Ausstellungsrückblick: Mit der Schwarzwaldbahn an den Bodensee

Barbara Bauer 26.9.2023 11.35 Uhr

DOI: https://doi.org/10.58019/8d8t-8602

Am 16. September 2023 ist die Ausstellung „Mit der Schwarzwaldbahn an den Bodensee. Tourismuswerbung im Wandel“ zu Ende gegangen. Aus diesem Anlass werfen wir einen Blick zurück auf die Ausstellung und ziehen Bilanz.

Ausstellungsidee

Die Idee zur Ausstellung wurde bereits 2019 an die Badische Landesbibliothek herangetragen. Elisabeth Schraut, Kuratorin der Ausstellung „Bodensee und Rhein. Tourismuswerbung über Grenzen 1890–1950 “ (23. März 2018 bis 31. Oktober 2019, Museum Lindwurm in Stein am Rhein, Schweiz), schlug vor, das Thema der frühen Reisewerbung auch in der Badischen Landesbibliothek zu zeigen.

Schnell war das Leitmotiv gewählt: Der Reiseweg vom Nordschwarzwald – beginnend in Karlsruhe – bis nach Konstanz an den internationalen Bodensee und die Vorbereitungen begannen. In den Beständen der Badischen Landesbibliothek wurde nach Reiseliteratur, Werbebroschüren, Bildbänden zum Schwarzwald, Karten und Reiseführern gesucht… und gefunden. Der Stapel möglicher Exponate wuchs unaufhörlich und die Bandbreite an möglichen auszustellenden Objekten wurde immer größer. Nun galt es, die Exponate auszuwählen, thematisch zu gliedern und einen roten Faden für die Ausstellung zu entwickeln. Einige Bestände benötigen mehr Kontext, andere sprechen mehr für sich und manche Gegenstände wirken erst im Gesamtbild einer Vitrine.

Doch dann geschah etwas, das niemand voraussehen konnte: Mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie lagen die Vorbereitungen plötzlich auf Eis und ein potentieller Starttermin für die Ausstellung musste immer wieder verschoben werden. Schließlich bot sich an, die Ausstellung gänzlich auf das Jahr 2023 zu verlegen, denn 2023 jährt sich die vollständige Streckeneröffnung der Schwarzwaldbahn zum 150. Mal und wir konnten auf diese Weise einen schönen Beitrag zum Jubiläum leisten.

Zu sehen ist eine Vitrinen mit zwei Leporellos.

Einige der Exponate werden im Ausstellungsraum auf den Vitrinen platziert, um die Anordnung zu prüfen.

Mit der Schwarzwaldbahn …

Dieses Jubiläum ist für das Reiseverhalten und den damit verbundenen Aufschwung der Reisewerbung deshalb so wichtig, weil die Eröffnung der Schwarzwaldbahn das Reisen bequemer, schneller und vor allem preiswerter machte. Mit der Bahn hatten auf einmal viel mehr Menschen Zugang zu den Erholungsgebieten im Schwarzwald.

In der Ausstellung waren allein vier Vitrinen der Schwarzwalbahn gewidmet: Karten über den Streckenverlauf illustrierten die Meisterleistung ihres Erbauers Robert Gerwig (1820–1885), Werbebroschüren der Städte entlang des Streckenverlaufs offenbarten die Marketinginteressen und Reiseführer zeigten, dass die Bahnlinie selbst zur Attraktion wurde. Schnell erkannte man, dass Reisende eine wichtige Zielgruppe waren. Vergünstigte Fahrpreise, Aussichtswagen und vermehrte Fahrtzeiten beispielsweise am Wochenende zielten explizit auf diese Klientel.

Zu sehen ist eine Darstellung eines Landschaftsausschnitts mit Schwarzwaldhütte, Tanne und Bahnbrücke im Hintergrund.

Ewald Keil: Vom Rhein längs der Schwarzwaldbahn zum Bodensee und Rheinfall. München 1928
Badische Landesbibliothek, 121 E 976 - Zum Digitalisat

Neben dem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur waren es vor allem lokale Bürgerinitiativen, die sich ehrenamtlich für den Fremdenverkehr – wie der Tourismus damals genannt wurde – engagierten. Ein Beispiel ist die Gründung des Schwarzwaldvereins. Aus Sorge, Freiburg im Breisgau könnte nur eine Station auf der Weiterreise in die Schweiz sein, gründete der Gastwirt Gustav Rehfuß zusammen mit über 60 weiteren Mitstreitern am 18. Juni 1864 in Freiburg den „Badischen Verein von Industriellen und Gastwirthen zum Zweck den Schwarzwald und seine angrenzenden Gegenden besser bekannt zu machen“. Ab 1867 nannte er sich dann „Schwarzwaldverein“ und ist unter diesem Namen noch heute aktiv. Dieser ehrenamtliche Verein trug durch seine Erschließungsarbeit und Werbetätigkeit maßgeblich zur Entwicklung des Schwarzwaldes zu einer bis heute erfolgreichen Ferienregion bei: Wege wurden gebaut und beschildert, Aussichtstürme und Wanderhütten errichtet, Karten und Reiseführer herausgegeben und Wanderungen durchgeführt.

