Badische Landesbibliothek
   


Karlsruher Musikhandschriften

Zu den Karlsruher Musikhandschriften gehören über 3000 Kompositionen aus der Zeit vom 16. bis zum 20. Jahrhundert. Den historischen Kernbestand bildet das Repertoire der Karlsruher Hofmusik aus der Mitte des 18. Jahrhunderts: Mit etwa 400 Handschriften ist der Nachlass des langjährigen badischen Hofkapellmeisters Johann Melchior Molter (1696-1765), dessen Werke mit wenigen Ausnahmen nur in der Badischen Landesbibliothek überliefert sind, darin der größte zusammenhängende Teilbestand.

Johann Melchior Molter: Sinfonie VII
Johann Melchior Molter (1696-1765): Sinfonie - B-Dur. Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Musiksammlung, Mus. Hs. 530. Stimme der ersten Violine (Ausschnitt)


Die übrigen Handschriften überliefern vor allem Werke deutscher, italienischer und französischer Komponisten aus der Zeit von etwa 1720 bis 1780. Darüber hinaus gehören Handschriften des ehemaligen Badischen Hoftheaters sowie u.a. Autographen von Ludwig Keller, Malwina Schnorr von Carolsfeld, Ludwig Baumann, Vinzenz Lachner, Clara Faisst und Margarete Voigt-Schweikert zum Bestand.

In vielen Fällen handelt es sich bei den Karlsruher Musikhandschriften um Unikate, das heißt um Kompositionen, die in Karlsruhe singulär überliefert sind.

Die Badische Landesbibliothek hat über die weitgehende Zerstörung ihres Bestandes im Jahr 1942 hinweg große Teile des historischen Kernbestandes aus dem 18. Jahrhundert retten können.

Wilhelm Gottfried Enderle (1722-1790): Trio. Ohne Titel
Wilhelm Gottfried Enderle (1722-1790): Trio. Ohne Titel. Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Musiksammlung, Mus. Hs. 111.
Die Musikhandschrift überstand den Brand nach dem Luftangriff im Jahr 1942 schwer beschädigt in einem Stahlschrank. Durch die Hitzeeinwirkung ist sie an den Rändern angesengt und verkohlt. Das brüchige und abbröckelnde Papier konnte restauriert und so vor weiterem Verfall geschützt werden, doch ist leider bereits Textverlust eingetreten.



Erschließung der Karlsruher Musikhandschriften

Beschrieben ist die Sammlung zum ersten Mal bei Robert Eitner (Biographisch-Bibliographisches Quellen-Lexikon der Musiker und Musikgelehrten christlicher Zeitrechnung bis Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, 2., verbesserte Auflage in 11 Bänden, Nachdruck der Ausgabe Leipzig 1900, Graz 1959 und 1960, Standort im Lesesaal Sammlungen Tz 60, im Internet unter Eitners Quellen-Lexikon digital). Außerdem existiert ein handgeschriebener Katalog aus der Zeit um 1950 (Katalog der Musikhandschriften der Badischen Landesbibliothek, Karlsruhe 2000, Standort im Lesesaal Sammlungen Tz 0/2699a).

Da diese Nachweisinstrumente heutigen Anforderungen nicht mehr genügten, wurden die Musikhandschriften von Dr. Armin Brinzing, ehemals Leiter der RISM-Arbeitsstelle München, neu katalogisiert. Das Internationale Quellenlexikon der Musik - Répertoire International des Sources Musicales - ist ein länderübergreifendes, gemeinnützig orientiertes Unternehmen mit dem Ziel, die weltweit überlieferten Quellen zur Musik umfassend zu dokumentieren.

Von Mus. Hs. 1 - Mus. Hs. 1437 sind alle Karlsruher Musikhandschriften im RISM-Online-Katalog unter dem Bibliothekssigel = D-KA nachgewiesen. Ein weiterer Nachweis ist in Form eines gedruckten Kataloges vorhanden: Im Jahr 2010 erschien der von Dr. Armin Brinzing erarbeitete "Thematische Katalog der Musikhandschriften".


Armin Brinzing: Thematischer Katalog der Musikhandschriften (Signaturengruppe Mus. Hs.).

