Markgraf Karl Friedrich

Begründer der Karlsruher Hofbibliothek als öffentliche Einrichtung

Am 31. Dezember 1770 erließ Markgraf Karl Friedrich von Baden (1728–1811) für seine Hofbibliothek im Karlsruher Schloss eine erste Benutzungsordnung. 1765 hatte er die Bücher der ehemals Baden-Durlachischen Hofbibliothek in ein gerade fertiggestelltes Nebengebäude des Karlsruher Schlosses bringen lassen. Als er 1771 die Markgrafschaft Baden-Baden erbte, holte er auch die Bücher der Rastatter Hofbibliothek nach Karlsruhe. Der gemeinsame Bestand wurde auf 20.000 Bände geschätzt, das war für die damalige Zeit recht ansehnlich.

Von 1738 bis 1811 regierte Karl Friedrich Baden ganze 73 Jahre lang. In dieser Zeit vergrößerte sich sein Herrschaftsgebiet auf das Zehnfache; aus einer kleinen, territorial stark zersplitterten Markgrafschaft wurde ein Großherzogtum, das als besonders liberal und fortschrittlich galt. Dabei förderte er als aufgeklärter Landesherr Bildung, Kultur und Wissenschaft in besonderem Maße.

Die Öffnung der Bibliothek für das Publikum war zu dieser Zeit nicht ungewöhnlich – auch die Landesherren anderwärts verfügten damals diesen historisch nicht zu überschätzenden Übergang ihrer Hofbibliothek vom herrschaftlichen Repräsentations- bzw. Verwaltungsinstrument zur allgemein zugänglichen Forschungseinrichtung –, aber sie erfolgte doch vergleichsweise früh. Vorbild für Karl Friedrich wird Kurfürst Karl Theodor gewesen sein, der in Mannheim am 15. Oktober 1763, in Düsseldorf am 3. April 1770 und in München am 18. Dezember 1789 jeweils eine entsprechende Verfügung erließ. Vergleichbare Hofbibliotheken in Dresden oder Darmstadt folgten erst später.

Karl Friedrich Markgraf von Baden (1728–1811) als junger Mann.
Kupferstich von Johann Martin Will nach einem Gemälde von Jean-François Guillibaud.
Frontispiz der dem Markgrafen gewidmeten englisch-französischen Ausgabe von
Alexander Pope: Essai sur l'homme. Tradition françoise en prose par Mr. S.
Nouvelle édition, avec l'original anglois.
Aus der Privatbibliothek des Markgrafen.
Lausanne, Geneve: Bousquet, 1745.

Die französische Übersetzung des berühmten philosophischen Gedichts von Alexander Pope (1688–1744) aus der Feder des Gelehrten Étienne de Silhouette (1709–1767) wurde 1745 zusammen mit dem englischen Originaltext in dieser großformatigen Prachtausgabe gedruckt.

Der Verleger Marc-Michel Bousquet (1696–1762) in Lausanne widmete die Ausgabe dem badischen Landesherrn, der in diesem Jahr als Siebzehnjähriger gerade seine Ausbildung an der Académie de Lausanne abschloss, um Reisen in die Niederlande und nach Paris anzuschließen, bevor er mit seiner Mündigerklärung im Herbst 1746 die Regierung in Baden tatsächlich antrat.

Badische Landesbibliothek, 42 B 198 RE (früher Sb 171)
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Supralibros des Markgrafen Karl Friedrich von Baden
auf der Ausgabe von Alexander Pope:
Essai sur l'homme. Traduit françoise en prose par Mr. S.
Nouvelle édition, avec l'original anglois.
Lausanne, Geneve: Bousquet, 1745.
Aus der Privatbibliothek des Markgrafen.

Karl Friedrich ließ das ihm gewidmete Werk in einen prächtigen Einband binden, der überaus kunstvoll mit floraler Goldverzierung geschmückt ist und auf Vorder- und Rückdeckel jeweils das Wappen des Markgrafen trägt.

Badische Landesbibliothek, 42 B 198 RE (früher Sb 171)
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Karl Friedrich Markgraf von Baden (1728–1811) als Schirmherr der Bibel
Kupferstich von Jacques-Antony Chovin nach einem Gemälde von Philipp Heinrich Kisling.
Frontispiz in: Biblia, Das ist: Die Gantze Heilige Schrift Alten und Neuen Testaments nach der rein-teutschen Übersetzung Doctor Martin Luthers.
Prachtausgabe für den Markgrafen.
Lörrach: De la Carriere, Karlsruhe: Drechsler, 1748.

Der Drucker Samuel Auguste de la Carrière (1716–1748) durfte als Kind hugenottischer Glaubensflüchtlinge an seinem Geburtsort Basel keine Offizin gründen. Baden nahm ihn als Schutzbürger auf und erteilte ihm 1742 die Genehmigung zur Gründung der ersten Druckerei in der oberen Markgrafschaft. Dort entstand 1748 die dem Markgrafen Karl Friedrich gewidmete erste in einem badischen Verlag hergestellte Bibel. Der Verleger widmete sie ergebenst seinem Landesherrn.

Badische Landesbibliothek, 42 C 33 RE (früher KS 117)
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Das Residenzschloss in Carlsruhe vom Schlossgarten aus gesehen.
Gezeichnet von Jacobo Pozzi. Stahlstich von H. Huber.
In: Das Großherzogthum Baden in malerischen Original-Ansichten … / nach der Natur aufgenommen von verschiedenen Künstlern, und in Stahl gestochen von Johann Poppel im Vereine mit den ausgezeichnetsten Stahlstechern unserer Zeit.
Darmstadt: Lange, 1850.

Hier im Karlsruher Schloss, das sein Großvater zwischen 1715 und 1718 hatte errichten lassen, residierte Karl Friedrich als Landesherr seit 1746.

Badische Landesbibliothek, O 43 A 434 RH
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Schloss Platz zu Carlsruhe.
Gezeichnet von Jacobo Pozzi. Stahlstich von H. Huber.
In: Das Großherzogthum Baden in malerischen Original-Ansichten … / nach der Natur aufgenommen von verschiedenen Künstlern, und in Stahl gestochen von Johann Poppel im Vereine mit den ausgezeichnetsten Stahlstechern unserer Zeit.
Darmstadt: Lange, 1850.

Badische Landesbibliothek, O 42 A 434 RH
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Karl Friedrich, Großherzog von Baden (1728–1811) als aufgeklärter Landesherr.
Kupferstich von Aloys Keßler.
In: Karl Wilhelm Ludwig Friedrich Drais von Sauerbronn:
Geschichte der Regierung und Bildung von Baden unter Carl Friederich.
Bd. 1. Karlsruhe: C. F. Müller, 1816.

Fünf Jahre nach dem Tod Karl Friedrichs publizierte Karl von Drais (17851851), der später vor allem als Erfinder von sich reden machte, die erste Biographie des Markgrafen. Er hatte dafür Einblick in die großherzoglichen Registraturen nehmen dürfen und widmete sein Werk dem Großherzog Karl Ludwig, der seine Arbeit großzügig unterstützt hatte. Das Portrait von Aloys Keßler (17771820) zeigt Karl Friedrich im besten Mannesalter in bürgerlicher Kleidung.

Badische Landesbibliothek, 98 B 76335 RH,1
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Markgraf Karl Friedrich als Großherzog von Baden.
Gouache, ca. 1806.

Wer dieses Altersbildnis von Karl Friedrich geschaffen hat, ist nicht bekannt.

Badische Landesbibliothek, Graph Slg 3305
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