Umzug in das Sammlungsgebäude am Friedrichsplatz 1873

Im Jahr 1873 zog die inzwischen auf 122.486 Bände angewachsene Großherzogliche Hof- und Landesbibliothek in das Sammlungsgebäude am Friedrichsplatz um. Dieses Gebäude hatte Großherzog Friedrich I. von Baden (1826–1907) erbauen lassen, um seine verschiedenen Sammlungen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Architekt des zwischen 1866 und 1873 im Stil der italienischen Renaissance errichteten Neubaus war der Karlsruher Oberbaurat Karl Joseph Berckmüller (1800–1879), ein Schüler des Stadtbaumeisters Friedrich Weinbrenner.

Johann Christoph Döll weigerte sich, seine räumlich bedrängte und unübersichtlich gewordene Bibliothek in eine Systematik zu bringen, die einen Umzug und eine Neuaufstellung nach aktuellen Gebrauchsaspekten ermöglicht hätte. Er sorgte mit dafür, dass die Planung für den neuen Standort nur schleppend voran kam. 1872 ließ er sich wegen „Erschöpfung“ pensionieren. Die Aufgabe übernahm dann Wilhelm Brambach (1841–1932), der als ausgewiesener Bibliotheksfachmann die Karlsruher Hofbibliothek reorganisierte und in kurzer Zeit zu einem modernen und vielgenutzten Instrument der Bildung und Wissenschaft entwickelte.

Robert Geissler:
Sammlungsgebäude.
In: Album von Carlsruhe [16 Lithographien].
Karlsruhe: Ulrici, 1880.

Badische Landesbibliothek, O 64 A 120 RH
Zum Digitalisat

Obergeschoss des Sammlungsgebäudes
Nach den von Herrn Baudirektor Josef Durm zur Verfügung gestellten Original-Plänen.
Aus: Handbuch der Architektur, Teil IV, Halbband 6: Gebäude für Erziehung, Wissenschaft und Kunst, Heft 4, Gebäude für Sammlungen und Ausstellungen.
Darmstadt: Bergsträsser, 1893, S. 391.

Im Sammlungsgebäude nutzte die Landesbibliothek das Obergeschoss des Hofbaus für Benutzung und Verwaltung und den Westflügel für die Büchermagazine. Diese waren hochmoderne selbsttragende Regalkonstruktionen, die eine optimale Raumausnutzung garantierten. Die Lese- und Verwaltungsräume lagen im mittleren Gebäudetrakt auf der rückwärtigen Seite, dem Nymphengarten zugewandt. Das Gebäude war bereits mit zwei Fahrstühlen ausgestattet.

Grundriss der Hofbibliothek im Obergeschoss des Sammlungsgebäudes
Nach den von Herrn Baudirektor Josef Durm zur Verfügung gestellten Original-Plänen.
Aus: Handbuch der Architektur, Teil IV, Halbband 6: Gebäude für Erziehung, Wissenschaft und Kunst, Heft 4, Gebäude für Sammlungen und Ausstellungen.
Darmstadt: Bergsträsser, 1893, S. 146.

Wilhelm Brambach (1841–1932)
Fotografie.
Aus: Ulrich Weber: Wilhelm Brambach und die Reorganisation der Großherzoglich Badischen Hof- und Landesbibliothek in Karlsruhe (1874–1904). Köln: Bibliothekar-Lehrinstitut, 1954.

Wilhelm Brambach, Direktor der Hofbibliothek in den Jahren 1872–1904, organisierte 1873 den Umzug der verstaatlichten Bibliothek aus dem Karlsruher Schloss in das Sammlungsgebäude am Friedrichsplatz. Er sorgte für eine umfassende Modernisierung der Bibliotheksverwaltung.

Badische Landesbibliothek, O 62 A 531
 

Statut der Großherzoglichen Hof- und Landesbibliothek vom 19. Oktober 1872.
Sonderdruck aus dem Gesetzes- und Verordnungsblatt für das Großherzogthum Baden Nr. 63 vom 31.12.1874.

Zur gleichen Zeit wurde die Hofbibliothek verstaatlicht und zur Landesbibliothek weiterentwickelt. Ziel war, sie „allen Landesangehörigen in freiester Weise“ zugänglich zu machen. Das bedeutete einerseits, die Zielgruppe auf alle Einwohner Badens auszuweiten, andererseits, die Dienstleistungen über die Grenzen der Residenz hinaus verfügbar zu machen. In liberaler Weise sollte die Bibliothek nun „jedem Gebildeten, der sich erforderlichen Falles über seine Verhältnisse ausweisen kann“, zu Diensten sein.

Badische Landesbibliothek, O 58 B 355
Abbildung nach dem Münchener Exemplar,  N.libr. 245 h
Zum Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek

Sammlungsgebäude am Friedrichsplatz.
Postkarte. Ungelaufen.
Badische Landesbibliothek, K 3300,3

Katalog der Grossherzoglich-Badischen Hof- und Landesbibliothek in Karlsruhe.
Abth. 1, Bd. 1/3. - Karlsruhe: Gutsch, 1876.

Um ihr Buchangebot allen Einwohnern Badens zugänglich zu machen, veröffentlichte die Großherzogliche Hof- und Landesbibliothek in Karlsruhe 1876 einen gedruckten Katalog ihrer Bestände, dem sie von 1886 bis 1930 jährlich gedruckte Zugangsverzeichnisse folgen ließ. So hatten auch interessierte Nutzerinnen und Nutzer außerhalb der Stadt Einblick in den Bestand. 1891 wurde mit der Veröffentlichung gedruckter Handschriftenkataloge begonnen.

Badische Landesbibliothek, OZA 596,1 (Ka 15,1)
Ein Digitalisat existiert nicht.

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