Badische Landesbibliothek
   


Max Steidel

Max Steidel wurde am 14. März 1891 in Karlsruhe geboren und starb am 12. September 1957 in Karlsruhe. Seine Werke werden in der Badischen Landesbibliothek unter der Signatur Mus. Hs. 1453 aufbewahrt und umfassen hauptsächlich Musikhandschriften. Sie sind in dem Verzeichnis Nachlass des Komponisten Max Steidel in der Badischen Landesbibliothek erschlossen. Eine Nutzung ist im Lesesaal Sammlungen möglich.

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Trotz einiger musikalischer Erfolge zu seinen Lebzeiten ist der Karlsruher Komponist Max Steidel heute weitgehend unbekannt. Seine Werke und einige persönliche Dokumente werden heute in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe aufbewahrt.


Max Steidel (1891-1957)
(Foto: Badische Landesbibliothek)
Max Steidel


Geboren wurde Max Steidel als Sohn des Kaufmannes Jacob Steidel und seiner Ehefrau Luise Steidel, geb. Heinzerling, am 14. März 1891 in Karlsruhe. Nach dem Besuch der Volksschule war er ab 1900 Schüler am Bismarckgymnasium in Karlsruhe, an dem er 1909 sein Reifezeugnis erhielt. In diese Zeit fallen auch die Anfänge seiner musikalischen Laufbahn: Er erhielt Unterricht im Klavier- und Violinspiel und schrieb bereits im Jugendalter ab ca. 1905 erste Kompositionen. Darunter befinden Fugen, Capricen und Sonaten für Klavier sowie erste Liedkompositionen.

Nach Beendigung seiner schulischen Ausbildung reiste der junge Max Steidel 1909 durch die Schweiz und nach Mailand, ehe er zum Wintersemester 1909 in München ein Studium der Philologie mit den Fächern Deutsch, Französisch und Italienisch aufnahm. Parallel dazu erhielt er an der Münchner Musikakademie Unterricht in Kompositionslehre bei Professor Courvoisier sowie Gesangsstunden, bei denen er die Partie des Don José aus Georges Bizets "Carmen" in der französischen Originalsprache einstudierte. Im Rahmen seiner Studien schrieb er Bearbeitungen zu Stücken von Hugo Wolf und Franz Schubert sowie zu Sonaten von Ludwig van Beethoven.

Anschließend wechselte er an die Universität in Lausanne zu einem Studium der Romanistik. Dort besuchte er während seines Studiums die Musikakademie von Lausanne. In diese Zeit fallen auch eine Reise nach England sowie mehrere Aufenthalte in der französischen Schweiz. Seine universitäre Laufbahn schloss er schließlich im Juli 1913 an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg ab. Dort bestand er die Prüfungen für das Höhere Lehramt an der Philosophischen Fakultät. Als Ersatz für eine fachwissenschaftliche Arbeit wurde eine zu Erlangung der Doktorwürde angenommene Dissertation zugelassen, die auf Anregung des Professors Dr. Max Freiherr von Waldberg entstand. Diese Arbeit trug den Titel "Die Zecher- und Schlemmerlieder im deutschen Volksliede bis zum Dreißigjährigen Kriege".

Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, blieb auch Max Steidel nicht von den unmittelbaren Konsequenzen verschont: Er wurde ins deutsche Heer eingezogen und kämpfte ab 1914 an der Westfront in den Vogesen. Für seine Verdienste als Leutnant der Reserve erhielt er 1916 das Eiserne Kreuz II. Klasse und 1920 nachträglich das Eiserne Kreuz I. Klasse. Auch während der Kriegszeit setzte Max Steidel sein kompositorisches Schaffen fort. In den Jahren 1917 und 1918 entstanden 13 Lieder zu Gedichten von Ernst Goll, außerdem begann er mit den Arbeiten für seine Oper "Walpurgisnacht". Steidel schrieb sowohl den Text als auch die Musik. Seine intensive Auseinandersetzung mit dem Text ist in einem Brief an seinen Schwager Fritz Kößler aus dem Jahr 1918 dokumentiert. Nach dem Krieg wird Steidel Lehramtspraktikant am Bismarckgymnasium Karlsruhe und heiratet am 8. April 1919 in Hannover seine Ehefrau Gertrud, geborene Stromeyer.