Für die verarmte Landbevölkerung bot der Fremdenverkehr im Zeitalter der Industrialisierung eine neue Einnahmequelle. Stück für Stück entwickelte sich der Tourismus zu einem eigenständigen Wirtschaftszweig und ist es bis heute. Um die potentiellen Kundinnen und Kunden über die Angebote zu informieren, wurden Werbebroschüren herausgebracht, Reiseführer editiert und Plakate gedruckt. Ausschlaggebend für ein positives Bild des Schwarzwaldes als Urlaubsregion waren schon früh Stereotype wie unberührte Natur, dunkle Tannenwälder und Traditionsbewusstsein. Diese kollektiven Bilder prägen bis heute die Wahrnehmung des Schwarzwaldes.

… an den Bodensee

Die Ausstellung thematisierte viele verschiedene Facetten der frühen Tourismuswerbung und verband kaleidoskopartig unterschiedliche Erzählstränge miteinander, so dass ein Rundgang durch die Ausstellung von jedem Bereich aus möglich war. Es wurden drei Tourismusregionen vorgestellt: der Streckenverlauf der Schwarzwaldbahn, die gesamte Ferienregion im Landesteil Baden und das Urlaubsgebiet am internationalen Bodensee. Zudem fanden drei Städte exemplarisch besondere Beachtung: Baden-Baden als „Weltbad“ mit internationalem Rang, Freiburg als inoffizielle „Schwarzwaldhauptstadt“ sowie Konstanz am Bodensee.

Titelseite Baden-Baden - Führer für Fremde

Guide des étrangers dans Baden-Baden et de ses environs, Baden-Baden ca. 1865
Badische Landesbibliothek, 76 A 14765 - Zum Digitalisat

Neben dem ehrenamtlichen Engagement des Schwarzwaldvereins wurden auch Publikationen anderer Verbände, Interessensgemeinschaften und Vereine wie des „Badischen Fremdenverkehrsverbands“, des „Verbands der Gasthofbesitzer am Bodensee und Rhein“ oder lokaler Verkehrsvereine präsentiert. Für die Entstehung des Tourismus spielte die Verkehrsanbindung eine wesentliche Rolle. Natürlich lag das Augenmerk auf der Schwarzwaldbahn. Auch andere Reisemöglichkeiten wurden vorgestellt: mti den Omnibussen der Kraftpostlinien, individuell im eigenen Automobil oder per Schiff auf dem Bodensee.

Werbematerialen sind darauf ausgelegt, dass die Botschaften in kürzester Zeit – innerhalb eines Augenblicks – intuitiv wahrgenommen werden können. Daher nahm die grafische Gestaltung einen besonderen Stellenwert ein. Grafiker wie Paul Dietrich (1907–1991), Willy Dzubas (1877–1947),  Leo Faller (1902–1969) oder Joseph Ruep (1886–1940) entwickelten Motive, die die Wahrnehmung des Schwarzwaldes und Bodensees entscheidend prägten. Darstellungen des roten Bollenhuts, von Schwarzwaldhütten, Tannenwälder oder der Bodensee vor schneebedeckten Alpen sind bis heute ein beliebtes Bildmotiv.

Anstelle eines linearen Ausstellungsrundgangs, der von Karlsruhe nach Konstanz führen könnte, zeigte die Ausstellung Unterschiede und Parallelen zwischen den mehr als 150 Exponaten vom 19. Jahrhundert bis in die 1950er-Jahre und darüber hinaus. Die Kapitel zum Bodensee orientierten sich an der von Elisabeth Schraut 2018 kuratierten Ausstellung, die in ihrem Katalog „Bodensee und Rhein. Tourismuswerbung über Grenzen 1890–1950“ (Stein am Rhein 2019) dokumentiert ist.

Zu sehen ist ein Plakat von Willy Dzubas mit dem Ravenna-Viadukt.

