Laufende Projekte

Pflichtexemplar

Pflichtablieferung kommerzieller Netzpublikationen (abgeschlossen)

Leitung: Dr. Felix Geisler
Kooperationsprojekt mit der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart und dem Bibliotheksservice-Zentrum in Konstanz als projektleitender Institution
Projektstart: 1. Mai 2018
Projektende: 30. April 2020

Seit der Novellierung des Pflichtexemplargesetzes im Jahr 2006 unterliegen auch Netzpublikationen dem Pflichtexemplarrecht. Die Realisierung des elektronischen Pflichtexemplars für verlegerische Netzpublikationen ist aufgrund urheberrechtlicher Bestimmungen allerdings nur in einem eng gesteckten organisatorisch-technischen Rahmen möglich. Das Projekt hat für die beiden baden-württembergischen Landesbibliotheken in Karlsruhe und Stuttgart ein System zur Ablieferung von E-Books sowie zu deren Archivierung und rechtskonformen Inhouse-Nutzung entwickelt. Der Geschäftsgang E-Book orientiert sich an den nationalen de facto Standards, die von der Deutschen Nationalbibliothek definiert und im baden-württembergischen Zusammenhang implementiert wurden. Neben automatischen Transferprozessen wurden auch Möglichkeiten der Einzel-Ablieferung über Formulare eröffnet. Entstanden ist ein einheitlicher Prozess, der nachhaltig auf vorhandenen Workflows bei den Projektpartnern aufbaut und modular gestaltet ist. Zum Projektende waren 50.543 badische Pflichtexemplare verarbeitet, 46.113 davon konnten angenommen werden, darunter 13.945 Titel des Springer Verlags in Heidelberg, 9.587 Titel des Nomos Verlags in Baden-Baden, 5.610 Titel des Pabel-Moewig Verlags in Rastatt, 4.751 Titel des Wiley-VCH Verlags und 3.311 Titel des Beltz Verlags in Weinheim, 2.402 Titel der KIT Scientific Publishing in Karlsruhe, 2.243 Titel des Herder Verlags und 1.643 Titel von Haufe-Lexware in Freiburg etc. pp. Aus Württemberg waren 13.173 Titel akzeptiert, sodass im Gesamtprojekt zum Projektende 59.286 Titel vorhanden waren. Seither wächst die Zahl der übernommenen Titel stetig weiter.

Erschließung

Neukatalogisierung der ehemals Donaueschinger Handschriften (Teil B)

Leitung: Dr. Julia Freifrau Hiller von Gaertringen, Dr. Christoph Mackert
Ort der Bearbeitung: Handschriftenzentrum der UB Leipzig
Wissenschaftliche Bearbeiterin: Katrin Sturm
Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft
Projektbeginn: 1. Januar 2015, Projektlaufzeit: bis September 2020

1993 wurde die Handschriftensammlung der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek Donaueschingen vom Land Baden-Württemberg angekauft und so eine der bedeutendsten historischen Adelsbibliotheken für die Öffentlichkeit bewahrt. Die Handschriften wurden auf die beiden Landesbibliotheken in Stuttgart und Karlsruhe aufgeteilt. Die Badische Landesbibliothek Karlsruhe (BLB) erhielt die deutschsprachigen Stücke sowie einzelne Bände, die mit Karlsruher Provenienzen in Zusammenhang stehen. Ein erstes Projekt zur Neukatalogisierung der ehemals Donaueschinger Handschriften der BLB, in dem die literarischen Handschriften nach den Richtlinien der DFG katalogisiert wurden, konnte 2013 erfolgreich abgeschlossen werden. In einer zweiten Projektphase werden seit dem 1. Januar 2015 am Handschriftenzentrum Leipzig nun die Handschriften der theologischen Prosa wissenschaftlich aufgearbeitet. Es werden insgesamt 72 Signaturen (62 Codices und zehn Fragmente) erschlossen. Die im Projekt entstehenden Handschriftenbeschreibungen und Erschließungsdaten werden kontinuierlich über das zentrale deutsche Handschriftenportal Manuscripta Mediaevalia publiziert (dort auch eine Projektbeschreibung). Alle Handschriften sind bereits vollständig bearbeitet worden. 38 Handschriftenbeschreibungen sind bereits qualitätsgesichert, 30 Beschreibungen sind in Manuscripta mediaevalia erfasst. Die verbleibende Projektarbeitszeit ist für die Qualitätssicherung der Katalogisate, für die Registererstellung und für den Projektbericht vorgesehen. - Stand: 11.1.2020.