Im Jahr 1920 gelingt ihm dann als Komponist sein erster großer Erfolg: Seine Oper "Walpurgisnacht" wird im Badischen Landestheater in Karlsruhe uraufgeführt, so dass seine Fähigkeiten als Komponist fortan in größerem Kreis und vor allem im professionellen Musikbetrieb Beachtung finden. Außerdem knüpft er in dieser Zeit Kontakte zu dem Generalmusikdirektor am Badischen Landestheater Joseph Krips und zu dem Kapellmeister Rudi Schwartz. Mit beiden verbindet ihn von da an eine persönliche Freundschaft. Für Steidel selbst beginnt eine Phase intensiven musikalischen Schaffens. In den Jahren 1920 und 1921 entstehen neben der Bühnenmusik zu "Jephtas Tochter" zwei Orchesterlieder, Das Tagelied und das Liebeslied, zu Gedichten der Minnesänger Dietmar von Aist (1140-1171) und Walther von der Vogelweide (1170-1230).

Ebenfalls 1921 vollendet er sein Orchesterstück Nr. 1 "Der Reiter". In diesem drückt er, nach eigenen Angaben, seine Stimmung in jenen Wochen nach der Uraufführung der "Walpurgisnacht" aus, als er zur Erholung nach der mühevollen Einstudierung des Werkes einen Urlaub auf einem Landgut in Pommern verbringt. Dort steht ihm ein Pferd, ein "englisches Vollblut" zur Verfügung, mit dem er regelmäßig ausreitet: "Und so ging es allmorgendlich in laufendem Galopp über die Stoppelfelder, langsam, träumerisch am Eichwald entlang, ganz hingeben der erhabenen Ruhe der weiten Ebene(...). Das ist das Programm des Orchesterstücks 'Der Reiter', wenn von einem Programm gesprochen werden soll." Das Stück wurde am 8. Januar 1926 im Süddeutschen Rundfunk uraufgeführt und fand großen Anklang bei Publikum und Presse. So schrieb der Residenz-Anzeiger nach einer erneuten Aufführung am 6. März 1931: "Das Werk atmet Freude und Lebenslust. Die Musik ist durchaus tonikal und in ihrem Aufbau breit angelegt. Die harmonischen Variationen, die mit Innigkeit und Weichheit durchsetzt sind, geben dem reich instrumentierten Werk Schmiss und Schwung. Beifall in reichem Maße". Im Programm der Uraufführung befand sich zusätzlich noch ein Duett aus seiner 1923 vollendeten Oper "Feuer".

1924 entsteht eine Bühnenmusik zu einer Aufführung von Szenen aus Aristophanes "Die Vögel" am Humanistischen Gymnasium in Karlsruhe. Auch diese Komposition wird von der Presse als "feine, geistreiche Musik" gelobt. Steidel habe die "lyrischen Schönheiten und Lieblichkeiten dieser Dichtung (...) feinsinnig erfasst und in seiner Musik wundervoll nachgestaltet." (Badische Presse vom 30. Juli 1924). 1925 wird Steidel nach Durlach an das Markgrafengymnasium versetzt, er scheibt nun auch als Kritiker für Oper und Konzert beim Residenz-Anzeiger.

Im Folgenden erlebt Steidel als Komponist eine kleine künstlerische Ruhepause. Er arbeitet lediglich an den bereits 1921 angefangenen, aber erst 1956 fertiggestellten "Zwölf Liedern" für Tenor mit Klavierbegleitung, sowie an weiteren Liedern, die aber nicht über das Stadium von Entwürfen hinauskamen.

1929 beginnt dann eine zweite intensive künstlerische Phase: Am 11. März 1929 wird sein Orchesterstück Nr. 2 am Badischen Landestheater uraufgeführt. Im selben Konzert spielt Belá Bartok übrigens als Solist am Klavier die Uraufführung seiner "Rhapsodie für Klavier und Orchester". Wie schon das Orchesterstück Nr. 1 kann sich auch sein Nachfolger großer Beliebtheit bei Publikum und Kritikern erfreuen. So schreibt das Karlsruher Tageblatt am 13. März 1929: "Das Orchesterstück zeigt Steidels Talent in starker, eindrucksvoller Entfaltung. Die Diktion des gekonnten Werkes ist flüssig, gesanglich, klar, eingängig, dabei herb und charaktervoll. (Die) Beherrschung der Form imponiert ebenfalls nachdrücklich. Originell und von frischster Regsamkeit die große Fuge. Stürmischer Dank des Hauses".

