Aus der Trennung heraus!

200 Jahre Evangelische Landeskirche in Baden

Julia von Hiller 26.7.2021, 00.30 Uhr 

Am 2. Juli 1821 trat in der Karlsruher Stadtkirche eine Synode aus 22 Lutheranern und 22 Reformierten zusammen, um aus den beiden evangelischen Konfessionen eine unierte Kirche zu bilden. Am 26. Juli war das Werk vollendet. Großherzog Ludwig von Baden erließ die Unionsurkunde, die von den Synodalen unterzeichnet wurde. Ein Anfang war gemacht. Heute feiert die Evangelische Landeskirche in Baden den 200. Jahrestag der Kirchenunion. Wir als Badische Landesbibliothek können nur Weniges beitragen, aufgrund der Zerstörung der BLB im Zweiten Weltkrieg ist der ehemals reiche Quellenbestand zur Kirchenunion nicht erhalten und nur fragmentarisch ersetzt worden. Aber wir gratulieren umso herzlicher mit einer kleinen Auswahl heute bei uns wieder verfügbarer digitalisierter Drucke zur Evangelischen Kirchenvereinigung im Großherzogtum Baden.

Schon 1803 stellte Johann Nikolaus Friedrich Brauer (1754-1813), Direktor des Kirchenrats in Baden, seine Gedanken über einen Kirchenverein beeder protestantischen Religionsparthieen im Druck vor (O 52 A 428). Er sah die theologische, politische und kirchliche Konstellation als gut vorbereitet an für eine Kirchenunion, formulierte die Leitideen dafür und entwickelte bereits einen Masterplan für die Durchführung. Aber die Zeit war noch nicht reif für seinen Plan. Erst mit dem Reformationsjubiläum des Jahres 1817 bekam die Idee neuen Aufschwung, es gab sogar Unterschriftensammlungen für die Kirchenunion.

Umsichtig wurde das Vorhaben mit Einverständnis des Großherzogs im Oberkirchenrat vorbereitet, der staatlichen Kirchenbehörde, die bereits seit 1807 die lutherische und die reformierte Konfession in Baden unter gemeinsamer Verwaltung zusammenfasste. Als die Generalsynode am 2. Juli 1821 feierlich eröffnet wurde, lagen alle wesentlichen Dokumente schon im Entwurf vor. Nach ihrem Abschluss wurden die Haupturkunden und Dokumente zur Kirchenunion bei Karl Groos in Heidelberg gedruckt (O 54 A 367): die Unionsurkunde vom 26. Juli 1821, die Kirchenordnung, die Kirchenverfassung, die Kirchengemeinde-Ordnung sowie die Regelungen zum Gelöbnis der Kirchengemeinderäte, die Wahlordnung zu ihrer Wahl, die Anordnung zum Umgang mit Kirchenvermögen etc. Ein Anhang enthält die Gesänge auf das Vereinigungsfest der beiden evangelischen Kirchen im Großherzogthum Baden auf die Melodien bekannter Kirchenlieder, die "von zweien Freunden der guten Sache zum beliebigen Gebrauch, für Gemeinden in gemischten Orten, eingesandt worden." 

Die eigentliche Vereinigungsfeier fand am 28. Oktober 1821 statt. Das Evangelische Stadtdekanat und das Hofpredigeramt ließen für den Festgottesdienst in der Residenz Karlsruhe ein Gottesdienstblatt mit Gesangstexten (115 H 1186) drucken. 

Mit Goldschnitt verziert ist dann das Exemplar der Schlossbibliothek Baden-Baden des Kommentars zur Unionsurkunde, den Karl Friedrich Rinck (1786-1851) 1827 bei Mohr in Heidelberg veröffentlicht hat (98 B 81732). Was die Urkunde selbst auf acht Seiten aussagt, findet hier seine Auslegung auf 338 Seiten – ein genaues Indiz dafür, dass es eben doch nicht so einfach war mit der Kirchenvereinigung und dass die lebhaften Auseinandersetzungen über das, was richtig sei, in der unierten Kirche selbstverständlich weitergingen. 

Wir empfehlen den Besuch der Ausstellung Aus der Trennung heraus! 200 Jahre Evangelische Landeskirche in Baden, die das Generallandesarchiv Karlsruhe und der Evangelische Oberkirchenrat bis zum 7. November gemeinsam in den Räumen des Generallandesarchivs zeigen. Anhand vieler bislang unbekannter Exponate zeichnen sie die Geschichte der Landeskirche nach und wagen einen Blick auf die Zukunft der Christenheit des 21. Jahrhunderts. 

Weiterführende Informationen:

  • Webseite der Evangelischen Landeskirche in Baden: Geschichte und Bedeutung der Union von 1821.
  • Bildatlas zur badischen Kirchengeschichte 1800-2021. Im Auftrag des Vereins für Kirchengeschichte in der Evangelischen Landeskirche in Baden hg. von Udo Wennemuth in Zusammenarbeit mit Johannes Ehmann, Albert de Lange und Mareike Ritter. - Ubstadt-Weiher ; Heidelberg ; Speyer ; Stuttgart ; Basel : verlag regionalkultur, [2021]. BLB-Signatur: 121 B 599.
  • Johannes Ehmann, Gottfried Gerner-Wolfhard (Hg.): 200 Jahre Vereinigte Evangelische Landeskirche in Baden 1821–2021. Geschichte. Gottesdienst. Gemeinde. - Neulingen : J.S. Klotz Verlagshaus, [2020]. BLB-Signatur: 121 A 43.

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