Mit einem vollständigen Verzeichnis der Werke Johann Melchior Molters (MWV), Wiesbaden: Harrassowitz Verlag 2010 (Die Handschriften der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe, Bd. XIV). ISBN 978-3-447-06388-3

Weitere Informationen des Harrassowitz-Verlags zum Katalog
Die Handschriften der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe, Band XIV. Thematischer Katalog der Musikhandschriften (Signaturengruppe Mus. Hs.). Beschrieben von Armin Brinzing. Erschienen in Harrassowitz Verlag 2010.


Der Katalog enthält über die Beschreibung der Handschriften hinaus eine Einführung in die Geschichte des Karlsruher Bestandes an Musikhandschriften. Auch die in den Handschriften vorkommenden Wasserzeichen werden in einem eigenen Teil ausführlich beschrieben und eingeordnet. Zudem wurde ein vollständiges Verzeichnis der Werke Johann Melchior Molters aufgenommen, das auch die nicht in Karlsruhe erhaltenen Quellen sowie einen vollständigen Katalog der gedruckten und handschriftlichen Libretti zu Molters Vokalwerken umfasst.

Der neu erschienene Katalog wurde am Samstag, dem 20. November 2010, mit einem Vortrag und musikalischer Umrahmung präsentiert: "So bald ich aufgestanden war hab ich ein Solo auf der Flöte geblasen".

Eine kleine Ausstellung zum neu erschienenen Katalog wurde vom 25. Oktober 2010 - 31. Januar 2011 im Informationszentrum der Badischen Landesbibliothek gezeigt: "So bald ich aufgestanden war hab ich ein Solo auf der Flöte geblasen".



Erfassung im RISM-Online-Katalog unter dem Bibliothekssigel = D-KA

Der Bestand der Karlsruher Musikhandschriften ist im RISM-Online-Katalog unter dem Bibliothekssigel = D-KA nachgewiesen.

Die Signaturen der Karlsruher Musikhandschriften beginnen in den meisten Fällen mit dem Kürzel "Mus. Hs.". Unter dem Bibliothekssigel = D-KA wurden noch einige weitere Werke erfasst:

  • E.M. 379 (Gesänge zu Prozessionen und anderen Anlässen aus dem Benediktinerstift in Ettenheim-Münster, Abschrift 1726),
  • K 988 (Fragmente aus einer Choralhandschrift, wohl 14. Jahrhundert)
  • K 3170 (Werke aus dem Nachlass von Johann Wenzel Kalliwoda)
  • M 6070 RH ("Immer mehr" von Gottfried Wiedebein, Abschrift 1825-1850)
  • Mus A 678 (Sammelband mit Werken für Laute)
Unter dem Bibliothekssigel = D-KA wurden außerdem Werke aus dem Bestand der ebenfalls in der Badischen Landesbibliothek aufbewahrten ehemals Donaueschinger Musikhandschriften erfasst. Im Zuge der Katalogisierung der Karlsruher Musikhandschriften durch Dr. Armin Brinzing waren noch einige Angaben zu den Donaueschinger Musikhandschriften ergänzt worden, vor allem wurden auch mehrere Handschriften neu aufgefunden, die ursprünglich nicht vorgelegen hatten. Es handelt sich um insgesamt 1.621 zusätzliche Titelaufnahmen, die mit dem Bibliothekssigel = D-KA aufgenommen und mit dem Vorbesitzer "Fürstlich Fürstenbergische Hofbibliothek" verzeichnet wurden.

Einige Zahlenangaben zu den Titelsätzen in der RISM-Datenbank:
(Stand: Drucklegung des Katalogs im Jahr 2010)
Anfrage in der RISM-Datenbank Anzahl der Treffer Bemerkung
Bibliothekssigel = D-KA 4.703  
Bibliothekssigel = D-KA UND Signatur = "Don mus" 1.621 Von den 4.703 Datensätzen des Bibliothekssigels D-KA gehören 1.621 nicht zum Bestand der Karlsruher Musikhandschriften, sondern zum Bestand der Donaueschinger Musikhandschriften. Zum Bestand der Karlsruher Musikhandschriften gehören also 4.703 - 1.621 = 3.082 Datensätze.
Bibliothekssigel = D-KA UND Signatur = "Mus Hs" 2.894 Die Signaturen der Karlsruher Musikhandschriften beginnen in den meisten Fällen mit dem Kürzel "Mus. Hs.".
Bibliothekssigel = D-KA UND Signatur = "E.M. 379" 9 Unter dem Bibliothekssigel = D-KA wurden noch insgesamt 188 Datensätze zu Werken erfasst, die nicht mit dem Kürzel "Mus. Hs." beginnen: E.M. 379, K 988, K 3170, M 6070 RH, Mus A 678, None.
Bibliothekssigel = D-KA UND Signatur = "K 988" 91
Bibliothekssigel = D-KA UND Signatur = "K 3170" 11
Bibliothekssigel = D-KA UND Signatur = "M 6070 RH" 1
Bibliothekssigel = D-KA UND Signatur = "Mus A 678" 75
Bibliothekssigel = D-KA UND Signatur = "None" 1