1930 stellt er die komische Oper "Der Meisterdieb" fertig, 1931 erhält er den Auftrag des Badischen Landestheaters, eine Bühnenmusik zu dem Schauspiel "Über allen Zauber Liebe" von Pedro Calderón de la Barca in der Nachdichtung von Wilhelm von Scholz zu schreiben, und 1932 vollendet er die "Rhapsodie für Violine und Orchester". Eine Version dieses Werkes für Violine und Klavier wird bereits am 11. März 1932 im Herkulessaal in München uraufgeführt, die Uraufführung der Orchesterversion erfolgt am 19. Oktober 1932 im Badischen Landestheater Karlsruhe. Den Abschluss dieser eindrucksvollen Schaffensphase bildet die Arbeit an dem 3. Orchesterstück. Dieses Werk wurde allerdings bisher noch nicht aufgeführt.

Steidels Rolle im Dritten Reich ist schwer einzuschätzen. Er war als Lehrer tätig und als Reserveoffizier am Zweiten Weltkrieg beteiligt. 1943 stirbt sein Sohn an einer Verwundung im Kriegslazarett in Warschau. In einem Lebenslauf, der der Badischen Landesbibliothek vorliegt, wird dieses Ereignis mit den Sätzen "Von diesem Schicksalsschlag hat er sich nie erholt. Der alte Hass auf das Nazi-Regime hatte seinen Höhepunkt erreicht" kommentiert. Man kann also durchaus davon ausgehen, dass Steidel den Nationalsozialisten reserviert gegenüber stand. Jedoch liegt auch eine von ihm komponierte "Kantate für die Jugend" aus dem Jahre 1938 vor, die anlässlich der Entlassungsfeier der Abiturienten am Gymnasium in Durlach 1939 uraufgeführt wurde. In dieser Kantate mit dem Titel "Wir schreiten voran" hat er Texte der den Nationalsozialisten nahestehenden Dichter Hanns Friedrich Blunck und Hermann Claudius vertont. Blunck fungierte 1934/1935 als Präsident der "Reichsschrifttumskammer", die die literarischen Publikationen im Dritten Reich überwachte. Hermann Claudius war Vorstandsmitglied des dem Nationalsozialismus nahestehenden "Eutiner Dichterkreises" und hatte unter anderem mit Gebeten für den Führer von sich reden gemacht, so dass er sich in der Nachkriegszeit den Titel "NS-Barde" gefallen lassen musste.

Nach dem Weltkrieg hatte Steidel offenbar die Kraft für größere musikalische Schöpfungen verloren, so dass nur noch drei weitere Lieder entstanden. Im Jahr 1957 unternahm er eine größere Reise zu seiner Tochter nach Argentinien, von der er schwer erkrankt zurückkehrte. Er erholte sich nicht mehr und verstarb am 12. September 1957 im Alter von 66 Jahren in Karlsruhe.

In seiner Grabrede würdigte ihn Prof. Dr. E. Sütterlin, der Direktor des Markgrafengymnasiums, an dem Steidel lange Zeit als Lehrer tätig war, als eine Persönlichkeit "ausgezeichnet mit hellem, klarem Verstand, sicher im Besitz eines gediegenen, geistig verarbeiteten Wissens, berufen zum Lehrberufe durch eine natürliche pädagogische Begabung". Gleichzeitig erwähnte er seine "hochtalentierte musikalische Natur" und schlussfolgerte über die Lieder, sicherlich aber auch über alle weiteren Kompositionen des Max Steidel: "Nicht wenige von ihnen wären es wert, öfters im Konzertsaal gesungen (/gespielt) zu werden."

Gedruckte Werke von Max Steidel in der Badischen Landesbibliothek:
  • Steidel, Max: Oper und Drama. - Karlsruhe i. B. : Braun, 1923. - 62 S. (Wissen und Wirken / E. Ungerer [Hrsg.] ; 5)
  • Steidel, Max: Die Zecher- und Schlemmerlieder im deutschen Volksliede bis zum Dreissigjährigen Kriege. - 1914. - XV, 107 S. - Heidelberg. - Heidelberg, Univ., Diss., 1914
  • Steidel, Max: Walpurgisnacht : ein Vorspiel und 3 Aufzüge. - Karlsruhe : Triton-Verlag, 1913. - 48 S. Textbuch

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