Die bisherigen Ergebnisse beschreibt Katrin Sturm im Blog der UB Leipzig: Zeugnisse spätmittelalterlicher Frömmigkeit in Leipzig : Projekt zur ‚Neukatalogisierung der ehemals Donaueschinger Handschriften der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe (BLB)’ geht in die nächste Phase.

Erschließung und Digitalisierung der Handschriften des Fonds St. Georgen / Villingen

Leitung: Dr. Annika Stello (Karlsruhe), Dr. Christoph Mackert (Leipzig), Dr. Kerstin Losert (Stuttgart)
Ort der Bearbeitung: Handschriftenzentren der UB Leipzig und der WLB Stuttgart
Wissenschaftliche Bearbeiter: Dr. Werner Hoffmann (Leipzig), Dr. Wolfgang Metzger (Stuttgart)
Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft
Projektbeginn: 1. August 2019
Projektlaufzeit: drei Jahre

Der säkularisierte Handschriftenbestand des Benediktinerklosters St. Georgen im Schwarzwald befindet sich heute geschlossen in der Badischen Landesbibliothek. Er setzt sich aufgrund von Zerstörungen und der späteren Umsiedlung des Klosters nach Villingen mehrheitlich aus Erwerbungen wohl des 17. Jahrhunderts zusammen und umfasst entsprechend eine Fülle unterschiedlicher Vor-Provenienzen.

Mehr als die Hälfte der 112 Handschriften ist ganz oder teilweise volkssprachigen Inhalts. Die große Zahl liturgischer Handschriften weist überdurchschnittlich viele Stücke mit hochwertiger Buchmalerei auf. Unter den St. Georgener Handschriften findet sich auch eine Reihe bekannter Einzelstücke wie das Wonnentaler Antiphonar, das unikal überlieferte Sanctilogium Salvatoris, ein reich illustriertes Exemplar der Konstanzer Konzilschronik, die älteste Handschrift der 24 Alten und die St. Georgener Predigten.

Aufgrund des besonderen Bestandsprofils wird die Tiefenerschließung verteilt an zwei entsprechend spezialisierten Handschriftenzentren durchgeführt: Die wissenschaftliche Bearbeitung der lateinischen Handschriften erfolgt an der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart, die deutschsprachigen Handschriften werden am Zentrum der Universitätsbibliothek Leipzig katalogisiert. 

In einer Übersicht der im Projekt bearbeiteten Handschriften werden Links zu bereits fertig gestellten Beschreibungen laufend aktualisiert.

Literatur: Annika Stello: DFG-Projekt mit Pilotcharakter bewilligt. - In: Südwest-Info: Mitteilungsblatt des VDB-Regionalverbands Südwest (2019) 32, S. 5–8.

Erschließung der Schlossbibliothek Baden-Baden

Leitung: Heike Susanne Lukas
Bearbeitung: Ruth Ackermann, Simone Fey, Margit Maurer, Sophie Pfadt
Projektstart: 1. August 2010

Die Schlossbibliothek Baden-Baden umfasst ca. 40.000 Bände. Gleich nach dem Umzug von Baden-Baden an die BLB wurden die Handschriften aus der Zeit von etwa 1770 bis 1920 sowie etwa 3.500 besonders kostbare oder seltene Drucke aussortiert und im Sammlungsmagazin aufgestellt. Diese wurden dann, mit Ausnahme der Musik, katalogisiert. Geschätzte 30.000 nicht rarifizierte Bände standen zu Projektbeginn noch zur Bearbeitung an. Das Projekt war zwischenzeitlich ausgesetzt und wurde im August 2018 wieder aufgenommen. Seit der Wiederaufnahme konnten bis April 2020 fast 19.000 Bände bearbeitet werden. Das Projekt wird 2020 fortgeführt.

Erschließung der Musikdrucke aus der Schlossbibliothek Baden-Baden (abgeschlossen)

Bearbeitung: Janina Späth
Projektstart: 1. Mai 2018
Projektlaufzeit: zwei Jahre

Die Schlossbibliothek Baden-Baden enthält eine 2.000 Nummern umfassende Musikaliensammlung mit gedruckten und handschriftlichen Werken zahlreicher Komponistinnen und Komponisten. Als musikalische Privatbibliothek eines Fürstenhauses umfasst sie überwiegend Kammermusik für Klavier, Lieder und Klavierauszüge. Von besonderem Interesse sind die zahlreichen Dedikationswerke zu festlichen Anlässen des Herrscherhauses wie Geburtstagen, Ehe- oder Regierungsjubiläen, oft in kostbaren Einbänden aus Leder, Samt oder Seide und mit prunkvoller Ausstattung. Die Musikhandschriften wurden 2017 in RISM erschlossen. Die ca. 1.550 Musikdrucke wurden anschließend bis Mai 2020 für den Katalog plus der BLB erfasst. Die Quote von 70% eigenen Katalogisaten erweist den hohen Prozentsatz unikalen bzw. sehr raren Materials. 

