Neukatalogisierung der ehemals Donaueschinger Handschriften in der BLB Karlsruhe (Teil B)

Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft

1993 wurde die Handschriftensammlung der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek Donaueschingen vom Land Baden-Württemberg angekauft und so eine der bedeutendsten historischen Adelsbibliotheken für die Öffentlichkeit bewahrt. Die Handschriften wurden auf die beiden Landesbibliotheken in Stuttgart und Karlsruhe aufgeteilt. Die Badische Landesbibliothek Karlsruhe (BLB) erhielt die deutschsprachigen Stücke sowie einzelne Bände, die mit Karlsruher Provenienzen in Zusammenhang stehen.

Die 287 ehemals Donaueschinger Handschriften, die heute in der BLB Karlsruhe aufbewahrt werden, dürfen als einer der besonders bekannten Fonds zur deutschen Literatur des Mittelalters gelten. Dies hängt nicht zuletzt mit der hohen Prominenz der Nibelungenliedhandschrift C (Cod. Donaueschingen 63) zusammen, die Teil der Donaueschinger Sammlung ist. Der Bestand ist insgesamt vor allem für seinen hohen Anteil an Handschriften berühmt, die literarisch-poetische Texte überliefern: Mit 131 Bänden macht das Segment A (Literatur und Sprachwissenschaft) fast die Hälfte des Donaueschinger Bestands in der BLB aus. Die verbleibenden 156 Handschriften lassen sich den Sachgebieten der geistlich-theologischen Prosa (B), der Geschichte und Hilfswissenschaften (C), den Rechtswissenschaften (D) sowie Naturwissenschaft, Philosophie und Kunst (E-F) zuordnen.

Ein erstes Projekt zur Neukatalogisierung der ehemals Donaueschinger Handschriften der BLB, in dem die literarischen Handschriften des A-Segments nach den Richtlinien der DFG katalogisiert wurden, konnte 2013 erfolgreich abgeschlossen werden.

In einer zweiten Projektphase werden bis Dezember 2020 die Handschriften der theologischen Prosa am Handschriftenzentrum Leipzig wissenschaftlich aufgearbeitet. Es werden insgesamt 72 Signaturen (62 Codices und zehn Fragmente) erschlossen. Unter inhaltlicher Perspektive kann der Projektbestand als repräsentativer Querschnitt durch wichtige Bereiche der spätmittelalterlichen theologischen Literatur in deutscher Sprache gelten. Vertreten sind Bibelübersetzung und Plenarien, theologische Kompendien und Traktate, Erbauungsliteratur, Predigtsammlungen, Exempla und Legenden, Ordensregeln sowie zahlreiche Andachtstexte. Mit 23 Signaturen bilden die Gebets- bzw. Andachtsbücher einen besonderen Schwerpunkt. Sieben Handschriften bilden eine Sondergruppe, da es sich bei ihnen nicht um deutschsprachige, sondern um lateinische Codices handelt (Cod. Donaueschingen 273, 312, 314, 319, 331, 352, 424), die aufgrund des Zusammenhangs mit Karlsruher Provenienzen der BLB zugeteilt wurden.

Ein Teil der Projekthandschriften ist im 1865 erschienenen Katalog von Karl August Barack behandelt, der allerdings im Bereich der kodikologischen Erschließung nur Kurzangaben bietet und gerade bei den Gebets- und Andachtsbüchern sowie bei den lateinischen Stücken nicht mehr als eine stichwortartige inhaltliche Einordnung vornimmt. Zu den prominenten Stücken des Bestands, wie beispielsweise zu Ottos von Passau ‚Die 24 Alten’ (Cod. Donaueschingen 242), Heinrich Seuses ‚Büchlein der ewigen Weisheit’ (Cod. Donaueschingen 356) oder Michaels de Massa ‚Vita Christi’, dt. (Cod. Donaueschingen 436), liegt inzwischen ein völlig neuer Forschungsstand vor. Neben diesen bei Barack nachgewiesenen Stücken umfasst der Projektbestand 17 Handschriften des sogenannten Nachtragssegments, also Handschriften, die nach 1865 von der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek erworben wurden. Das kurz vor dem Abschluss stehende Neukatalogisierungsprojekt hat hier erstmals substantielle Informationen zu weitgehend unbekannten Codices erarbeitet.

Die im Projekt entstehenden Handschriftenbeschreibungen und Erschließungsdaten werden kontinuierlich über das zentrale deutsche Handschriftenportal Manuscripta Mediaevalia publiziert. Gleichzeitig werden alle im Projekt bearbeiteten Handschriften digitalisiert, in den Digitalen Sammlungen der BLB zur Nutzung angeboten und zusammen mit den Beschreibungen über Manuscripta Mediaevalia präsentiert.

Alle Handschriften des Projekts sind bereits vollständig bearbeitet worden. 44 Beschreibungen sind in Manuscripta mediaevalia erfasst. Die verbleibende Projektarbeitszeit ist für die Fonalisierung der Katalogisate, für die Digitalisierung der Wasserzeichenbelege, für die Registererstellung und für den Projektbericht vorgesehen.

Projektbeginn: 1. Januar 2015, Projektlaufzeit: bis Dezember 2020

Wissenschaftliche Bearbeiterin:
Katrin Sturm, Telefon: +49 (0)341-97-30592

Wissenschaftliche Hilfskräfte:
Franz Schollmeyer

Leiter des Handschriftenzentrums:
Dr. Christoph Mackert, Telefon: +49 (0)341-97-30509

Projektverantwortliche BLB Karlsruhe:
Dr. Julia Hiller von Gaertringen, Telefon: +49 (0)721-175-2201

Stand: 24.7.2020

Folgende Handschriften und Fragmente werden im Lauf des Projektes erschlossen:

Handschrift

Inhalt

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