Das Urteil – Die Geächteten
Bibliotheken ermöglichen freien Zugang zu Wissen – aber ganz ohne Regeln geht es nicht. In einigen Fällen greifen rechtliche Einschränkungen, die sowohl den Leihverkehr als auch den Handel betreffen. Am häufigsten ist die Indizierung nach dem Jugendschutzgesetz. Sie betrifft Medien, die Kinder und Jugendliche gefährden, etwa durch Gewaltverherrlichung oder pornografische Inhalte. Solche Werke bleiben zwar verfügbar, aber eingeschränkt: keine offene Auslage, keine Werbung, Zugang nur für Volljährige. Die Einstufung als jugendgefährdend erfolgt auf Antrag von Jugendämtern, Ministerien oder freien Trägern der Jugendhilfe bei der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (BzKJ).
Auch bei Verletzungen von Persönlichkeitsrechten können Gerichte die Verbreitung eines Mediums ganz oder teilweise untersagen. In der Badischen Landesbibliothek spielen solche Fälle kaum eine Rolle: Entsprechende Titel sind selten und meist über das Pflichtexemplargesetz in den Bestand gelangt. Aufbewahrt werden sie trotzdem – als Dokumente ihrer Zeit für spätere Generationen, auch wenn sie heute nicht oder nur eingeschränkt zugänglich sind.
Richard Emerson: Das Kamasutra-Buch
Rastatt: Moewig, 2006
Badische Landesbibliothek, 107 A 70030
Das Kamasutra, der „Leitfaden der Liebeskunst“, entstand vermutlich im 2. bis 3. Jahrhundert nach Christus in Indien und ist ein Klassiker der erotischen Literatur. In der hier gezeigten Ausgabe wird die Liebeskunst spielerisch gestaltet, und auch die Räucherstäbchen fehlen nicht, um die passende Atmosphäre zu schaffen.
Adolf Hitler: Bilder aus dem Leben des Führers
Hamburg: Cigaretten-Bilderdienst, 1936
Badische Landesbibliothek, 63 B 563
Aufgrund der Zerstörung der Badischen Landesbibliothek im Zweiten Weltkrieg 1942 befinden sich nur wenige Veröffentlichungen aus der NS-Zeit im Bestand. Sie stehen für Forschung und Lehre zur Verfügung.
Colleen Coover: Small favors. Girly sex comic
Tübingen: Konkursbuch-Verlag, 2003
Badische Landesbibliothek, 104 A 55364 ,1
Erotische Veröffentlichungen begegnen in allen erdenklichen Formen: Als einschlägige Sex-Magazine, Kunstbände oder – wie in diesem Fall – als Comic. Dabei werden alle möglichen sexuellen Vorlieben abgedeckt; hier handelt es sich um recht skurrile Homoerotik für das weibliche Geschlecht.
Christoph Prignitz: Erotische Uhren. Zeit für die Liebe
Ulm: Ebner, 2004
Badische Landesbibliothek, 104 A 54386
Unter den Erotika befinden sich häufig auch Kunst- und Bildbände von renommierten Verlagen. Ein außergewöhnliches Beispiel ist diese historische Untersuchung zu erotischen Uhren, deren Darstellungen teilweise recht handfest sind.
Doris Lerche's Daumen-Kino
Tübingen: Konkursbuch-Verlag, 1993
Badische Landesbibliothek, 93 A 50875
Das Daumenkino mit einem ungewöhnlichen Striptease erschien sogar in mehreren Auflagen.
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