Buchkunstsammlungen

Die in der Amtszeit von Franz Anselm Schmitt aufgebaute Buchkunstsammlung der Badischen Landesbibliothek besteht zum größten Teil aus Werken des 20. Jahrhunderts, darunter verschiedene Pressendrucke aus der Officina serpentis, der Bremer Presse, der Einhorn Presse u.a.  

Ein Schwerpunkt im 19. Jahrhundert ist der frühe Jugendstil mit den Zeitschriften Pan, Jugend und Ver sacrum als deutschen Erzeugnissen und mit wichtigen Werken der englischen Buchkunst, etwa der Kelmscott Press sowie Werken von Aubrey Beardsley (1872–1898) und Walter Crane (1845–1915). 1974 wurde eine Sammlung von etwa 100 illustrierten französischen Werken erworben, in der die Illustratoren Grandville (1803–1847), Tony Johannot (1803–1852), Paul Gavarni (1804–1866), Honoré Daumier (1808–1879) und Gustave Doré (1832–1883) vertreten sind. Wertvollstes Einzelstück ist die Zeitschrift La caricature, von der drei Jahrgänge vorhanden sind.

Weitere Buchkunstsammlungen aus Privatbesitz kamen seit den 1990er-Jahren hinzu. Sie werden nachfolgend nach der Reihenfolge ihres Zugangs beschrieben.

Sammlung Georg A. Mathéy

Zusammen mit dem dokumentarischen Nachlass des Graphikers Georg A. Mathéy (1884–1968) erhielt die Badische Landesbibliothek 1993 eine Büchersammlung geschenkt. Bei den rund 170 Bänden handelt es sich um eine nahezu vollständige Sammlung des Buchkunstwerks Mathéys, der sich immer wieder mit den Themen Buchillustration und Buchgestaltung beschäftigte.

Georg Alexander Mathéy stammte aus Siebenbürgen und studierte in Budapest und Graz, bevor er an der Staatlichen Kunstgewerbeschule ein Studium der Malerei und Grafik aufnahm. Er war Meisterschüler des Buch- und Schriftkünstlers Emil Rudolf Weiss und unterrichtete selbst in den Jahren 1916–1919 an dieser Anstalt. 1920 wurde er von Walter Tiemann nach Leipzig berufen und leitete an der Staatlichen Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe die Werkstätten für Buch- und Steindruck. Von 1929 bis 1940 lebte Mathéy in Athen, dann wieder in Berlin und Stuttgart, bevor er 1953 die Leitung und Gestaltung des neu gegründeten Klingspor-Museums Offenbach und des Instituts für Neue Buch- und Schriftkunst übernahm.

Zu Mathéys frühesten Buchillustrationen gehörten die Lieder an eine Kunstreiterin von Hans Bethge (1910) und des Romans Raubmenschen von Max Dauthendey (1911). In den 1920er-Jahren illustrierte Mathéy auch Bücher der Expressionisten Albert Ehrenstein und Carl Einstein. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er buchkünstlerisch vor allem für Zeitschriften tätig.

Die Sammlung ist geschlossen aufgestellt und über den Katalog plus erschlossen.

Sammlung Ulrich von Kritter

Als bibliophiler Sammler trug Ulrich von Kritter (1909–1999) gemeinsam mit seiner Frau Inge mehrere Sammlungen zur Buchillustration zusammen und erstellte dazu eigene Kataloge. Einen kleinen Teil der von dem Ehepaar gesammelten Schätze konnte die Badische Landesbibliothek mit Mitteln der Badischen Bibliotheksgesellschaft 1994 erwerben. Weitere Bestandteile seiner Sammlung befinden sich z.B. im Jüdischen Museum in Berlin, im Gutenberg-Museum in Mainz und in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel.

Die gut 300 Bände mit hochwertigen Illustrationen gewähren einen interessanten Einblick in die deutsche Buchillustration der 1920er- und 1930er-Jahre. Obwohl die Sammler kunsthistorische Autodidakten waren, stellt ihre Kollektion ein ganz besonderes Kleinod dar und dokumentiert die oft wenig beachtete Geschichte der Buchillustration auf einzigartige Weise.

Die Sammlung ist geschlossen aufgestellt und über den Katalog plus erschlossen.

Don Quichotte-Sammlung (Sammlung Gutzschebauch)

Als Schenkung von Dr. Gerhard und Ruth Gutzschebauch erhielt die Badische Landesbibliothek im Jahr 1999 eine umfangreiche Sammlung illustrierter Don Quichotte-Ausgaben. Don Quichotte, auch Don Quixote, Don Quijote oder genauer El ingenioso hidalgo Don Quixote de la Mancha des spanischen Autors Miguel de Cervantes (1547–1616), erschien erstmals 1605 bzw. 1615 in zwei Bänden und wurde schon bald in viele Sprachen übersetzt. Der Roman zählt zu den bekanntesten Werken der Weltliteratur.

