Badische Landesbibliothek
   


Musikalien der Schlossbibliothek Baden-Baden

Die Schlossbibliothek Baden-Baden, die 1995 mit Hilfe der Badischen Bibliotheksgesellschaft erworben werden konnte, enthält auch eine größere Musiksammlung mit etwa 1.800 gedruckten und handschriftlichen Werken zahlreicher Komponistinnen und Komponisten. Inklusive Mehrfachexemplare umfasst die Sammlung etwa 2.000 Werke.

Der Charakter der Sammlung ist der einer musikalischen Privatbibliothek eines Fürstenhauses: überwiegend Kammermusik für Klavier (Märsche), Lieder und Klavierauszüge finden sich darunter. Von großer Bedeutung sind aber auch die zahlreichen Dedikationswerke zu festlichen Anlässen des Herrscherhauses wie zu Geburtstagen, Ehe- oder Regierungsjubiläen, die die Beliebtheit bei der badischen Bevölkerung dokumentieren. Sie haben häufig kostbare Einbände aus Leder, Samt oder Seide, oft mit Goldprägungen oder verzierenden Metallbeschlägen versehen, und sie sind entweder vollständig mit der Hand geschrieben oder weisen zumindest ausnehmend fein gestaltete, handgemalte, farbige Titelblätter auf.

Das Vorhandensein von musikalischen Schulwerken deutet darauf hin, dass die Angehörigen des badischen Herrscherhauses selbst aktiv musizierten. Vom großen Interesse an Musik zeugen auch wissenschaftliche Ausgaben und Studienpartituren sowie Arrangements aktueller Opernmusik für Klavier zu zwei oder vier Händen (z. B. von Carl Maria von Weber, Richard Wagner, Giuseppe Verdi).

Das Repertoire umfasst viele Werke von heute nicht mehr bekannten badischen Musikerinnen und Musikern, die jedoch für das kulturelle Leben oft über die Region hinaus Bedeutung hatten. Doch auch Werke von Künstlern, die in Baden nur eine Station ihrer Laufbahn sahen, sind zahlreich vorhanden (Pauline Viardot, Felix Mottl).

Die Musiksammlung Baden-Baden bietet eine Fülle an Entdeckungen, und sie ist in ihrer Gesamtheit noch überhaupt nicht erforscht. Für die badische Musikgeschichte bildet sie einen unverzichtbaren Baustein.

Erschließungsstand

Der Bestand ist im 20. Jahrhundert - noch zu Zeiten der Aufbewahrung in Baden-Baden - alphabetisch geordnet und mit Signaturen versehen worden. Aus dieser Zeit hat sich ein handschriftlicher Bandkatalog erhalten.

Nach der Erwerbung des Notenbestandes im Jahr 1995 mussten die Noten neu sortiert und einer Revision unterzogen werden. Außerdem fanden eine konservatorische Bearbeitung sowie eine erste Erschließung in elektronischer Form statt. Als Ergebnis dieser Maßnahmen, die hauptsächlich durch ehrenamtliche Tätigkeit geleistet wurden, können bibliographische Angaben zum Bestand der Baden-Badener Musikalien heute in Tabellenform im Internet eingesehen werden. Die Katalogisierung der Notendrucke im Südwestverbund mit Recherchemöglichkeit in unserem Online-Katalog steht noch aus.

Einige Werke aus der Schlossbibliothek Baden-Baden


Georg Wichtl (1805-1877), Fest-Ouvertüre
Georg Wichtl (1805-1877). Fest-Ouvertüre. Partitur, Handschrift (Papier, Pergament, Tinte, Deckfarbe, Gold- und Silberauflage), roter Kalbledereinband mit Gold- und Blindprägung.
27,5 x 39 cm, 48 S., [Hechingen?], [1856].
FEST-OUVERTURE FÜR DAS GROSSE ORCHESTER. / ZUR Vermählungs=Feier / Seiner Königlichen Hoheit des / GROSSHERZOG FRIEDRICH VON BADEN / mit Ihrer Königlichen Hoheit der / PRINCESSIN LOUISE VON PREUSSEN / componirt / und / dem hohen Brautpaare / ehrfurchtsvoll gewidmet / von G. Wichtl
Die neuere dynastische Geschichte des Hauses Baden lässt sich gut anhand der erhaltenen Musikalien verfolgen. Zur Vermählung von Großherzog Friedrich I. von Baden (1826-1907) mit Prinzessin Luise von Preußen (1838-1913) komponierte Georg Wichtl eine Ouvertüre, die sich wahrscheinlich ausschließlich in der Musikaliensammlung der Schlossbibliothek Baden-Baden erhalten hat. Wichtl stammte aus Trostberg in Bayern und war als Komponist und Geiger ausgebildet, mit 18 Jahren kam er als Violinist an die Münchner Hofkapelle, mit 21 wurde er fürstlicher Vizekapellmeister und Konzertmeister in Hechingen, wo er auch eine Gesangsschule gründete.
Die Hochzeit Friedrichs mit der preußischen Prinzessin Luise fand am 20. September 1856 in Berlin statt. Damit war das badische Großherzogtum dynastisch mit einem der wichtigsten Adelshäuser verbunden, denn Luises Vater wurde später der erste deutsche Kaiser. Die kalligraphisch herausragende Musikhandschrift ist mit einem Titelblatt geziert, das auf Pergament geschrieben worden ist. Geschmückt ist es u. a. mit den Wappentieren der beiden sich verbindenden Familien (Löwe und Adler).
Signatur: Baden-Baden W 22

