Herzlich Willkommen im BLBlog!

Hier finden Sie verschiedene Beiträge aus unseren breit gefächerten Aufgaben- und Tätigkeitsfeldern: Interessantes, Wissenswertes, Kurioses und sicherlich die ein oder andere Überraschung aus dem Alltag der Badischen Landesbibliothek. Auch Themen, von denen die BLB als Institution betroffen ist, werden aufgegriffen, kommuniziert und kommentiert.

Recherchieren und arbeiten Sie zu Beständen der Badischen Landesbibliothek? Haben Sie einen interessanten Artikel, den Sie uns vorschlagen möchten? Wir freuen uns über Ihre Nachrichten, Anmerkungen und Fragen zu den Blogbeiträgen.
Kontakt: Dr. Michael Fischer

ISSN 2751-9031

 

412 Jahre alt: die Goslarer Lutherbibel

Zu erkennen ist die aufwendig illustrierte Titelseite. Der Titel „Biblia“ ist reich verziert und in roter Tinte geschrieben. Dargestellt sind diverse Figuren und Szenen aus der Bibel.

Biblia Das ist: Die gantze Heilige Schrifft.
Goslar: Voigt, 1614.
Signatrur: 126 C 3 R

Julia von Hiller, 6.5.2026

DOI: https://doi.org/10.58019/PWCK-7Q47

Dank der großzügigen Schenkung einer Karlsruher Bürgerin hat die Badische Landesbibliothek eine seltene Lutherbibel erhalten. Sie wurde 1614 in der freien Reichsstadt Goslar gedruckt und war zur Verbreitung im Herzogtum Braunschweig-Lüneburg bestimmt.

Diese Bibel (VD17 23:673102B) ist nur rar überliefert – bekannt sind weitere Exemplare im Goslarer Museum, in der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel, der Regionalbibliothek Neubrandenburg, der Stadtbibliothek Lübeck, der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart und der Nordkirchlichen Bibliothek in Hamburg. Das Exemplar der Universitätsbibliothek Rostock, bei dem auf den Titelblättern das Jahr 1614, in den Kolophonen aber das Jahr 1615 angegeben ist (VD17 28:755177Q), ist bereits als Digitalisat verfügbar.

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Hebel I: Neudatierung eines Hebel-Briefs

Porträtgemälde von Johann Peter Hebel.

Abb. 1: Johann Peter Hebel, Pastell von Philipp Jakob Becker (1807), Quelle: Wikipedia.

Andreas Beck, 30.4.2026

DOI: https://doi.org/10.58019/40SR-6P46

Im umfangreichen Konvolut K 1216 der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe befindet sich, von fremder alter Hand mit dem Rotstift-Blattzähler „39“ versehen und nach dessen Maßgabe einsortiert, ein zwei Seiten umfassender eigenhändiger Brief von Johann Peter Hebel an seinen Freund Friedrich Wilhelm Hitzig.

Dieses Schreiben wurde erstmals 1860 publiziert, in der Jubiläumsschrift J. P. Hebel. Festgabe zu seinem hundertsten Geburtstage, und deren Herausgeber Friedrich Becker datierte es auf „Frühjahr 1806“ (1). Wilhelm Zentner hat dieses Zeitfenster in seinen Briefeditionen nachmals auf „Anfang März 1806" (2) verengt. Vor einigen Jahren schließlich, 2019, sind die Herausgeber von Hebels Gesammelten Werken der Datierung Zentners gefolgt (3).

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Scheffel II: Begräbnis als Nationalfeier

Porträtzeichnung von Joseph Viktor von Scheffel.

Abb. 1: Joseph Viktor von Scheffel (1826–1886), Quelle: Wikipedia.

Ludger Syré, 9.4.2026

DOI: https://doi.org/10.58019/hcr1-mz75

Joseph Victor von Scheffel führte ein unstetes Leben, ständig war er auf Wanderschaft. Zu seinen bevorzugten Reisezielen gehörte der Bodensee. Durch Besuche im Haus seines Verlegers Adolf Bonz lernte er die Stadt Radolfzell kennen. 1871 ließ er sich hier am Ufer des Sees die Villa Seehalde bauen, um sich gemeinsam mit seinem Sohn Victor, für den er 1869 das Sorgerecht erlangt hatte, dauerhaft in Radolfzell niederzulassen.

