Badische Landesbibliothek
   


Josef Schelb

Josef Schelb wurde am 14. März 1894 in Krozingen geboren und starb am 8. Februar 1977 in Freiburg. Seine Werke werden in der Badischen Landesbibliothek unter der Signatur Mus. Hs. 1442 aufbewahrt und umfassen hauptsächlich Musikhandschriften. Sie sind in dem Verzeichnis Nachlass des Komponisten Josef Schelb in der Badischen Landesbibliothek erschlossen. Eine Nutzung ist im Lesesaal Sammlungen möglich.

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Kindheit und Jugend

Josef Schelb wurde am 14. März 1894 im südbadischen Krozingen geboren. Er war der jüngste Sohn des Badearztes Albert Schelb und dessen Ehefrau Luise geb. Östreicher. Der musikliebende Vater spielte selbst Violine und alle fünf Söhne erlernten ein Musikinstrument. Nach dem Besuch der Volksschule in Krozingen wechselte Josef Schelb, wie vor ihm seine vier Brüder, zum Freiburger humanistischen Gymnasium. Zum Klavierunterricht fuhr er wöchentlich nach Basel, wo er von Hans Huber (1852 - 1921), dem damaligen Direktor von Musikschule und Konservatorium, unterrichtet wurde.

Die fünf Schelb-Brüder: Siegfried, Eugen, Wilhelm, Albert. In der Mitte Joseph
Die fünf Schelb-Brüder: Siegfried, Eugen, Wilhelm, Albert. In der Mitte Joseph


Nach dem Abitur setzte Josef Schelb seine Klavierstudien in Genf fort. Sein Lehrer war Bernhard Stavenhagen (1869 - 1914), ein Liszt-Schüler und bekannter Klaviervirtuose, der sich nachdrücklich für zeitgenössische Komponisten einsetzte. Kontrapunkt-Unterricht erhielt er von Otto Barblan (1860 - 1943), der auch als Komponist wirkte. Im Frühjahr 1914, kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges, erhielt Josef Schelb das "Diplôme de Virtuosité avec Distinction".

Josef Schelb im Alter von 18 Jahren mit seiner Mutter
Josef Schelb im Alter von 18 Jahren mit seiner Mutter


Josef Schelb unternahm viele Reisen und sprach fließend Französisch, daneben beherrschte er Italienisch, Spanisch und Portugiesisch. Aufgrund seiner Sprachkenntnisse wurde er im Ersten Weltkrieg nicht an der Front eingesetzt, sondern im Kriegsersatzdienst in Freiburg, wo er bei der Postüberwachungsstelle Auslandsbriefe zu überprüfen hatte. Daneben übte und konzertierte er regelmäßig. Nach dem Krieg unterrichtete er in Freiburg und gab Konzerte im In- und Ausland.


Schelb, Josef: Drei Klavierstücke [Musikdruck] : op. 6. - München : Wunderhornverlag, 1920.
Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, MUSA 708
Schelb, Josef: Drei Klavierstücke [Musikdruck]

Schelb, Josef: Drei Klavierstücke [Musikdruck]
Die frühen Klavierstücke sind im Jahr 1917 entstanden und im Wunderhornverlag München 1920 erschienen. Das erste Klavierstück ist "Herrn und Frau Dr. W. Schelb gewidmet" (dem Bruder Wilhelm und seiner Frau Maximiliane).


Ruf nach Karlsruhe

Im September 1924 war der Freiburger Komponist und Organist Franz Philipp (1890 - 1972), dessen Nachlass ebenfalls in der Badischen Landesbibliothek aufbewahrt wird, zum Leiter des Badischen Konservatoriums ernannt worden. Josef Schelb bewarb sich um eine Stelle als Klavierlehrer am Badischen Konservatorium, ein entsprechender Vertrag kam im Oktober 1924 zustande. In den folgenden Jahren gab Josef Schelb weiterhin zahlreiche Konzerte. Seine Verpflichtungen am Badischen Konservatorium in Form von Unterricht sowie Teilnahme an Konferenzen, Veranstaltungen und Schülervorspielen waren für ihn nicht immer einfach mit seiner Konzerttätigkeit zu vereinbaren. Daraus entstanden Konflikte mit dem Direktor Franz Philipp.