Für eine Sucheinschränkung auf die Karlsruher Musikhandschriften geben Sie im Feld Signatur "Mus. Hs." und im Feld Bibliothekssigel "D-KA" ein. Sie erhalten dann alle erfassten Werke bis auf die oben aufgeführten Ausnahmen.

Die nach 2008 erworbenen Musikhandschriften ab Mus. Hs. 1438 sind in dem gedruckten Katalog nicht enthalten. Mit deren Katalogisierung in RISM wurde im Jahr 2014 von Gottfried Heinz-Kronberger begonnen, und die bereits katalogisierten Musikhandschriften sind über den RISM-OPAC zugänglich. Unter diesen hinzugekommenen Signaturen enthaltene Nachlässe aus dem 20. Jahrhundert konnten dabei nicht berücksichtigt werden.

Digitalisierung der Karlsruher Musikhandschriften

Viele der Karlsruher Musikhandschriften sind bereits digitalisiert worden. Sie stehen in den Digitalen Sammlungen der Badischen Landesbibliothek unter dem Menüpunkt "Musikalien" zur Verfügung.


Fortführung der Signaturengruppe Mus. Hs.

Von Mus. Hs. 1 - Mus. Hs. 1437 sind alle Karlsruher Musikhandschriften im gedruckten Katalog und im RISM-Online-Katalog nachgewiesen. Die Signaturengruppe Mus. Hs. wird in der Badischen Landesbibliothek weiter fortgeführt.

  • Mus. Hs. 1438: Hans H. Hesse: Sonatine für Flöte und Klavier, 1956
  • Mus. Hs. 1439: Martin Kares: Kanon "Jauchzet, frohlocket", 2007
  • Mus. Hs. 1440: Musikalischer Nachlass Kurt Köhler (1905-1989), Karlsruhe
  • Mus. Hs. 1441: Musikalischer Nachlass Theodor Ziegler (1874-1933), Karlsruhe
  • Mus. Hs. 1442: Musikalischer Nachlass Josef Schelb (1894-1977), Karlsruhe
  • Mus. Hs. 1443: Conradin Kreutzer: "Concertino pour l' Oboe", ca. 1840
  • Mus. Hs. 1444: Musikalischer Nachlass Istvan Horvath (1902-1973), Ungarn
  • Mus. Hs. 1445: Musikalischer Nachlass Arthur Grüber (1910-1990), Karlsruhe
  • K 3256: Nachlass Karlheinz Nürnberg (1918 - 1999)
  • Mus. Hs. 1446: 3 Abschriften von Werken des Komponisten Johann Wenzel Kalliwoda aus dem Nachlass von Gottlieb Adolph Fuchs (1803-1887), Schmalkalden (Thüringen)
  • Mus. Hs. 1447: Verschiedene handschriftliche Bearbeitungen von Werken aus dem Bestand der Karlsruher Musikhandschriften durch Prof. Nikolaus Delius, Kirchzarten
  • Mus. Hs. 1448: Werke der Karlsruher Komponistin Ursula Euteneuer-Rohrer (geb. 1953 in Karlsruhe)
  • Mus. Hs. 1449: Stimmbuch Alt, geistliche Lieder, um 1800, gebunden
    Digitalisat: Sammelhandschrift Geistlicher Lieder - Mus. Hs. 1449
    Digitalisat: Landesbibliothek Coburg, Ms Mus 117
    Nikolaus Delius: Anmerkungen zur Musikhandschrift KA Mus Hs 1449 (PDF)
  • Mus. Hs. 1450: Signor Formica : komische Oper in 3 Aufzügen. Nach E.T.A. Hoffmann's gleichnamiger Erzählung von Carl Stang. Musik von Gerhard Nestler (1900-1983). Partitur, 216 Seiten, gebunden.
  • Mus. Hs. 1451: Klavierkonzert Es-dur (Karlsruher Konzert) von Gustav Lüttgers (1894-1983).
    Partitur, 126 Seiten, gebunden. Klavierauszug (2 Exemplare), 48 Seiten, gebunden.
    Geschenk von Lukas Schellinger, Karlsruhe
  • Mus. Hs. 1452: Johann Evangelist Brandl: Die Fürsten Gruft. Aus den Gedichten des Herrn Chr. Dan. Fri. Schubart zum Singen beim Klavier durchaus in Musik gesezt von Johann Brandl. Musikdirector. Leipzig. Handschrift auf Papier, frühes 19. Jahrhundert. Groß-Quart. Titel, 14 Seiten, 1 Seite leer. Geheftet, ohne Einband.
  • Mus. Hs. 1453: Musikalischer Nachlass Max Steidel (1891-1957), Karlsruhe
  • Mus. Hs. 1454: Musikhandschrift von Emil von Kageneck (1812-1882) aus dem Besitz von Alexander Furtwängler (1924-2013), Karlsruhe
  • Mus. Hs. 1455: Musikhandschrift "Douze Divertissement [C.,G, D, A, F, B, G, D, A, F, B, C] pour deux violons compose par Schwindel" von Friedrich Schwindl (1737-1786), Konzertmeister der Markgräflich Badischen Hofkapelle. Kopistenabschrift von J.H. Halberg der bekannten Divertimenti für Anfänger op. 4. [o.O., ca. 1775]
  • K 3335: Nachlass Ernst-Lothar von Knorr (1896 - 1973)
  • K 3353: Nachlass Nachlass Joachim Krebs (1952 - 2013)
  • Mus. Hs. 1456: Musikhandschrift "Lieder für eine Singstimme und Klavier" von Felix Mottl (1856-1911), Hofkapellmeister der Großherzoglich Badischen Hofkapelle Karlsruhe. Abschrift von B. Dihm, 1910. Mit einer Widmung an Felix Mottl
  • K 3376: Nachlass Nachlass Frithjof Haas (1922 - 2013)
  • Mus. Hs. 1457: Liedersammlung für das Pianoforte, Walldürn 1867. Aus dem Besitz von Josephus Sigismund Dieterichs (1829-1882), Hauptlehrer