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Franz Danzi zum 200. Todestag

Handgeschriebener Brief von Franz Danzi an André Gervais vom 3. Mai 1812.

Abb. 1: Brief von Franz Danzi an André Gervais vom 3. Mai 1812 betreffend seine Berufung nach Karlsruhe.
Signatur: K 3120,1. Digitalisat

Julia von Hiller, 7.4.2026

DOI: https://doi.org/10.58019/ysbj-2127

Wollen Sie nicht nach Karlsruhe kommen? Anfang Mai 1812 erreicht den Hofkapellmeister Franz Danzi in Stuttgart ein Schreiben aus Karlsruhe mit dem Angebot, die Stelle zu wechseln. Und Danzi kommt. Schon Ende Juni 1812 ist er vor Ort, findet sogleich eine Wohnung und debütiert mit Mozarts Oper La clemenza di Tito. Er bleibt in Karlsruhe bis zu seinem Tod am 13. April 1826.

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Zeitungen II: Die Badische Presse

Zu erkennen ist ein Scan der Titelseite der Badischen Presse vom 1. Januar 1890.

Abb. 1: Titelblatt der Badischen Presse vom 1. Januar 1890, Quelle: BLB.

Annika Kleine, 11.3.2026

DOI: https://doi.org/10.58019/713K-5M61

Als Ferdinand Thiergarten im Januar 1889 nach Karlsruhe kam, um den Verlag der Badischen Presse zu übernehmen, hatte das Blatt eine Auflage von 11.000 Stück und stand kurz vor dem finanziellen Ruin. Zuvor hatte Thiergarten mit seiner Frau Emma in Freiburg gelebt, wo er dem Freiburger Tagblatt zu Erfolg verholfen hatte. Innerhalb weniger Jahre gelang es Thiergarten – zusammen mit seinem Chefredakteur Albert Herzog –, die Badische Presse zur größten und bedeutendsten Zeitung Karlsruhes und der Region zu machen. Dabei gelang es ihm, die etablierte Badische Landeszeitung zuerst in der Auflage zu überflügeln und später auch aufzukaufen.

Anders als heute war die Karlsruher Zeitungslandschaft vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 durch reiche Vielfalt geprägt. Neben der Badischen Presse gab es unter anderem die Karlsruher Zeitung, das Karlsruher Tagblatt, den sozialdemokratischen Volksfreund, den katholischen Badischen Beobachter und den nationalsozialistischen Führer.

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1843: Liszt in Karlsruhe

Porträtabbildung, die Franz Liszt im Profil zeigt.

Abb. 1.: Franz Liszt, Stahlstich von Carl Mayer (1798–1868), nach einer Zeichnung von C. Heideloff, Quelle: National Library of France, France, CC0

Wolfgang Seibold, 11.3.2026

DOI: https://doi.org/10.58019/4S8S-C334

Franz Liszt weilte kurz vor seinem ersten Besuch in Karlsruhe Ende November 1843 einige Tage in Donaueschingen. Das ist bedeutsam, denn diesem Aufenthalt verdanken wir ein Liszt-Autograph, das heute im Besitz der Badischen Landesbibliothek ist. Es handelt sich um die Komposition eines Ländlers (LW A95); er wird in der BLB unter der Signatur Don Mus. Autogr. 39 aufbewahrt.

Liszt war ab Oktober 1843 auf einer Süddeutschlandtournee, die ihn am 23. November 1843 auch nach Donaueschingen führte. Am dortigen Hof hatte er am gleichen Tag einen ersten Auftritt im Schloss.

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Scheffel I: Zum 200. Geburtstag

Porträtzeichnung von Joseph Viktor von Scheffel.

Abb. 1: Joseph Viktor von Scheffel (1826–1886), Quelle: Wikipedia.

Ludger Syré, 16.2.2026

DOI: https://doi.org/10.58019/gvgk-3x29

Badens größter Dichter, Joseph Victor von Scheffel, wurde 1826 in Karlsruhe geboren und starb 1886 in seiner Heimatstadt. Anlässlich seines 200. Geburtstags und seines 140. Sterbetags widmet ihm die Badische Landesbibliothek zu seinem Doppeljubiläum zwei Blog-Artikel. Der folgende (erste) Artikel fokussiert dabei auf Scheffels schriftstellerisches Schaffen.

