Direktor Molter als Benutzer seiner Bibliothek

Friedrich Valentin Molter war ein Gelehrter, der laufend zu den Werken seiner Bibliothek publizierte, Texte edierte, Übersetzungen anfertigte. Seine Interessen waren breit gestreut. Er übersetzte nicht nur – wahrscheinlich im Auftrag der Markgräfin Karoline Luise – ein französisches Fachbuch über den Flachdachbau ins Deutsche, sondern auch französische Schriften zur Wissenschaftstheorie, eine englische Cicero-Biographie, französische und italienische Belletristik und: lateinische Klassiker.

Altbestand der Hofbibliothek betrafen Molters Übersetzung des Walthari-Liedes nach einer Handschrift des 12. Jahrhunderts (Cod. Rastatt 24), seine Veröffentlichungen zu einer unikalen Handschrift des Liber ad Gebehardum des Manegold von Lautenbach aus dem 12. Jahrhundert (Cod. Rastatt 27), zur Beschreibung eines Schützenfestes des badischen Markgrafen Karl II. von 1562 (Cod. Durlach 4) und zu den Codices Reuchliniani, aber auch eine Ausgabe von Briefen des Kardinals Mazarin aus der Jugendzeit von König Ludwig dem Vierzehnten (Cod. Rastatt 76).

Übersetzung aus dem Lateinischen

Lucius Iunius Moderatus Columella:
Rei Rvsticae Avctores Latini Veteres, M. Cato, M. Varro, Colvmella, Palladivs : Priores tres, e vetustiss[imis] editionibus; quartus, e veteribus membranis aliquammultis in locis emendatiores ...
Heidelberg: Commelinus, 1595.

Lucius Iunius Moderatus Columella (1. Jh. n. Chr.) verfasste zur Zeit des Kaisers Claudius ein Werk über die Landwirtschaft in zwölf Büchern (De re rustica libri duodecim), das seit 1612 nicht mehr ins Deutsche übersetzt worden war. Molter übernahm diese Aufgabe. Nach welcher lateinischen Vorlage er den Text übersetzte, wissen wir nicht. Der lateinische Text in der Heidelberger Ausgabe von 1595 wurde erst 1969 für die Badische Landesbibliothek erworben.

Badische Landesbibliothek, 69 A 1664
Abbildung nach dem Münchener Exemplar, A.lat.c. 177
Zum Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek

Friedrich Valentin Molter:
Zwölf Bücher des Lucius Iunius Moderatus Columella über die Landwirtschaft.
Übersetzung von: De re rustica libri duodecim.
Arbeitsversion, 1769.

Die eigene Übersetzung des klassischen Werkes zur Agrarökonomie brach Molter nach dem Erscheinen der Übersetzung des Marburger Historikers Michael Conrad Curtius (1724–1802) ab. Das Konkurrenzprodukt erwarb er nach der Veröffentlichung 1769 für die Karlsruher Hofbibliothek, es ist beim Bombenangriff 1942 verbrannt.

Badische Landesbibliothek, Cod. Karlsruhe 117
Zum Digitalisat

Lucius Iunius Moderatus Columella:
De Re Rvstica Libri XII.
Bearbeitet von Matthias Gesner.
2 Bde. in einem Band.
Mannheim: Societas literata, 1781.

Diese lateinische Ausgabe beschaffte Molter selbst später noch für die Hofbibliothek. In Mannheim erschienen, kam sie vermutlich als Pflichtexemplar direkt vom Verlag. Das in der Direktionszeit von Molter erworbene Exemplar ist 1942 verbrannt. 1956 wurde ein anderes nachbeschafft.

Badische Landesbibliothek, 56 A 412
Abbildung nach dem Halleschen Exemplar
Zum Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Halle

Carlsruher Beyträge zu den schönen Wissenschaften

[Molter, Friedrich Valentin]:
Carlsruher Beyträge zu den schönen Wissenschaften.
Karlsruhe: Macklot. 1.1760 ‒ 3.1763/65 (1765); 18 Stücke.
Frontispiz und Titelblatt zum ersten Jahrgang 1760.