Die Sammlung umfasst insgesamt 277 Bände mit verschiedenen Don Quichotte-Ausgaben des 17. bis 20. Jahrhunderts in zahlreichen Sprachen, darunter Deutsch, Englisch, Französisch und natürlich Spanisch. Viele der Werke sind hochwertig illustriert, teils von bekannten Künstlern wie Gustave Doré (1832–1883) oder Salvador Dalí (1904–1989). Andere Ausgaben wiederum weisen besondere Einbände mit Goldprägung, Buntdruck, Gold- oder Farbschnitten auf oder gehören zu limitierten Auflagen mit nummerierten Exemplaren.

Gerhard Gutzschebauch, der diese Sammlung zusammentrug, war Präsident der Bundesvermögensabteilung der Oberfinanzdirektion Karlsruhe, Ehrenmitglied der Badischen Bibliotheksgesellschaft und langjähriger Förderer der BLB.

Die Sammlung ist geschlossen aufgestellt und über den Katalog plus erschlossen.

Weiterführende Literatur

  • Obhof, Ute: Don Quijote. Die Gerhard und Ruth Gutzschebauch Sammlung. In: Dies.: HeRRReinspaziert! Die bunte Welt der Sammlungen in der Badischen Landesbibliothek, Luzern 2011, S. 20–23.
Don Quichotte, gezeichnet von Gustave Doré (1832–1883), Barcelona 1880
Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Sign. 99 B 80121 R

Sammlung Lütze VII (Nibelungen-Sammlung)

Die Nibelungen-Sammlung „Lütze VII“ wurde von dem Stuttgarter Privatsammler und Kunstmäzen Diethelm Lütze (1931–2014) zusammengetragen und im Jahr 2001 für die Badische Landesbibliothek erworben. Sie war in diesem Jahr eine willkommene Ergänzung zum Ankauf der Handschrift C des Nibelungenlieds durch die Landesbank Baden-Württemberg und die Bundesrepublik Deutschland.

Hauptberuflich Unternehmer, befasste der Sammler Lütze sich außerberuflich passioniert mit bildender Kunst und mit Buchkunst und stellte insgesamt sechs Sammlungen (Lütze II–VII) zusammen, die sich heute alle in öffentlichen Einrichtungen befinden. So wird die Sammlung Lütze IV mit Illustrationen zur Bibel in der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart aufbewahrt, die Sammlung Lütze VI mit Faust-Illustrationen in Staufen im Breisgau. Diethelm Lütze erhielt zahlreiche Ehrungen, u.a. das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse.

Seine in der BLB beheimatete Nibelungen-Sammlung umfasst etwa 65 Bücher, Videokassetten, CDs und einen Einblatt-Kunstdruck. Das älteste Werk stammt aus dem Jahr 1767, das neueste von 2001. Viele der Bücher enthalten umfangreiche Illustrationen oder weisen einen besonders interessanten Einband auf.

Die Sammlung ist geschlossen aufgestellt und über den Katalog plus erschlossen.

Weiterführende Literatur

  • Obhof, Ute: Die Nibelungen: Sammlung Lütze VII. In: Dies.: HeRRReinspaziert! Die bunte Welt der Sammlungen in der Badischen Landesbibliothek, Luzern 2011, S. 49–53.
Siegfried und der Lindwurm, 1924
Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Sign. 100 B 80027 R

Sammlung Wilhelm M. Busch

Die Badische Landesbibliothek erhielt im Sommer 2010 eine umfangreiche Schenkung von Werken des Buchillustrators Wilhelm Martin Busch (1907–1987). Die Sammlung enthält rund 250 Bücher, Einzelillustrationen sowie zahlreiche Archivalien (Teilnachlass, Signatur K 3347).

Wilhelm Martin Busch wurde bereits als Kind von seinem Vater Arnold Busch (1876–1951) unterrichtet, der Lehrer für Malerei an der Breslauer Akademie und zugleich einer der begehrtesten Portraitisten seiner Zeit war. Der Sohn wandte sich jedoch von der Malerei ab und fand im Zeichnen seine Bestimmung. Sein Lehrer Hans Meid (1883–1957), von dessen Nachlass die Badische Landesbibliothek ebenfalls einen Teil bewahrt, vermittelte ihm den Zugang zur Buchillustration. In den 1930er-Jahren arbeitete Busch als freier Zeichner in Berlin, während des Zweiten Weltkrieges war er Pressezeichner. Nach 1945 widmete er sich ganz der Buchillustration. Als Lehrer vermittelte er sein Können bis ins hohe Alter an der Hamburger Hochschule für Gestaltung.  

Die Sammlung ist geschlossen aufgestellt und über den Katalog plus erschlossen.

Weiterführende Literatur

  • Obhof, Ute: Die Nibelungen: Sammlung Lütze VII. In: Dies.: HeRRReinspaziert! Die bunte Welt der Sammlungen in der Badischen Landesbibliothek, Luzern 2011, S. 54–59.