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Jacques-Louis David

Ein sterbender Mann liegt halb aufgerichtet in einer Badewanne. Sein Kopf ist zur Seite geneigt, in der rechten Hand hält er einen Brief, in der linken eine Feder. Neben der Wanne steht ein einfacher Holztisch mit Schreibutensilien.

Abb. 1: Jacques-Louis David, Der Tod des Marat, 165 x 125 cm, Öl auf Leinwand, Königliches Museen der Schönen Künste, Brüssel, Inv.-Nr.: 3260. Quelle: Wikipedia.

Maria Ostritz, 11.2.2026

DOI: https://doi.org/10.58019/FSK3-3G39

Kaum ein Künstler vereinte Kunst und Politik wie Jacques-Louis David (1748–1825). Der Tod des Marat, sein wohl berühmtestes Bild, das er mit unübersehbaren Großbuchstaben „À MARAT, DAVID.“ signierte, macht dies deutlich. Den radikalen Jakobiner und Publizisten Jean-Paul Marat, der von Charlotte Corday in der Badewanne erstochen wurde, zeigt David in dem Gemälde mit der idealisierten Körperlichkeit eines klassischen Helden und nach innen gekehrtem Gesichtsausdruck. Und das, obwohl Marat durch eine Hautkrankheit entstellt war. Das Badezimmer, in dem Marat verstarb, verwandelt David in eine monumentale Grabstätte: Der Turban, den Marat trägt, wird zum Leichentuch, die mit Bettlaken ausgelegte Badewanne und der mit einer grünen Wolldecke bedeckte Tisch gleichen einem Sarg mit Deckel. Die Einstichwunde unterhalb des Schlüsselbeins macht deutlich, dass Marat tot ist, und doch hält der Tote den Brief seiner Mörderin so in der Hand, als wäre er noch am Leben. Mit diesem Gemälde erklärte David seinen Freund Marat zum Märtyrer der Republik, eine Inszenierung, die sich tief in unser kulturelles Gedächtnis eingeprägt hat.

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Hans Thoma III: Ella Thoma

Schwarzweiß Porträt-Fotografie des Malers Hans Thoma.

Hans Thoma, Karlsruhe, o.D., Fotograf: E. Hardock, Badische Landesbibliothek, K 3077,2

Undine Remmes, 26.1.2026

DOI: https://doi.org/10.58019/rerf-8b92

Seit dem Abschluss des Digitalisierungsprojekts im Frühjahr 2025 steht der Karlsruher Bestand des schriftlichen Nachlasses Hans Thoma vollständig erschlossen und digital zugänglich zur Verfügung. Die virtuelle Zusammenführung der Materialien aus der Badischen Landesbibliothek und der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe erleichtert nicht nur die Nutzung, sondern lässt auch die Struktur und die Lücken des überlieferten Materials hervortreten. Die systematische Erfassung, Digitalisierung und maschinelle Texterkennung haben den Bestand technisch erschlossen und zugleich die Struktur des Materials deutlicher sichtbar gemacht. Die vorausgehenden Beiträge (Teil I und Teil II) vermitteln weiterführende Informationen zu den Hintergründen des Digitalisierungsprojekts an der Badischen Landesbibliothek und konnten zeigen, dass es sich um einen Streubestand handelt, der viele Vermutungen belegt, aber auch einige Fragen offenlässt.

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Der 9. November III: Hitlerputsch 1923

Auf der Fotocollage sind verschiedene historische Ereignisse am 9. November zu sehen, die mit der deutschen Geschichte verbunden sind.

Der 9. November gilt als „Schicksalstag“ der Deutschen, Collage: BLB, Quelle: Wikimedia CommonsEinzelnachweise.

Michael Fischer, 12.12.2025

DOI: https://doi.org/10.58019/9WCD-D143

Der Putschversuch vom 9. November 1923 war eine Replik auf die Novemberrevolution fünf Jahre zuvor und galt den Nationalsozialisten als ihr erster Versuch, die Ereignisse und Folgen von 1918 durch eine „Deutsche Revolution“ zu tilgen bzw. zu vollenden. Welchen Stellenwert das Datum des 9. Novembers in der nationalsozialistischen Bewegung besessen hat, soll hier im Folgenden kurz skizziert werden.

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