Aus den Oberklassen des Konservatoriums entstand 1929 die erste staatlich anerkannte Musikhochschule Badens. Neben dem Direktor Franz Philipp wurde 1932 auch Josef Schelb und einigen seiner Kollegen die Amtsbezeichnung "Professor" verliehen.


Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Mit der Übertragung der Regierungsgewalt in Deutschland auf die Nationalsozialisten unter der Führung Adolf Hitlers im Jahr 1933 begann die Umwandlung der Demokratie in eine Diktatur. Die NSDAP gewann Einfluss auf die Stadtverwaltung in Karlsruhe und damit auch auf die Hochschule.

Im Juli 1936 heiratete Josef Schelb seine 1915 in Baden-Baden geborene Verlobte Lotte Schuler. Sie hatte an der Karlsruher Musikhochschule zunächst Klavier bei Josef Schelb studiert, wechselte dann aber zum Fach Gesang über. Frau Schelb führte in den folgenden Jahren die Lieder auf, die ihr Mann für sie komponiert hatte. Josef Schelbs Lieder sind deshalb überwiegend für Sopran geschrieben. Der gemeinsame Sohn Albert Viktor wurde drei Jahre später am 13. Oktober 1939 in Baden-Baden geboren.

Nachdem der Karlsruher Oberbürgermeister beim Reichsministerium die staatliche Verwaltung der Musikhochschule vorgeschlagen hatte, wurde diese Änderung im November 1938 vollzogen. Josef Schelb, der bisher nur gering besoldet war, erhielt nun ein angemessenes Gehalt und wurde mit insgesamt 22 Wochenstunden für die Fächer Klavier und Kammermusik beauftragt. Neben dieser "Staatlichen Hochschule für Musik" wurde eine "Städtische Musikschule für Jugend und Volk" unter städtischer Leitung eingerichtet, die als Nachfolgeeinrichtung des früheren Konservatoriums für Musik angesehen wurde.

Der Kriegsbeginn im September 1939 führte zu einem starken Rückgang der Studentenzahl. Sparmaßnahmen, Einberufungen und kriegsbedingte Dienstverpflichtungen störten den Schulbetrieb erheblich. Bei einem Fliegerangriff englischer Bomber in der Nacht vom 2. auf den 3. September 1942 wurden das Gebäude der Musikhochschule und das Gebäude der Jugendmusikschule zerstört. Auch die Familie Schelb war bei den Fliegerangriffen ausgebombt worden und musste eine neue Wohnung beziehen. Die frühen Kompositionen Josef Schelbs wurden dabei zum größten Teil vernichtet.

Josef Schelb wurde auf seinen Antrag hin ab Januar 1943 beurlaubt. Begründet hatte er seinen Antrag Konzerten, die er im In- und Ausland u.a. im Rahmen der Truppenbetreuung geben wollte. An den Konzertreisen nahm auch Lotte Schelb teil, die mit Gesangsvorträgen das Programm mitgestaltete. Im September 1944 wurden sämtliche Theater-, Kunst- und Musikhochschulen geschlossen. Das Ende des Krieges erlebte die Familie Schelb in Schonach im Schwarzwald, wohin sie sich aufgrund der Bombardements und der näher rückenden Front zurückgezogen hatte.

