Humoristische Blätter im Umdruckverfahren

Nicht alle Feldzeitungen wurden aus Lettern gesetzt. Manche sind auch handschriftlich auf Umdruckpapier geschrieben und anschließend litho­grafisch vervielfältigt worden. Viele später auflagenstarke Zeitungen haben so angefangen, aber manche Produzenten kleinerer Blätter blieben auch dabei – insbesondere selbstbewusste Herausgeber von Landsturm-Kompaniezeitungen, die mit der Rarität ihrer Erzeugnisse auch gleich deren Sammelwert im Blick hatten.

Beispiel dafür ist die Scheuener Kriegs-Zeitung, ein humoristisches Blatt, das der Hannoversche Land­sturm im Celle-Lager herausgab. Sie wurde im Verfahren der Autografie hergestellt, d. h. Text und Bild wurden mit fetthaltiger Autografentusche auf gummiertes Papier geschrieben und gezeichnet, auf den Druckträger abgequetscht und in einer hannoverschen Druckerei mittels Steindruck produziert.

Auf entsprechende Weise hergestellt wurden Der Draht­verhau und Im Schützengraben in den Vogesen hergestellt, Scherz­blätter bayerischer Landwehr-Infanterie-Kompanien, die in den Vogesen stationiert waren und den Druck ihrer Blätter im Reichsgebiet ausführen ließen. Auch sie ließen Sammelbände von sich erscheinen.

Zu sehen ist eine Zeitungsseite aus der „Scheuener Kriegs-Zeitung“. Die Seite beinhaltet einen Satire-Cartoon, der das Hamstern von Lebensmitteln und die Verwendung von Lebensmittelkarten thematisiert.

Die Scheuener  Kriegszeitung. 1. Hannoversche Landsturmzeitung. Großkalibrige Ausgabe. / 1. Landsturmkompagnie, Celle.
Hannover: Schrader [Druck].
4 (1917/18) Nr. 22/23.

Die Nummer 22 der Scheuener Kriegszeitung, die sogenannte „Hamster-Nummer“ aus dem Kriegswinter 1917/18, nimmt in Wort, Bild und Scherzinseraten mit dem „Hamstern“ von Lebensmitteln und dem Erfinden ständig neuer „Ersatzstoffe“ die weit fortgeschrittene Mangelwirtschaft auf die Schippe.

Erscheinungsverlauf: 1914-1916 Nr. 1-23

Periodizität: monatlich

Umfang: 2 S.

Auflage: 1.000

In der auf demselben Druckbogen erhaltenen Nummer 23 preist sich das „sowohl in Ausführung wie Ausstattung unbestreitbar einzigartige“ Blatt als „ein bleibendes Denkmal“ an: „Die Scheuener Kriegszeitung ist eine Zierde jeder Sammlung und zeigt, daß unverfälschter Soldatenhumor und Schlagfertigkeit in Wort und Bild, in Satyre und Kritik eine gute Waffe in dem Kriege ist. Die Kriegszeitung enthält von Nr. 1 an einen vollständigen Überblick über alle Erscheinungen des Kriegstheaters in humoristischer Form in Gestalt von Gedenktagen, eigenen Heeresberichten, Gedichten, Parodien, Anzeigen, Roman in Tagebuchform und geiselt [sic] die Vorfälle in treffender, wie satyrischer Art. Sie ist von der Zensur genehmigt und soll in ihrer Art ein Kulturdokument für alle Zeiten sein und bleiben.“

Lippische Landesbibliothek Detmold, Slg 49 Nr. 42

Zu sehen ist eine Zeitungsseite aus „Der Drahtverhau“, die einen Satire-Cartoon beinhaltet.

Der Drahtverhau. Schützengrabenzeitung des Bayer. Landw. Inf.-Regts. No. 1.
Colmar: Jess [Druck].
1 (1915/16) Nr. 48 vom 1.8.1916: Zur Erinnerung an den Opfertag München.

Auch der Drahtverhau war ein Scherzblatt. Es rückte seines Erfolges wegen im März 1916 von der Kompanie-Zeitung zur Regimentszeitung auf.

Es erschienen 117 Nummern.

Erscheinungsverlauf: Oktober 1915-November 1918.

Periodizität: wöchentlich, später zweiwöchentlich

Umfang: 4-8 Seiten

Auflage: nicht bekannt

Badische Landesbibliothek, 113 H 596

Zu sehen ist eine Seite aus der Zeitung „Im Schützengraben“. Abgebildet ist eine Zeichnung, die zwei Soldaten vor einer Tafel mit mathematischen Berechnungen zeigt. Im Himmel fliegt der personifizierte Komet „Frieden“, der am Ende doch kein Komet war.

Im Schützengraben in den Vogesen / 3. Bataillon, 1. Bayerisches Ersatz-Infanterie-Regiment, Herausgeber: Gefreiter Paul Erkens.
H. 1 oder H. 4

Diesem Ulkblatt war kein langes Leben beschieden. Der Reichstagsabgeordnete Theodor Meyer aus Herford hatte sich „wegen des nicht dem Ernste der Zeit entsprechenden“ Inhalts beim Oberbefehlshaber in den Marken als Militärbefehlshaber für Berlin und die Provinz Brandenburg beschwert, woraufhin der Vertrieb in Berlin-Brandenburg verboten wurde. Kurz darauf ging das Blatt ein.

Es erschienen 10 Nummern.

Erscheinungsverlauf: 15.9.1915-Anfang 1916.

Periodizität: halbmonatlich.

Umfang: 4 Seiten

Auflage: 10.000

Universitätsbibliothek Tübingen, Fo XII a 1170.4°