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Eugen Gageur (1848-1899), Chorlied
Eugen Gageur (1848-1899). Chorlied. Partitur, Druck, Titelblatt mit Federzeichnung und Handkolorierung, roter Samteinband mit Beschlägen.
26 x 33 cm, 1 Bl., 6 S., [Karlsruhe?], 1.9.1885.
Willkomm-Gruss. / Zur Vermählungsfeier / Seiner Königlichen Hoheit des Erbgroßherzogs Friedrich von Baden / und / Ihrer Hoheit der Prinzessin Hilda von Nassau / ehrfurchtsvollst gewidmet.
Der Komponist Eugen Gageur war zunächst als Hilfslehrer in Waldshut tätig, bevor er 1874 Organist und Chordirektor an St. Stephan in Karlsruhe wurde. Hier gründete er den Gesangsverein "Liederhalle". Gageur war besonders bekannt für sein liebenswürdiges Wesen und seine ausgezeichnetes Spiel auf Orgel und Klavier.
Bei der vorliegenden Partitur handelt es sich um ein besonders schön gebundenes und ausgestaltetes Druckexemplar, das dem Fürstenpaar dediziert worden ist. Die Hochzeit von Hilda (1864-1952) und Friedrich II. (1857-1928) fand am 20. September 1885 in Karlsruhe statt, das junge Paar residierte dann im Erbgroßherzoglichen Palais, dem heutigen Bundesgerichtshof in unmittelbarer Nachbarschaft der BLB, und überließ das Schloss der alten Großherzogin Luise. 1907 über nahm Großherzog Friedrich II. die Regierungsgeschäfte, doch musste er 1918 abdanken.
Signatur: Baden-Baden G 75 (W 43)

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Richard Wagner (1813-1883), Tristan und Isolde (WWV 90) Richard Wagner (1813-1883), Tristan und Isolde (WWV 90)
Richard Wagner (1813-1883). Tristan und Isolde (WWV 90). Klavierauszug (Kupferstich).
33 x 25,5 cm, 1 Bl., 250 S., Leipzig: Breitkopf & Härtel, [1860], Pl.-Nr. 9942, tiefroter Halbledereinband mit Goldprägung.
TISTAN UND ISOLDE / von / Richard Wagner. / Vollständiger Klavierauszug / von / HANS VON BÜLOW
Der Philosoph Friedrich Nietzsche schrieb zu diesem epochemachenden Werk: "Von dem Augenblick an, wo es einen Klavierauszug des "Tristan" gab - mein Kompliment, Herr von Bülow! - war ich Wagnerianer." - Hans von Bülow war nicht nur der Bearbeiter des Klavierauszugs, sondern auch Dirigent der Uraufführung. Zu Beginn des Jahres 1860 ist bereits die Partitur im Druck erschienen, es folgte gegen Ende des Jahres der Klavierauszug, womit also beide wichtigen Ausgaben schon fünf Jahre vor der Uraufführung in München am 10. Juni 1865 vorlagen.
Aufgeschlagen ist die erste Notenseite, die gleich im zweiten Takt des Vorspiels den berühmten Tristan-Akkord zeigt. Dabei handelt es sich um eine als Leitmotiv verwendete Harmonie, die hier in den Holzbläsern und den Celli erklingt. Der Tristan-Akkord gilt als wegweisend für die Harmonik der musikalischen Romantik des 19. Jahrhunderts, vor allem wegen seiner harmonischen Mehrdeutigkeit.
Das Exemplar weist eine Widmung von Kronprinzessin Victoria von Preußen an Großherzogin Luise auf, die aus dem Erscheinungsjahr des Klavierauszuges stammt: "Meiner lieben Luise von ihrer treuen Schwester Victoria / Weihnachten 1860 / Berlin". Luise war bekannt für ihre Musikliebe und besonders auch für ihr Interesse an der Musik Richard Wagners, der zu dieser Zeit als sehr umstrittener Komponist galt.
Signatur: Baden-Baden O 57/1

Adresse
Erbprinzenstraße 15, 76133 Karlsruhe
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Öffnungszeiten
Mo - Fr 9.00 - 19.00 Uhr,
Sa 10.00 - 18.00 Uhr

Wissenstor:
Mo - Fr 9.00 - 22.00 Uhr,
Sa, So 10.00 - 22.00 Uhr

Lesesaal Sammlungen:
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Do 9.30 - 18.00 Uhr


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