Sammlung Reuchlin

Hebräische Handschrift mit Talmud-Traktaten
Anfang des 15. Jahrhunderts
Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Cod. Reuchlin 2, fol. 96v

Der Pforzheimer Humanist Johannes Reuchlin (1455–1522) wurde als einer der ersten christlichen Spezialisten für hebräische Sprache berühmt. Der gelehrte Großonkel des Reformators Philipp Melanchthon (1497–1560) besaß eine umfangreiche Bibliothek. Kurz vor seinem Lebensende bestimmte er, dass sie künftig in der Pforzheimer Stiftskirche zum Hl. Michael aufbewahrt werden sollte, wo sich zu dieser Zeit auch die Hofbibliothek des Markgrafen Philipp I. von Baden (1479–1533) befand. Mit dieser wurde Reuchlins Sammlung vereinigt; Reuchlin meinte, damit eine dauerhaft gesicherte Bleibe für seine Bücher gefunden zu haben.

Durch die Spaltung der markgräflich badischen Linie im Jahr 1535 wurde auch der Bücherbesitz aufgeteilt: Ein Teil ging nach Baden-Baden, der andere verblieb in Pforzheim und zog mit der Verlegung der Residenz nach Durlach im Jahr 1565 in die dortige Karlsburg um. Aus diesem Teil der markgräflichen Sammlung sind in der BLB heute noch 13 von ursprünglich 89 Handschriften aus Reuchlins Besitz vorhanden. Sie alle enthalten hebräische Texte, darunter z.B. eine Abschrift des Traktats Sanhedrin aus dem babylonischen Talmud‚ entstanden in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, und stellen damit eine besondere Rarität dar.

Von den Druckschriften aus Reuchlins Bibliothek, die nach einem Verzeichnis aus dem 16. Jahrhundert insgesamt 36 Titel Hebraica, rund 100 Titel Graeca in 55 Bänden und mehr als 250 Bände Latina umfasste, ist im Bestand der BLB heute nur noch ein einziger Druck von 1515 vorhanden. Von seinen zwölf Inkunabeln blieben sechs erhalten.

Weiterführende Literatur

  • Preisendanz, Karl: Die Bibliothek Reuchlins. In: Johannes Reuchlin 1455–1522. Pforzheim 1955, S. 35–82.