Willy Dzubas (1877–1947): Deutschland im Schwarzwald, ca. 1929
Karlsruhe, Badisches Landesmuseum, 92 373

Exponate to go

Es war der ausdrückliche Wunsch, das Reiseverhalten mit analogen Reiseführern aus dem 19. Jahrhundert in unsere Zeit zu übersetzen: Bei zahlreichen der ausgestellten Exponate verwies ein QR-Code auf das Digitalisat. So konnte das Objekt ganz bequem bei der nächsten Fahrt mit der Schwarzwaldbahn während der Reise studiert werden. Gerade die umfangreichen Leporellos zum Streckenverlauf mit mehrsprachigem Begleittext bieten sich hierfür an.

Detail aus einem aufgeklappten Leporello (Faltbuch) mit Übersicht der Schwarzwaldbahnstrecke.

Schwarzwaldführer der Eisenbahn Offenburg-Constanz, 1870

Badische Landesbibliothek, 98 B 103337 - Zum Digitalisat

Und nach dem Ausstellungsbesuch?

Begleitend zur Ausstellung gab es vielfältige Möglichkeiten, sich mit der Schwarzwaldbahn und den Themen der Ausstellung zu beschäftigen. Im Programm fanden Vorträge zu Grafikern und Künstlern statt, es gab eine Podiumsdiskussion zu Fragen des Tourismus und Verkehrs heute. Filmvorführungen in Kooperation mit der Kinemathek Karlsruhe übertrugen die Themen in das Bewegtbild und eröffneten neue Sichtweisen auf das Reisen mit der Bahn. Mehrere Exkursionen in den Schwarzwald und die unmittelbare Umgebung Karlsruhes ließen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen auf den Spuren des 19. Jahrhunderts wandeln.

Zu sehen sind mehrere Personen vor einem Stadtplan.

Exkursion „Auf den Spuren von Robert Gerwig quer durch die Stadt" am Samstag, dem 26. August 2023, mit Barbara Bauer M.A. und Dr. Charlotte Kämpf.

Ein Workshop mit Studierenden der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe bot die Möglichkeit, die in der Ausstellung gewonnene Inspiration in die eigene Plakatgestaltung zu übertragen. Anfang September fand zudem eine Pop-Up-Ausstellung mit den Arbeiten des Seminars „Grundlagen der Gestaltung II“ zum Thema „Between Cliché and Tradition“ im Foyer der Badischen Landesbibliothek statt, zu der auch ein Audioguide erschienen ist.

Zu sehen ist ein Regal mit Literatur zum Schwarzwald.

Literatur zum Schwarzwald in der Pop-Up-Ausstellung im Foyer.

Zu sehen ist eine Ansicht der Pop-Up-Ausstellung mit Kunstwerken der Studierenden.

Ausstellungsansicht mit Werken wie „Hexenjagd“ (Maske) von Michael Rothfuß und „Ruine im Schwarzwald - das Hotel Hundseck. Vom Nobelhotel zur Ruine“ (Installation) von Lucia.

Verabschiedung

Nun sind die Exponate aus den Vitrinen geräumt, die Leihgaben an ihre Bestimmungsorte zurückgesendet und der Ausstellungsraum ist schon für die nächste Schau bestückt. Doch natürlich sind viele der Exponate weiterhin in den Digitalen Sammlungen der Badischen Landesbibliothek unter der Rubrik „Vom Schwarzwald bis zum Bodensee“  verfügbar. Auch die Ausstellung selbst ist als virtuelle Ausstellung auf der Webseite archiviert und zugänglich: „Mit der Schwarzwaldbahn an den Bodensee“. Hier können die Saaltexte und Exponatschilder nachgelesen werden oder einfach noch einmal die verschiedenen Titelblätter der Publikationen bestaunt werden.

Zu sehen ist ein Bildschirmfoto der Digitalen Sammlungen der Badischen Landesbibliothek.

Bildschirmansicht der Digitalen Sammlungen.

Wir danken allen Projektpartnern, Leihgebern und Experten zur Schwarzwaldbahn für ihre großzügige Unterstützung und freuen uns auf zukünftige Kooperationsprojekte.

Nach der Ausstellung ist vor der Ausstellung – bereits am 26. September 2023 eröffnet die Badische Landesbibliothek in Kooperation mit dem Max-Reger-Institut Karlsruhe die Ausstellung „Max Reger und sein Interpret Karl Straube. Eine Künstlerfreundschaft zwischen Inspiration und Einflussnahme“  (Laufzeit: 27. September 2023 bis 13. Januar 2024) – hierzu laden wir Sie natürlich herzlich ein!

 

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