Familie Schelb im Jahr 1946
Familie Schelb im Jahr 1946


Neubeginn in Karlsruhe

Im August 1945 gehörte Karlsruhe zum amerikanischen Besatzungsgebiet. Allmählich kehrten die ehemaligen Lehrkräfte von Hochschule und Konservatorium zurück und stellten sich für die Wiederaufnahme des Unterrichts zur Verfügung. Musikhochschule und Jugendmusikschule wurden erneut zusammengeschlossen unter der Bezeichung "Konservatorium und Hochschule für Musik". Als neuer Leiter wurde Kirchenmusikdirektor Wilhelm Rumpf berufen, der mit der Wiedereröffnung im Jahr 1946 vor einer schwierigen Aufgabe stand.

Viele Eingaben waren notwendig, bis Josef Schelb wieder an der Hochschule unterrichten konnte. Seine Wiedereinstellung erfolgte dann im Jahr 1948. Er konnte sich als Komponist überwiegend in Südwestdeutschland einen Namen machen. Als Pianist war er zunehmend kammermusikalisch tätig. Er festigte sein Ansehen an der Hochschule und in der Öffentlichkeit. Seine Kompositionen wurden an der Hochschule, in Konzerthäusern und im Rundfunk gespielt. Auch die Arbeiten seiner Karlsruher Kompositionsklasse waren erfolgreich. 1954 wurde Josef Schelb 60 Jahre alt, was mit zahlreichen Würdigungen und Ehrungen in der Presse verbunden war.

Josef Schelb bei der Uraufführung der Serenata bucolica im März 1958 in Karlsruhe
Josef Schelb bei der Uraufführung der Serenata bucolica im März 1958 in Karlsruhe


Ruhestand in Baden-Baden

An der Hochschule war Josef Schelb bis zu seiner vorzeitigen Pensionierung im Dezember 1958 beschäftigt. Er hatte dort von 1924 bis 1958, also 34 Jahre mit kriegsbedingten Unterbrechungen, gearbeitet.

Nach der Versetzung in den Ruhestand übersiedelte Josef Schelb mit seiner Familie nach Baden-Baden. Eine Ferienwohnung in Falkau im Südschwarzwald diente zur Erholung und wurde gleichzeitig für Kompositionsarbeiten genutzt. Lotte Schelb erhielt einen Lehrauftrag für Musik an der Klosterschule "Zum heiligen Grab", einem Progymnasium, in dem sie früher selbst Schülerin war.

Intensive Kontakte zum Musikleben der Stadt boten Möglichkeiten zu einer Mitwirkung an Konzerten und zu Aufführungen der Kompositionen Josef Schelbs. Das Ehepaar Schelb war in Baden-Baden bekannt und geachtet, was sicher zum guten Besuch ihrer Veranstaltungen beitrug. Zum 65., 70., 75., und 80. Geburtstag Josef Schelbs erschienen zahlreiche Würdigungen und Ehrungen in der Presse. Ein Höhepunkt war die Überreichung des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse zum 75. Geburtstag im Kurhaus in Baden-Baden.

Im Jahr 1976 erlitt Josef Schelb einen Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr ganz erholte. Er starb am 8. Februar 1977 in Freiburg im Beisein von Frau und Sohn. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Städtischen Friedhof in Freiburg.

Josef Schelb am Flügel
Josef Schelb am Flügel


Der Komponist und seine Werke

Das Gesamtwerk Josef Schelbs (1894 - 1977) umfasst mehr als 150 Kompositionen, die eine große Vielfalt in Besetzung und Instrumentation aufweisen. Nach seiner Emeritierung waren ihm noch fast zwei Jahrzehnte des freien Schaffens in Baden-Baden vergönnt gewesen. Geprägt war seine Musik von den Stilrichtungen der Spätromantik, des Impressionismus und des Expressionismus. Beeinflusst wurde er von Komponisten wie Claude Debussy (1862 - 1918), Max Reger (1873 - 1916), Arnold Schönberg (1874 - 1951), Maurice Ravel (1875 - 1934), Béla Bartók (1881 - 1945), Igor Strawinski (1882 - 1971) und Paul Hindemith (1895 - 1963).

