Die Hochzeit des Figaro

Eine von über 3.500 Musikhandschriften aus Donaueschingen in den Digitalen Sammlungen der Badischen Landesbibliothek

Brigitte Knödler und Jana Madlen Schütte, 19.4.2021, 14.00 Uhr

Die Aufführung der Oper in Donaueschingen 1787 hat eine besondere musikgeschichtliche Bedeutung, da es sich um die erste Aufführung dieses Werks außerhalb von Wien und Prag und um die erste deutsche Singspielbearbeitung handelt. Das Digitalisat der Musikhandschrift finden Sie unter https://digital.blb-karlsruhe.de/4070505. Bemerkenswert ist, dass die Oper in Donaueschingen von einem Liebhabertheater aufgeführt wurde und große Erfolge feierte. Die Hochzeit des Figaro wurde in den Jahren 1788, 1789 und 1791 noch mehrfach aufgeführt und zählt damit zu den am häufigsten gegebenen Opern am Hoftheater. Die Rolle der Kammerzofe Susanna sang dabei die Fürstin Maria Antonia persönlich – beim Aufführungsmaterial ist bei der Singstimme der Susanna deshalb auch „für die Durchlauchtigste Fürstin" vermerkt.

Die Uraufführung der Oper fand im Jahr zuvor in Wien statt, weitere Aufführungen folgten in der Saison 1786/87 in Prag. Die in der Badischen Landesbibliothek aufbewahrte Musikhandschrift wurde im Jahr 1786 von dem bekannten Kopisten Anton Grams in Prag erstellt, sie überliefert eine der frühesten Prager Werkfassungen.

Musik am Hof in Donaueschingen

Das höfische Musikleben in Donaueschingen wurde durch Joseph Maria Benedikt Fürst zu Fürstenberg (1758–1796) gefördert, der ein großer Liebhaber der Musik war und selbst ausgezeichnet Piano spielte. Nach seinem Regierungsantritt im Jahr 1783 bemühte er sich, das künstlerische Niveau der Hofmusik anzuheben und ließ das Hoftheater großzügig umbauen und vergrößern. Die Fürstin Maria Antonia (1760–1797), eine geborene Prinzessin von Hohenzollern-Hechingen, teilte die Liebe zur Musik mit ihrem Mann. Sie organisierte die Aufführungen des Hoftheaters und übernahm in Singspielen Sopranrollen, während sie die übrigen Rollen häufig mit Adligen und Bediensteten des Hofes besetzte. 

Zu Lebzeiten von Wolfgang Amadeus Mozarts (1756–1791) hat es wohl kaum einen fürstlichen Hof gegeben, an dem mehr seiner Werke aufgeführt worden sind als in der Donaueschinger Residenz. Im fürstlich fürstenbergischen Hoftheater wurden Kammermusik, Sinfonien und Opern Mozarts aufgeführt, darunter im Jahr 1787 Die Hochzeit des Figaro.

Das Libretto der Oper stammt von Lorenzo Da Ponte und basiert auf der Komödie La Folle Journée ou le Mariage de Figaro von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais aus dem Jahr 1778. Das Stück führte zunächst zu Problemen mit der Zensur: Die Herrschaft des Adels wird kritisiert und das unmoralische Verhalten des Grafen deutlich gemacht, während der Diener Figaro und die Kammerzofe Susanna zu den Sympathieträgern gehören.

Die Oper sollte in Donaueschingen als Singspiel zur Aufführung kommen, deshalb wurden Rezitative durch gesprochene Dialoge ersetzt. Die Oper wurde – wie fast alle Bühnenwerke in Donaueschingen – auf Deutsch gegeben, damit das Publikum, das nur zum kleinen Teil aus gebildeten Adligen bestand, der Handlung folgen konnte. Hierfür wurde aus der italienischen Fassung der Partitur eine deutsche Textfassung für die Singstimmen hergestellt.

Donaueschinger Musikalien seit 1999 in der BLB

Mit über 3.500 Musikhandschriften und über 5.300 Musikdrucken bilden die Donaueschinger Musikalien eine der bedeutendsten Sammlungen ihrer Art im süddeutschen Raum von weit überregionaler Bedeutung, die seit 1999 in der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe verwahrt werden. In dem Bestand sind viele Werke bedeutender Komponisten aus Baden enthalten, die einen hohen Wert für die musik- und theatergeschichtliche Forschung haben. In dem Bestand sind viele Werke bedeutender Komponisten aus Baden enthalten, die einen hohen Wert für die musik- und theatergeschichtliche Forschung haben. Als Beispiele hierfür seien Conradin Kreutzer, Thomas Täglichsbeck, Johann Wenzel Kalliwoda und Alexander Fesca genannt.

Über 300.000 Images der Donaueschinger Musikalien online

In vier Teilprojekten konnten bis März 2021 mit Unterstützung der Stiftung Kulturgut die Donaueschinger Musikhandschriften im Umfang von 230.000 Images digitalisiert und somit für die Forschung zur Verfügung gestellt werden. Damit ist die Digitalisierung des Gesamtbestandes an Musikhandschriften aus der Provenienz Donaueschingen zu einem erfolgreichen Abschluss gekommen. Die digitalisierten Musikhandschriften finden Sie unter https://digital.blb-karlsruhe.de/topic/view/169279

Zusätzlich konnten in den letzten Jahren über 1.900 Donaueschinger Musikdrucke im Umfang von über 90.000 Images digitalisiert werden, diese finden Sie unter https://digital.blb-karlsruhe.de/topic/view/169278. Begonnen wurde mit den Drucken aus dem 16. Jahrhundert, der älteste Druck von Sebastian Ochsenkhun aus dem Jahr 1558 ist einzusehen unter https://digital.blb-karlsruhe.de/1176888. Inzwischen sind die Musikdrucke bis zum Erscheinungsjahr 1820 online. Ab April 2021 schließen sich weitere Projekte zur Digitalisierung der Musikdrucke ab Erscheinungsjahr 1821 an. Ziel ist es, in den nächsten Jahren die Musikdrucke dieses Bestandes zu digitalisieren und damit alle Donaueschinger Musikalien online für die wissenschaftliche Forschung zur Verfügung zu stellen.

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