Zitierweise der Signaturen

Die offizielle Zitierweise der Signaturen beginnt immer mit Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Musiksammlung, ...
Beispiel: Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Musiksammlung, Mus. Hs. 530.


Literatur

  • Brinzing, Armin: Die Handschriften der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe. - 14. Thematischer Katalog der Musikhandschriften : (Signaturengruppe Mus. Hs.); mit einem vollständigen Verzeichnis der Werke Johann Melchior Molters (MWV) / beschrieben von Armin Brinzing. - Wiesbaden : Harrassowitz, 2010. - LXVIII, 814 S. : Ill., zahlr. Notenbeisp. ISBN 978-3-447-06388-3
  • Häfner, Klaus: Der badische Hofkapellmeister Johann Melchior Molter (1696 - 1765) in seiner Zeit : Dokumente und Bilder zu Leben und Werk; eine Ausstellung der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe zum 300. Geburtstag des Komponisten / hrsg. von der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe (Mit einem Beitr. von Rainer Fürst). - Karlsruhe : Badische Landesbibliothek, 1996. ISBN 3-88705-041-X
  • Häfner, Klaus: "... gnädigst Befohlener maaßen, Zur Fürstl. Biebliothec geliefert": die Musikaliensammlung. - In: Buch, Leser, Bibliothek. - Karlsruhe : Badische Landesbibliothek, 1992. S. 161 - 170
  • Schneider, Nicola: Die Kriegsverluste der Musiksammlungen deutscher Bibliotheken 1942 - 1945. - Zürich : NEBIS, 2013. - Langzeitarchivierung durch die Badische Landesbibliothek Karlsruhe und das Bibliotheksservice-Zentrum Baden-Württemberg. - Zürich, Univ., Diss., 2010


Adresse
Erbprinzenstraße 15, 76133 Karlsruhe
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Mo - Fr 9.00 - 19.00 Uhr,
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Mo - Fr 9.00 - 22.00 Uhr,
Sa, So 10.00 - 22.00 Uhr

Lesesaal Sammlungen:
Mo - Mi, Fr 9.30 - 16.00 Uhr,
Do 9.30 - 18.00 Uhr


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