Unterhaltung und Belehrung

Inhaltlich hatten die Feldzeitungen ein unterschiedliches Profil. Manche waren vor allem Nachrichtenblätter, die über die neuesten politischen und militärischen Entwicklungen und über die aktuelle Kriegswirtschaft informierten. Andere boten eher Platz für Erlebnisberichte von Kompanieangehörigen und für Geschichten aus der Heimat; sie druckten kleine Erzählungen und Gedichte von Soldaten, belehrten über die Geschichte der eroberten Städte, lieferten Anekdoten und die neuesten „Grabenwitze“, boten eine Schach- oder Rätselecke.

Mit Preisausschreiben wurden die Soldaten immer wieder zur Einlie­ferung eigener Beiträge animiert. Es war erklärtes Ziel, dass die Feldzeitungen „von Kameraden für Kameraden“ gemacht werden sollten. Zweck war, ihnen „eine geistige Entspannung des unter der Wucht und Last des furchtbaren Krieges niedergedrückten Gemüts- und Gefühlslebens zu bringen.“ Der Unterhaltungszweck verlieh den Zeitungen ihren eigentlichen Wert für die Leser.

Immer betont wurde auch die Bildungsfunktion der Feldzeitungen. Die Lebensgefahr führe bei allen Frontsoldaten zu einer Selbstbesinnung, „deren Auswirkung eine verstärkte Empfänglichkeit für das Gute und Schöne und ein offenbarer Hunger nach geistiger Nahrung“ sei, hieß es. Es sei die vornehmste Aufgabe der Feldpresse, diesen Hunger zu stillen.

Nordfrankreich: Die Kriegszeitung der 1. Armee in Cambrai

Fotografie, welche die Ruinen der Stadt Cambrai zeigt.

Cambrai Nord, Kriegszerstörungen.
Un coin de la Grand Place pendant l'incendie.

Feldpostkarte.

Fotografie, welche die Ruinen der Stadt Cambrai zeigt.

La Choque et Place au Bois pendant incendie.
Feldpostkarte.

Cambrai war ein strategisch wichtiger Eisenbahn-knotenpunkt und somit eine Schlüsselversorgungsstelle für die deutsche Siegfriedstellung. Aus diesem Grund errichtete auch Paul von Hindenburg sein Hauptquartier in Cambrai. Vom 20. November bis zum 6. Dezember 1917 fand hier die Schlacht von Cambrai statt, die als erste große Panzerschlacht der Geschichte bekannt wurde. Die deutschen Truppen setzten die Stadt in Brand, bevor sie sich 1918 zurückzogen. Das gesamte Stadtzentrum musste neu aufgebaut werden. Von den 2500 Gebäuden der Stadt wurden 1500 total zerstört.

Titelseite der ersten Ausgabe der Zeitung „Die Somme-Wacht“ aus dem Jahr 1917. Als zentrale Illustration wurde sich für Häusern mit zerstörten Dächern entschieden.

Die Somme-Wacht, Kriegszeitung der 1. Armee.
1 (1917) Nr. 1 vom 1.1.1917. Sonntagsausgabe.

Aus dem Warenhaus voll Krempel
Ward ein schmucker Zeitungstempel!“

Als letzte Armee im Westen erhielt auf Befehl ihres Oberkommandos im Januar 1917 auch die 1. Armee eine eigene Feldzeitung. Sie erschien zuerst unter dem Titel Die Somme-Wacht, dann unter dem Titel Wacht im Westen, zuletzt als Kriegszeitung der 1. Armee. Gedruckt wurde sie in der Etappendruckerei des Armeeoberkommandos, die in einem beschlagnahmten Warenlager für Herrenkleiderstoffe in Cambrai eingerichtet worden war.  

Es erschienen 191 Nummern.

Zeitraum: 1.1.1917-20.10.1918.

Periodizität: 2 x wöchentlich, dann 3 x , ab 4.8.1918 4 x wöchentlich.

Umfang: Wochenausgabe 4-8 Seiten, Sonntagsausgabe 12-16 Seiten

Auflage: 15.00, wachsend auf 40.000.

Einer von drei künstlerischen Mitarbeitern war der Berliner Maler Robert Emil Stübner (1874-1931), der auch den Umschlag der ersten Nummer gestaltete.

Badische Landesbibliothek: 113 K 413
Bis 1942 vorhanden: *Aa 61 Nr. 20

Zu sehen ist die Titelseite der Zeitung „Die Somme-Wacht“ vom 4. Januar 1917. Es wird über das Kriegsjahr 1916 berichtet.

