Die Benutzung der Reuchliniana vor 1771

Johannes Reuchlin (1455–1522)
Schabkunst von Johann Jakob Haid. Um 1760.

Der aus Pforzheim gebürtige Humanist Johannes Reuchlin ist der erste bekannte Stifter von Büchern für die spätere Hofbibliothek. Er vermachte seine bedeutende Gelehrtenbibliothek mit seltenen hebräischen und griechischen Handschriften dem Chorherrenstift in Pforzheim. Seit 1523 war sie zusammen mit der Büchersammlung der badischen Markgrafen in der Stifts- und Schlosskirche St. Michael in Pforzheim aufgestellt.

Badische Landesbibliothek, Graph Slg 3230
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Schlosskirche St. Michael in Pforzheim
Postkarte.

Badische Landesbibliothek

Johannes Oekolampadius (1482–1531)
Aus: Ludwig Bechstein: Zweihundert Bildnisse und Lebensabrisse berühmter deutscher Männer.
3. verbesserte Auflage. Leipzig: Wigand, 1870.

Johannes Oekolampadius, der berühmte Baseler Humanist, ist der erste bekannte Nutzer der Markgräflichen Hofbibliothek in Pforzheim. Er entlieh 1528 eine griechische Handschrift zu Forschungszwecken und bedankte sich beim Markgrafen Philipp I. (1479–1533) für das Entgegenkommen. Damit ist der erste Ausleihvorgang in der Geschichte der Badischen Landesbibliothek dokumentiert.

Badische Landesbibliothek, 98 B 92348
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Biblia hebraica.
Handschrift auf Pergament, 12./13. Jahrhundert.
Geschenk des Kaisers Friedrich III. an Johannes Reuchlin.

Badische Landesbibliothek, Cod. Reuchlin 1
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Leihschein der Hofbibliothek von Baden-Durlach aus dem Jahr 1688

Während des Dreißigjährigen Krieges wurden die „sonderlich auserlesenen Werke“ der Durlacher Hofbibliothek nach Straßburg evakuiert. Schon 1674 wurden sie erneut aus Sicherheitsgründen ausgelagert, diesmal nach Basel. In Durlach blieb der Bestand einer Gebrauchsbibliothek zurück, welche von den Lehrern des Gymnasium illustre genutzt wurde. Für die Ausleihe besaß die Hofbibliothek einen vorgedruckten Leihschein, was zu jener Zeit alles andere als üblich war.

Ehemals Badische Landesbibliothek, Kriegsverlust

Prospect des von Markgraf Friedrich Magnus Anno 1698 in Durlach neu angelegten Residenzschlosses Carolsburg.
Idealplan von Domenico Egidio Rossi 1698.
Kriegsbedingt wurde nur ein Gebäudeflügel fertiggestellt.

Einige Jahrzehnte, nachdem 1565 die Bibliothek aus dem Chor der Pforzheimer St. Michaelskirche in das Durlacher Schloss überführt worden war, wurde ein Sammelband Reuchlins mit 19 altchristlichen Schriften an das elsässische Kloster Maursmünster (heute Marmoutier) ausgeliehen. Er wurde nie zurückgegeben. Später gelangte er in die Straßburger Stadtbibliothek, wo er 1870 beim deutschen Angriff auf Straßburg verbrannte. 

Generallandesarchiv Karlsruhe, HfK Planbände 28 Nr. 6

Mit freundlicher Genehmigung des Generallandesarchivs
 

Biblia hebraica
von Johann Heinrich May und Georg Christian Bürcklin.
Frontispiz: Kupferstich von Joseph de Montalegre.
Frankfurt am Main: Andreae, 1716.
Frontispiz.

1708 scheiterte das Ausleihgesuch des Gießener Hebraisten Johann Heinrich May (1653–1719) für zwei wertvolle Reuchlin-Handschriften, nämlich Bibel (Cod. Reuchlin 1) und Prophetencodex (Cod. Reuchlin 3).

May hatte in Durlach das Gymnasium illustre besucht, später als Lehrer dort unterrichtet und kannte die hebräischen Handschriften Reuchlins. Nun plante er eine neue, erschwingliche hebräische Bibelausgabe mit einer Auflage von 8.000 Exemplaren. Trotz ausführlicher Begründung seines editorischen Vorhabens und trotz Empfehlung seines hessischen Dienstherrn Landgraf Ernst Ludwig (1667–1739) beschied Markgraf Friedrich Magnus (1647–1709) die Bitte abschlägig.

Mays hebräische Bibel erschien 1716 in Frankfurt. Die Reuchlin-Handschriften konnten textkritisch noch berücksichtigt werden, da sie 1714 aus Basel nach Durlach zurückgekehrt und dort zugänglich gemacht waren.

Badische Landesbibliothek, 64 A 1004
Ein Digitalisat existiert nicht.
 

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