Josef Schelb sah sich selbst als Vertreter der "Neuen Musik", die unterschiedliche Kompositionsrichtungen der "ernsten" Musik zusammenfasste. Ein wichtiger Schritt der neuen musikalischen Sprache wurde bei der Harmonik vollzogen: die Tonalität wurde schrittweise aufgegeben bis hin zur freien Atonalität und schließlich zur Zwölftontechnik. Der Erneuerungswille erfasste dabei nach und nach sämtliche Stilmittel (Harmonik, Melodik, Rhythmik, Dynamik, Form, Orchestration usw.).

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden viele Formen der Neuen Musik, ebenso wie beispielsweise die Jazzmusik, als "entartet" eingestuft und verboten oder unterdrückt. Der Neuanfang nach dem Ende des Krieges 1945 versuchte, den roten Faden der unterbrochenen Entwicklung wieder aufzugreifen.

Eine wichtige Rolle spielte dabei die Entwicklung des Hörfunks und des Radioapparates. Durch die Gründungen der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten bekamen Josef Schelb und andere Komponisten ein neues Forum. Die Vergabe von Kompositionsaufträgen für Rundfunksendungen regte die Schaffung von neuen Werken an.

Dirigenten wie Hermann Scherchen (1891-1966), Hans Rosbaud (1895-1962), Ferdinand Leitner (1912-1996) und Bernard Haitink (geb. 1929) führten Josef Schelbs Werke auf und setzten sich für die Verbreitung seiner Musik ein. Einige seiner Werke sind in den letzten Jahren neu entdeckt worden.

Der Nachlass Josef Schelbs in der Badischen Landesbibliothek

Dr. Albert Schelb, der Sohn des Komponisten, übergab in den Jahren 2008 und 2009 den Nachlass seines Vaters an die Badische Landesbibliothek. Der Nachlass steht damit der Forschung und der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung. Die Werke stehen bis siebzig Jahre nach dem Tod des Komponisten (bis 2047) unter dem Schutz des Urheberrechts.

Im Nachlass in der Badischen Landesbibliothek sind insgesamt 157 Werke Josef Schelbs mit Signaturen nachgewiesen. Die frühen Kompositionen sind zum größten Teil im Zweiten Weltkrieg vernichtet worden.

Verteilung der Werke auf Entstehungsjahre und Gattungen:

  vor 1919 1920 - 1929 1930 - 1939 1940 - 1949 1950 - 1959 1960 - 1969 nach 1970 undatiert insgesamt
Bühnenwerke - - - 3 - 3 1 - 7
Werke für Orchester - 1 12 12 16 8 6 - 55
Kammermusik - 3 1 14 12 9 3 - 42
Werke für Klavier und Orgel - 1 3 8 2 2 5 - 21
Werke für Akkordeon - - - 2 6 - - - 8
Lieder, Werke für Chor 1 - 5 8 4 3 2 1 24
insgesamt 1 5 21 47 40 25 17 1 157


Im Jahr 2001 erschien im Verlag Peter Lang in der Reihe "Karlsruher Beiträge zur Musikwissenschaft" eine Dissertation von Margot Eisenmann-Eschenbacher mit dem Titel "Der Komponist Josef Schelb". Betreut wurde die Arbeit von Professor Dr. Siegfried Schmalzriedt vom Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Karlsruhe.

Die Liste der Einspielungen der Werke Josef Schelbs führt renommierte Interpretinnen und Interpreten auf.


Literatur:
Eisenmann-Eschenbacher, Margot: Der Komponist Josef Schelb. - Frankfurt am Main ; Berlin ; Bern ; Bruxelles ; New York ; Oxford ; Wien : Lang, 2001. - IX, 372 S. : Ill., graph. Darst. ; Notenbeisp.; (Karlsruher Beiträge zur Musikwissenschaft ; 5). ISBN 3-631-37237-X
Adresse
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