Die Somme-Wacht, Kriegszeitung der 1. Armee.
1 (1917) Nr. 2 vom 4.1.1917. Wochenausgabe.

Die Setz- und Druckmaschinen waren im Besatzungsgebiet requiriert worden, gedruckt wurde demgemäß in Antiqua.

Badische Landesbibliothek: 113 K 413
Bis 1942 vorhanden: *Aa 61 Nr. 20

Zu sehen sind mehrere Illustrationen, samt passender Bildunterschrift, die darstellen, was ein Soldat alles mit einer Konservendose anstellen konnte. Darunter wird gezeigt, dass leere Büchsen als Glocken, Küchenutensilien oder Instrumente genutzt werden können.

Die leere Konservenbüchse bei uns als Universum.
Von Gefr. Ernst Scheddin. In: Die Somme-Wacht 1 (1917) Nr. 21 vom 18.2.1917.

Der Beitrag war Sieger in einem Preisausschreiben. Gefordert waren Beiträge in Prosa, Vers oder Zeichnung, die beschrieben, „was der Soldat alles mit einer leeren Konservenbüchse anfangen kann.“ Der Sieger erhielt als Preis eine Ankerwerk-Leuchtuhr.

Badische Landesbibliothek: 113 K 413
Bis 1942 vorhanden: *Aa 61 Nr. 20

Karikatur, die die Personifizierung Englands als John Bull zwischen brennenden Ortschaften Frankreichs zeigt. Der Rauch bildet die Worte „Für England“.

Armes Frankreich.
Gezeichnet von Schütze Max Aurich.
Die Somme-Wacht Nr. 1 (1917) Nr. 53 vom ??.??.1917.

Die letzte Seite der Somme-Wacht war einer politischen Karikatur vorbehalten. Hier werden die brennenden Städte im Norden Frankreichs – Bapaume. Peronne, Reims, St. Quentin – gezeigt, die „Für England“ zerstört werden.

Badische Landesbibliothek: 113 K 413
Bis 1942 vorhanden: *Aa 61 Nr. 20

Zeichnung eines Soldaten mit Handgranatenwerfer.

Von der 9. Reserve-Division und ihrer Sturmkompagnie während ihrer Kämpfe im Bereich der 1. Armee.
Cambrai: Verlag der Somme-Wacht 1917. Blatt 23.

Anfang Mai 1917 erschien die erste Kunstmappe der Somme-Wacht. Sie belegt den großen technischen Ehrgeiz, dem sich die Armeedruckerei in Cambrai verschrieb: auch im Kunstdruck wollte sie Erstklassiges leisten.

Die Mappe enthält 30 Abbildungen nach Gemälden des Kriegsmalers Martin Frost (1875-1928) – sämtlich Menschenbilder, vom Kommandeur bis zum einfachen Mannschaftsgrad. Sie zeigen einen realistischen, ungeschönten Blick auf die Soldaten an der Somme. Hier ausgewählt: ein Handgranatenwerfer.

Badische Landesbibliothek: 113 C 31

Titelseite der Zeitung „Die Wacht im Westen“ vom 8. Juli 1917. Zu sehen ist eine Radierung des Künstlers Max Brüning, darauf sind eine Frau und ein Soldat abgebildet.

Die Wacht im Westen.
1(1917) Nr. 66 vom 8.7.1917.

Ab Nummer 56 vom 22.Mai 1917 erschien die Zeitung, in Format und Inhalt unverändert, unter dem Titel Die Wacht im Westen. Der Maler und Radierer Max Brüning (1887-1968), Zeichenlehrer des Kronprinzen Wilhelm, war künstlerischer Mitarbeiter des Blattes. Er gestaltete häufig das Titelblatt der Zeitung – hier die Radierung „Holla, Daheim!“

Lippische Landesbibliothek Detmold: Zs 1961.4°
BLB bis 1942: *Aa 61 Nr. 53

Titelseite der Sonntagsausgabe der Kriegszeitung der 1. Armee vom 16. Juni 1918. Zentral ist ein Foto mit Blick auf die Stadt Givet an der Maas zu erkennen.

Kriegszeitung der 1. Armee.
2 (1918) Nr. 167 vom 15.6.1918.

Zum 1. Januar 1918 wurde die Wacht im Westen wegen Papierknappheit mit der Champagne-Kriegszeitung zusammengelegt. Seither entwickelte sie sich immer mehr zu einem Instrument der Propaganda, warb für Kriegsanleihe und richtete Durchhalteappelle an ihre Leser.

Lippische Landesbibliothek Detmold: Zs 1961.4°
BLB bis 1942: *Aa 61 Nr. 21