Molters ehrgeizigstes Projekt war eine literarische Zeitschrift, die Carlsruher Beyträge zu den schönen Wissenschaften. Da er deren Inhalt vermutlich weitgehend allein bestritt, brachte sie es nur auf drei Jahrgänge mit jeweils sechs Heften. Die Zeitschrift erschien, wie alle seine Werke, zwischen 1760 und 1765 beim Hofbuchdrucker Michael Macklot in Karlsruhe.

Badische Landesbibliothek, Gym Z 7
Zum Digitalisat

Frivoles aus dem Französischen

[Alexandre Jean Joseph LeRiche de La Popelinière]:
Daïra. Histoire orientale en IV. parties.
Nouvelle édition.
Amsterdam; Karlsruhe: Macklot, 1771.

Alexandre Jean Joseph LeRiche de La Popelinière (1693‒1762) war als Steuerpächter einer der reichsten Männer Frankreichs und einer der wichtigsten Mäzene für die Künstler, Musiker und Schriftsteller seiner Zeit. Er war auch selbst literarisch tätig. Sein orientalischer Roman galt zu seiner Zeit als Eroticon, weshalb Michael Macklot in Karlsruhe ihn ohne den Namen des Verfassers druckte. Gleichzeitig tat er so, als wäre der erste Erscheinungsort Amsterdam – bis wohin das Verlagsgeschäft des Karlsruher Hofbuchdruckers natürlich keineswegs reichte.

In der Schlossbibliothek Baden-Baden haben sich die Rohbogen zu Macklots französischer Ausgabe des Romans erhalten.

Badische Landesbibliothek, 98 C 76921
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[Molter, Friedrich Valentin]:
Daira. Eine orientalische Geschichte in 4 Theilen.
Aus dem Französischen übersetzt.
Karlsruhe: Macklot, 1771.

In diesem Band sind Macklots französische Ausgabe aus dem Jahr 1771 und die deutsche Übersetzung, die im selben Jahr im Druck erschien, zusammengebunden. Auch die Übersetzung erschien anonym unter dem Sachtitel, ohne Angabe von Verfasser und Übersetzer.

Badische Landesbibliothek, Gym 2447
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Die Handschrift des Walthari-Liedes

[Eccardus Sangallensis]:
Prinz Walther von Aquitanien. Ein Heldengedicht aus dem 6. Jahrhundert.
Aus einem lateinischen Codex der Markgräfl. Badischen Bibliothek metrisch übersetzt [von Fr. Molter].
Karlsruhe: Macklot, 1782.

Das Walthari-Lied, eine lateinische Heldendichtung des 10. Jahrhunderts, war im Codex 24 aus der Rastatter Hofbibliothek überliefert. Es handelt vom Kampf des Walther von Aquitanien mit den zwölf Recken des Königs Gunther von Franken – dem Burgundenkönig aus dem Nibelungenlied. Molter übersetzte dieses berühmte Werk nach der Handschrift des 12. Jahrhunderts ins Deutsche.

Badische Landesbibliothek, O 49 A 240 (KC 10 HS)
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Fischer, Friedrich Christoph Jonathan:
De prima expeditione Attilae regis Hunnorum in Gallias
ac de rebus gestis Waltharii Aquitanorum principis carmen epicum saeculi VI.
Leipzig: Schwickert, Hauptband 1780, Ergänzungsband 1792.

Für seine Übersetzungsarbeit nutzte Molter die lateinische Textausgabe des Walthari-Liedes, die Friedrich Christoph Jonathan Fischer, Professor in Halle, 1780 herausgegeben hatte. Diese erste Edition des Textes war nach einer anderen, unvollständigen Quelle erfolgt. Molter ließ sich ein durchschossenes Exemplar davon binden, verglich beide lateinischen Originaltexte und trug die Varianten auf den leeren Seiten ein.

Sein Sohn Friedrich Molter, später Nachfolger seines Vaters im Amt des Bibliotheksdirektors, hat die Textfassung noch einmal anhand der Originalhandschrift überarbeitet. Da der Codex Rastatt 24 verschollen ist, dient Molters Handschrift heute der Wissenschaft zur Rekonstruktion des darin überlieferten Textes.

Badische Landesbibliothek, Cod. Karlsruhe 647/648
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