generalmusikdirektor engagiert, wo er bis 1903 wirkte. Anlässlich seines 150. Geburtstages erinnerte die Schau an seine Arbeit in der badischen Residenz, aber auch an sein großes Engagement für die Musik Wagners, die Mottl seit 1886 regelmäßig in Bayreuth sowie von 1898 bis 1900 in London dirigierte. Schön gestaltete Notenexemplare mit aufwändigen Titel-Lithographien von Mottls eigenen Werken rundeten die Ausstellung ab.

An der Jahresausstellung der Universitätsbibliothek (UB) Heidelberg war die Musiksammlung der BLB ebenfalls beteiligt: Mit der Schau Ein Knab auf schnellem Roß würdigte die UB das 200jährige Jubiläum des Erscheinens der Liedersammlung Des Knaben Wunderhorn von Achim von Arnim und Clemens Brentano. Die musikalischen Aspekte zur Sammlung, die u. a. Goethe sehr schätzte, konnten dabei mithilfe der Bestände der BLB einbezogen und erläutert werden. Das Buch zur Ausstellung ist im Handel erhältlich:
Ein Knab auf schnellem Roß: Die Romantik in Heidelberg, bearbeitet von Armin Schlechter unter Mitwirkung von Martina Rebmann (Heidelberg: Winter, 2006). 128 S., mit zahlreichen Illustrationen, ISBN 3-8253-5202-1, Euro 15,- (Schriften der Universitätsbibliothek; Bd. 7).

Erwerbung

An neuen Gesamtausgaben konnten subskribiert werden: Luigi Boccherini, Willem de Fesch, Josquin des Prez (Neue Josquin Ausgabe), Reinhard Keiser, Moritz Landgraf von Hessen-Kassel, Sergej Rachmaninov, Francesco Paolo Tosti und William Walton. Eine praktische Übersicht über alle vorhandenen Gesamtausgaben kann über das Internet eingesehen werden: Teil- und Gesamtausgaben im Lesesaal Sammlungen (Bereich Musik).
An Reihen wurden neu beschafft: Denkmäler der Musik in Salzburg (Faksimile-Reihe), Musik aus der Dresdner Hofkirche und Instrumentalmusik am Dresdner Hof. Auch dafür dient eine Internetseite: Denkmäler und Reihen im Lesesaal Sammlungen (Bereich Musik).

Bestandserhaltung

Die 3.612 Notenhandschriften der Donaueschinger Musikaliensammlung, die seit 1999 in der Badischen Landesbibliothek verwahrt werden, wurden ab Januar für die Verfilmung im Institut für Bestandserhaltung in Ludwigsburg vorbereitet. Bevor sie auf die Reise geschickt werden konnten, mussten die Stimmen geordnet und paginiert werden, eine Aufgabe, die viel Sorgfalt erforderte. Für die vorbereitenden Arbeiten und die nun angelaufene Verfilmung wurden Mittel aus dem Landesrestaurierungsprogramm bereitgestellt. Das Programm wurde vom Land Baden-Württemberg beschlossen, um den Erhalt von Handschriften, Nachlässen, Noten und sonstiger Dokumente in Archiven und Bibliotheken des Landes Baden-Württemberg zu sichern.

Ebenso wurden konservatorische Maßnahmen bei den Notenhandschriften und -drucken aus dem Musikalienbestand Baden-Baden vorgenommen. Die Musikalien wurden 1995 vom Land im Rahmen der Erwerbung der Baden-Badener Schlossbibliothek angekauft. Jeder Band ist nun einzeln in säurefreies Papier gelegt und dann in stabile Archivkästen verpackt worden, so dass die Aufbewahrung der teilweise in Samt und Seide gebundenen Musikalien in konditionierter Umgebung des Handschriftentresors nun optimal ist.

Martina Rebmann


Adresse
Erbprinzenstraße 15, 76133 Karlsruhe
Telefonnummern und E-Mail-Adressen


Öffnungszeiten
Mo - Fr 9.00 - 19.00 Uhr,
Sa 10.00 - 18.00 Uhr

Wissenstor:
Mo - Fr 9.00 - 22.00 Uhr,
Sa, So 10.00 - 22.00 Uhr

Lesesaal Sammlungen:
Mo - Mi, Fr 9.30 - 16.00 Uhr,
Do 9.30 - 18.00 Uhr


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