Besatzungszeitungen

In allen besetzten Gebieten gab die deutsche Militär- oder Zivilverwaltung als Medium der Auslandspropaganda Zeitungen in der Landessprache heraus. Diese konnten wegen ihres Glaubwürdigkeitsdefizits kaum Wirkung entfalten.

Lediglich die Gazette des Ardennes, die ab Oktober 1914 in Charleville gedruckt wurde, hatte einigermaßen Erfolg. In den besetzten Gebieten wurde das Blatt verkauft, hinter die Front wurde es per Fliegerabwurf verbracht, in den Kriegsgefangenenlagern im Reichsgebiet größtenteils kostenfrei abgegeben. Seine inhaltliche Seriosität sorgte für eine lange Lebensdauer und steigende Auflagen bis Kriegsende. Die Propaganda war maßvoll, das Blatt fand auch Anerkennung im neutralen Ausland.

Zu sehen ist eine Schwarz-Weiß-Fotografie, die die Ruinen eines zerstörten Dorfes in Frankreich zeigt.

Gazette des Ardennes. Journal des pays occupés. Edition illustré.
Charleville: Gazette des Ardennes.
Nr. 24 vom 1.12.1916.

Die Gazette des Ardennes erschien drei-, später viermal wöchentlich. Zudem erschien eine Wochenausgabe und vierzehntägig eine illustrierte Ausgabe, die ihre Propagandabotschaft über Fotomaterial verbreitete. Sie stellte zerschossene französische Ortschaften sind schönen Städtebildern aus Deutschland gegen, zeigte das gute Leben französischer Kriegsgefangener in deutschen Lagern und diffamierte zugleich die französischen Kombattanten aus den Kolonien, wobei für diesen Rassismus offenbar die Zustimmung der französischen Leserschaft erwartet wurde.

Am wichtigsten war immer die Rubrik „Monuments de France victimes de leurs Compatriotes et de leurs Alliés“, denn im Schlachtenverlauf blieb unklar, wer eigentlich Verantwortung trug für die Zerstörung französischer Kunst- und Baudenkmäler durch Kampfhandlungen.

Diese Ausgabe vom 1. Dezember 1916 reproduziert publiziertes französisches Fotomaterial von der Marne mit den originalen Bildunterschriften, die belegen, dass die Zerstörung seitens der französischen Armee erfolgte. Gefordert wird gleiches Recht für beide Seiten: Wenn denn auf französischer Seite die Zerstörung als notwendiges Opfer für den späteren Sieg bezeichnet werde, so gelte das auch für den Kriegsgegner, der nicht als Barbar und Brandstifter bezeichnet werden dürfe.

Von der Edition illustrée erschienen 85 Nummern.

Erscheinungsverlauf: 2.8.1915-11.11.1918

Periodizität: halbmonatlich

Umfang: 8 Seiten

Auflage: 100.000

Badische Landesbibliothek, Zc 95
Bis 1942 vorhanden: *Aa 61 Nr. 4a

Zu sehen ist eine Seite aus der Zeitung „Almanach illustré de la Gazette des Ardennes“.

Almanach illustré de la Gazette des Ardennes pour 1916
Charleville: Gazette des Ardennes, 1915.

In drei Jahrgängen erschien 1916-1918 der Almanach illustré de la Gazette des Ardennes als Kalender für die französischen Leser. Hier enthalten sind Berichte und Bilder aus dem Kriegsgefangenenlager II in Münster/Westfalen ("Rennbahn").

Badische Landesbibliothek, 113 H 439
Bis 1942 vorhanden: Lc 175

Abgebildet ist der Umschlag eines Führers durch Mezieres-Charleville.

Mezieres-Charleville. Ein Führer durch Mezieres-Charleville und die nächste Umgebung von Kriegsberichter Wilhelm Scheuermann.
Charleville: Gazette des Ardennes 1917.

Diesen für die deutschen Soldaten in den Ardennen bestimmten Führer zu Geschichte und Sehenswürdigkeiten verfasste Wilhelm Scheuermann, Redakteur bei der Deutschen Tageszeitung in Berlin. Er ist ein propagandistisches Machwerk, das den gesamten, jetzt deutsch besetzten Osten und Norden Frankreichs für nordisch-germanisches Territorium erklärt, „das uns Deutschen erst in geschichtlich junger zeit verloren gegangen ist.“ Aus Charleville wird denn auch kurzerhand Karlstadt.

Badische Landesbibliothek, 113 E 3510