Was vom Tage übrig blieb – Die Sonderbaren
Zu den kurioseren Funden in den Sammlungen gehören Dinge, die keinen offensichtlichen Zweck haben. Einbände, die keinen Inhalt mehr umschließen, leere Notizbücher und vermeintlich unzusammenhängende Papierbündel: Sonderbare und teils sinnlos erscheinende Relikte vergangener Zeit finden sich immer wieder.
Eine weitere Fundgrube für Merkwürdiges sind Verpackungen von Büchern. Schachteln, die sich als „normale“ Bücher tarnen, Brokatbeutel, Metallkapseln – sie alle lassen sich beim Durchstreifen der Regale meist nicht auf den ersten Blick entdecken.
Doch auch nicht mehr gültige Banknoten und Münzen tauchen aus den verborgenen Tiefen der Sammlungen gelegentlich auf. Und sogar – wie im Abenteuerroman – Bücher mit Geheimfächern im Buchdeckel. Manchmal finden sich all diese Elemente auch in Kombination und zeugen von der Kunstfertigkeit, dem Einfallsreichtum oder auch der Sammelleidenschaft früherer Generationen.
Hermann von der Hardt: Spes philologiae
Helmstedt,1709
Badische Landesbibliothek, Cod. Karlsruhe 394
Der Theologe Hermann von der Hardt (1660–1746), Professor an der Universität Helmstedt, machte sich mit seinem großen Forschungseifer zu vielen unterschiedlichen Teilbereichen seines Faches einen Namen. Allerdings machte er sich mit kontroversen Positionen auch immer unbeliebter, durfte bestimmte Schriften nicht mehr veröffentlichen und verlor 1727 sogar seinen Posten als Professor. Warum er in sein Manuskript Geheimfächer mit alten Münzen einbaute, bleibt sein Geheimnis.
Amulettkapsel
osmanisch, 17. Jh.
Badische Landesbibliothek, Cod. Rastatt 204
Was Offiziere aus dem Hause Baden im 17. Jahrhundert von den Feldzügen gegen das Osmanische Reich mit nach Hause brachten, fasziniert bis heute. Kostbare Verpackungen für Briefschaften oder „heidnische“ Amulette wirken oft exotisch – selbst wenn die ursprünglichen Inhalte in Teilen verloren gingen. So existieren die Briefe heute nicht mehr, das Amulett – ein 3,90 m langer und nur 5 cm breiter Papierstreifen – dagegen durchaus.
Briefbeutel
osmanisch / persisch, 17. Jh.
Badische Landesbibliothek, Cod. Rastatt 230 und 233
Sieneser Holzbuchdeckel (Biccherna-Tafel)
Siena, 19. Jh. (15. Jh.)
Badische Landesbibliothek, Cod. Karlsruhe 3294
Kunstvoll bemalte Holzbuchdeckel wurden seit 1258 in Auftrag gegeben, um die halbjährlichen Rechnungsbücher der Hauptfinanzverwaltung (Biccherna) oder der Hauptsteuerbehörde (Gabella) der Stadtrepublik Siena zu umschließen. Bis 1682 fortgesetzt, sind heute noch etwas mehr als hundert Beispiele bekannt, die meisten davon im Staatsarchiv von Siena. Das Karlsruher Exemplar wurde um 1966 auf dem Antiquariatsmarkt erworben. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Fälschung des italienischen Malers Icilio Federico Joni (1866–1946), der eine ganze Reihe solcher Buchdeckel anfertigte und dies in seiner Autobiographie später auch offen zugab.
The Holy Bible
The book of common prayer
A new version of the psalms of David
London: Longman, 1825–1828
Badische Landesbibliothek, 69 A 4161 / 4162 RE
Um dekorativer zu wirken, erhalten Bücher oft eine Verpackung. Manchmal sieht diese selbst aus wie ein Buch. Ein besonders schönes Beispiel dafür kommt aus England: Für Bibel, Gebetbuch und Psalter, die grundlegenden Texte des christlichen Alltags also, ließ sich der Besitzer eine gemeinsame Kassette aus Holz anfertigen.
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