Erschließung der Notenhandschriften in Musikernachlässen (abgeschlossen)

Bearbeitung: Almut Ochsmann M.A., M.A.Lis
Projektstart: 1. Juni 2019
Projektlaufzeit: acht Monate

Der Bestand an Musikhandschriften der Badischen Landesbibliothek war bis auf einen kleinen Rest vollständig in RISM erfasst: https://opac.rism.info/. Nun wurden auch die Musikhandschriften in den Musikernach- und -vorlässen in RISM nachgewiesen. Das sind die Nachlässe bzw. Vorlässe von Ursula Euteneuer-Rohrer, Arthur Grüber, Istvan Horvath, Ernst-Lothar von Knorr, Kurt Köhler, Joachim Krebs, Uwe Lohrmann, Karlheinz Nürnberg, Franz Philipp, Josef Schelb, Max Steidel und Theodor Ziegler. Insgesamt wurden 1.100 Titeldatensätze erzeugt. Bemerkenswert ist die Erschließung der Medienkunstwerke, elektroakustischen Musikwerke und multimedialen Werke aus dem Nachlass von Joachim Krebs, da der Nachweis solcher Werke in RISM neu war.

 

Erschließung der Notendrucke in Musikernachlässen

Bearbeitung: Janina Späth
Projektstart: 1. Juni 2020

Der Bestand an Musikhandschriften der Badischen Landesbibliothek in den Musikernachlässen ist in RISM vollständig erschlossen. Die noch unbearbeiteten ca. 500 Musikdrucke in den Nachlässen von Johann Wenzel Kalliwoda, Franz Philipp, Ernst-Lothar von Knorr, Joachim Krebs und Josef Schelb werden ab Juni 2020 sukzessive im Katalog plus der BLB nachgewiesen.

Recherche nach NS-Raubgut in den Beständen der Badischen Landesbibliothek

Wissenschaftliche Bearbeiterin: Ulrike Vogl M.A.
Gefördert durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste und das Land Baden-Württemberg
Projektstart: 1. Januar 2020
Projektende: 31. Dezember 2020

Mit der Zerstörung des Gebäudes der Badischen Landesbibliothek am 3. September 1942 wurden sowohl die Bestände als auch das Verwaltungsschriftgut beinahe vollständig vernichtet. Heute noch vorhandenes NS-Raubgut befindet sich in jenen Beständen, die sofort nach dem Bombenangriff und mit finanzieller Unterstützung durch die zuständigen Reichsbehörden sehr rasch wieder aufgebaut worden sind. Im Projekt werden 950 Titel aus dem Zeitschriften-Zugang der Jahre 1942–1950 per Autopsie systematisch auf verdächtige Provenienzhinweise hin untersucht. Die Bände werden in sechs Verdachtskategorien klassifiziert und mit allen Provenienzmerkmalen und Verdachtsmomenten dokumentiert. Die Dokumentation erfolgt in der kooperativen Provenienzdatenbank Looted Cultural Assets.

Bestandserhaltung

Papierentsäuerung

Wie in den Vorjahren hat die Badische Landesbibliothek Mittel der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) und des Landesrestaurierungsprogramms Baden-Württemberg für die Entsäuerung ihres stark nachgefragten Oberrhein-Bestandes beantragt. 

Die meisten zwischen 1850 und 1990 produzierten Papiere enthalten ligninhaltige Fasern und saure Substanzen. Im Laufe der Zeit verlieren sie ihre Stabilität, werden braun und brüchig. Archive und Bibliotheken setzen daher seit den 1990er-Jahren verschiedene Verfahren zur Papierentsäuerung ein. Die Dauerhaftigkeit der Papiere wird durch die Entsäuerung verbessert, indem die vorhandene Säure neutralisiert und eine alkalische Reserve eingebracht wird. 

Im Jahr 2020 soll ein weiterer Teil des Oberrhein-Bestandes entsäuert werden.