Drucke des 17. Jahrhunderts in zentraler Datenbank VD17 erfasst

Cypressen-beblätterter Lorber-Baum, Oder, Mit Trawer-hüllen verstelleter, an ime selbs offenbarer Sieg [...] Des Hochgebohrnen Grafen und Herren, Herren Johann Jacoben, Grafen und Herren zu Rappoltstein, Hohenack und Geroltzeck am Wassichin, Hochseelig-milden angedenckens
ohne Ort, 1673.
Badische Landesbibliothek, 43 B 204 RH

Judas der Ertz-Schelm, Für ehrliche Leuth : oder Eigentlicher Entwurff vnd Lebens-Beschreibung deß Ischariotischen Bößwicht, Zusammen getragen durch Pr. Abraham à S. Clara
Salzburg: Haan, 1691
Badische Landesbibliothek, O53 A 445,1

Jakob Böhme: Aurora, Oder Morgen-Röhte im Auffgang
Amsterdam [d.i. Frankfurt]: Betkius [d.i. Seyler], 1676
Badische Landesbibliothek, 65 A 4634 R1

Gabriele Philipp und Annika Stello
9.3.2021 9.00 Uhr

Bei ihrer Zerstörung im Kriegsjahr 1942 verlor die Badische Landesbibliothek nahezu ihren gesamten Bestand an Druckschriften, rund 300.000 Bände. Noch vor Kriegsende und bis zum heutigen Tag unternimmt die BLB umfangreiche Bemühungen, die verlorenen Bestände im Bereich der Alten Drucke zu ersetzen, teils durch Kauf, teils durch Schenkungen. Auf diese Weise kam bis heute wieder eine Sammlung mit rund 33.000 Drucken aus der Zeit vor 1800 zusammen, darunter auch ungefähr 3.500 Drucke des 17. Jahrhunderts.

Bis 2017 wurden diese Drucke nur lokal und regional katalogisiert, waren also in erster Linie über den lokalen Onlinekatalog (Katalog Plus rds-blb.ibs-bw.de/opac/) zu finden. Im Jahr 2018 startete dann ein dreijähriges Projekt, dessen Ziel der vollständige Nachweis dieser Werke in der maßgeblichen überregionalen Datenbank für deutsche Drucke des 17. Jahrhunderts war.

Das VD17

Das Verzeichnis der im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 17. Jahrhunderts (kurz VD17), stellt eine retrospektive Nationalbibliografie für die Jahre 1601 bis 1700 dar. Ziel der Datenbank ist es, alle deutschsprachigen und/oder im historischen deutschen Sprachgebiet gedruckten und verlegten Werke gesammelt nachzuweisen, die im 17. Jahrhundert erschienen sind. Daür melden zahlreiche deutsche Bibliotheken ihre entsprechenden Bestände an das VD17, sodass mittlerweile eine große Anzahl von Werken im VD17 zu finden ist.

Etwa ein Drittel der in der BLB vorhandenen relevanten Drucke konnte dank der Erfassung in der regionalen Verbunddatenbank K10plus maschinell in das VD17 überführt werden. Die übrigen Titel mussten von Hand überprüft und – sofern sie für das VD17 relevant waren – von Hand eingegeben werden. Dabei wurde zunächst überprüft, ob der jeweilige Titel im VD17 bereits vorhanden war, sodass lediglich noch das Exemplar der BLB angefügt werden musste. Bei dieser Überprüfung spielten neben den üblichen bibliographischen Daten wie Autor, Titel und Erscheinungsjahr insbesondere der sogenannte Fingerprint und die Schlüsselseiten eine große Rolle. Denn da im 17. Jahrhundert Bücher häufig in mehreren kurz aufeinander folgenden und fast gleich aussehenden Ausgaben erschienen, ermöglichen oft nur diese Merkmale eine eindeutige Zuordnung.

Bei alten Drucken ist – ähnlich wie bei Handschriften – nicht nur der Nachweis eines Druckes in einer Bibliothek an sich wichtig, sondern vor allem auch die Dokumentation seiner spezifischen Merkmale, beispielsweise der Provenienzspuren (u.a. alte Besitzeinträge, Stempel, Einbände usw.), durch welche die einzelnen Exemplare eines Werkes, die sich im Besitz verschiedener Bibliotheken befinden, unterschieden werden können. Diese Merkmale spielen eine zunehmend größere Rolle für verschiedenste Forschungsfragen.

Obwohl das VD17 schon über 300.000 Titel verzeichnet, konnte die Badische Landesbibliothek noch 351 bisher nicht in der Datenbank erfasste Werke melden, die nur hier in Karlsruhe vorhanden sind (soweit bisher bekannt). Diese wurden nicht nur erfasst, sondern auch vollständig digitalisiert und sind nun in unseren Digitalen Sammlungen einsehbar.

Die Arbeiten im Projekt förderten immer wieder Merkwürdigkeiten zutage und brachten zuweilen spezielle Herausforderungen mit sich. So enthielt beispielsweise ein eigentlich harmlos wirkender Sammelband (Abb. 1) bei näherer Betrachtung geschlagene 70 Einzeltitel: Es waren Einblattdrucke von Nekrologen, also Nachrufen, die alle einzeln katalogisiert werden mussten. Dies konnte anhand der zuvor erstellten Digitalisate während des Lockdowns sogar im Homeoffice erfolgen. Beeindruckend und interessant waren oft auch die Titelblätter, die zeittypisch meist sehr umfänglich bedruckt sind (s. Abb. 2), oder von Vorbesitzern eingeklebte Exlibris (Abb. 3).

Nach Abschluss des Projekts sind nun 2.829 Exemplare der BLB im VD17 nachgewiesen.

Als Nachfolgeprojekt läuft seit Januar 2021 die Verzeichnung der Drucke des 16. Jahrhunderts im VD16.

Nicht unterstützter Web-Browser!

Ihr verwendeter Web-Browser ist veraltet und kann daher einige der modernen Funktionen der Webseite www.blb-karlsruhe.de nicht unterstützen.
Um diese Webseite nutzen zu können und sich sicher im Internet zu bewegen, verwenden Sie bitte einen der folgenden Web-Browser:

Mozilla inc., Firefox
Google inc., Chrome
Google inc., Chromium