Kunstsinnige Blätter in Farbe

Eine wichtige Rolle in den Feldzeitungen spielten die Bilder. Sie zeigten Land- und Ortschaften aus den besetzten Gebieten, Episoden aus den Schützengräben oder Skizzen aus dem Niemandsland dazwischen. Sehr oft aber karikierten sich die Sol­daten selbst in ihren Freizeitbeschäftigungen, ihren Urlaubswünschen, ihrer Findig­keit bei der Lebensmittelbeschaffung oder den Eigenheiten der Soldatensprache.

Einige Zeitungen räumten der künstlerischen Gestaltung Vorrang ein und beschäftigten namhafte Zeichner. Dazu gehörte Die Sappe, die der Münche­ner Zeichner und Theatermaler Karl M. Lechner für das Bayerische Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 19 an wechselnden Kriegsschauplätzen herausgab. Eine Nummer der Liller Kriegszeitung hatte ihn auf die Idee gebracht, seine „Skizzen aus Posten und Unterstand“ für ein eigenes Blatt zu nutzen. Im Steindruck, mit je einem zweifarbigen Bogen hergestellt, war das Blatt künstlerisch ausgesprochen ambitioniert.

Ebenfalls von Anfang im Zweifarbendruck lithografisch produziert wurde die Vogesenwacht der Bayerischen Landwehr-Sani­tätskompanie Nr. 19. Ihr künstlerischer Leiter, der Zeichner Rudolf Eberle, betätigte sich im Blatt auch als politischer Karikaturist. Der zweite Herausgeber Georg Hirsch schrieb über die Zeitung:

„Sie hat einerseits den Zweck, als künstlerisch ausgestattete Kriegszeitschrift vor allem den Patriotismus und den Humor der Soldaten zu heben, andererseits die Naturschönheiten der Vogesen und des Elsaß in Wort und Bild zu veranschaulichen und so gleich­zeitig zur besseren Verständigung mit den Bewohnern des Elsaß beizutragen.“

Die Zeichnung zeigt personifizierte Länder, die Steine aufteilen. Auf den Steinen stehen Ortsnamen. Im Hintergrund steht ein Mann, der sich zu der Gruppe lehnt und dabei fünf U-Boote in den Händen hält.

Die Sappe / Bayerisches Reserve-Infanterieregiments Nr. 19. Kronstadt: Lehmann.
Nr. 20 vom April 1917.

Der Name der Zeitung ist ein militärischer Fachbegriff: Eine Sappe ist ein Laufgraben oder Erdwall vor gegnerischen Festungen, der die vom Gegner unbemerkte Truppenverteilung erleichtern und Soldaten vor Beschuss schützen sollte.

Anfangs erschien die Zeitung im Druck bei Albert Jeß in Colmar. Das Regiment war in den Vogesen stationiert, zog im Sommer 1916 weiter an die Somme. Dann wurde es am Einmarsch in Rumänien beteiligt, ab November 1916 wurde Die Sappe in Kronstadt gedruckt.

Es erschienen 31 Nummern.

Erscheinungsverlauf: 20.10.1915-Mai/Juni 1918

Periodizität: halbmonatlich, später unregelmäßig

Umfang: 16 Seiten

Auflage: 2.000, wachsend auf 3.500

Lippische Landesbibliothek Detmold, Slg 49 Nr. 41

Zu sehen ist eine Zeichnung eines rumänischen Mannes. Er hat einen Schnurrbart, raucht Pfeife und trägt eine Fellmütze.

Die Sappe
Nr. 21 von Ende Mai 1917.

Alle Nummern sind hauptsächlich von Karl M. Lechner (1890-1974) künstlerisch gestaltet. Die Zeitung sollte „Zeugnis geben von dem Geiste, den [sic] das Regiment in guten und bösen Tagen beseelte, und somit ein Dokument sein, wert, neben anderen Kriegszeitungen, als dauernde Erinnerung aufbewahrt zu werden.“  Dazu gehörte auch die Pflege bayerischer Mundart, der in den Textbeiträgen viel Raum gegeben wird.

Lippische Landesbibliothek Detmold, Slg 49 Nr. 41

Zu sehen ist eine Zeichnung, die drei Soldaten während einer Pause zeigt.

Die Sappe
Nr. 29 von März 1918.

Im Sommer 1917 zog das Regiment weiter nach Galizien, und Lechner ließ eine Nummer der Zeitung in Lemberg drucken. Danach erschien die Zeitung lange gar nicht. Erst 1918, als sich das Regiment wieder in Flandern befand, wurde der Druck erneut der Firma Jeß in Colmar anvertraut.

Lippische Landesbibliothek Detmold, Slg 49 Nr. 41

Zu sehen ist eine farbige Illustration einer karikaturhaften Kriegsszene. Ein Soldat schleudert eine Granate, während im Vordergrund mehrere Männer erschrocken aufspringen. Auf dem Tisch ist eine Karte ausgerollt.

Die Sappe
Nr. 30 von April 1918.

Lippische Landesbibliothek Detmold, Slg 49 Nr. 41

Zu sehen ist eine Illustration zu einem Gedicht. Abgebildet sind Deutschland und Frankreich als Personen. Frankreich ist eine schöne Dame, Deutschland ein Mann mit Zipfelmütze. Sie sitzen an einem Tisch und vor Deutschland sind Kirschen, an denen sich Frankreich bedient, bis Deutschland zornig wird, ihre Hand festhält und der Zipfel der Mütze aufrechtsteht – wie bei einer Pickelhaube.
Zu sehen ist eine Zeichnung, die Soldaten vor einem Fachwerkhaus in den Vogesen zeigt.

Vogesenwacht / Bayerische Landwehr-Sanitätskompanie Nr. 19. Herausgeber: Rudolf Eberle, Georg Hirsch und Carl Heinz Schneider.
Colmar: Jeß.
1 (1916) Nr. 5/6.

Die Nachfrage nach dieser Illustrierten war so groß, dass die ersten Nummern mehrmals nachgedruckt werden mussten. Für Sammler wurden die Jahrgänge als fertig gebundene Sammelbände angeboten – um einen solchen handelt es sich hier. Einzelne Titelblatt-Motive wurden zudem im Zweifarbdruck als Postkarten vertrieben.

Von der Vogesenwacht erschienen 93 Nummern.

Erscheinungsverlauf: Juni 1916-31.10.1918

Periodizität: unregelmäßig zwei- bis dreimal monatlich

Umfang: 8 Seiten

Auflage: 1.000-4.000

Badische Landesbibliothek, ZB 2669
Bis 1942 vorhanden: *Aa 61 Nr. 9

Zu sehen ist eine Karikatur des Frühlings-Erwachens in Russland. Dargestellt wird dieser als Entität mit rotem Gewand, in einer Hand hält sie ein Schwert, mit der anderen hält sie sich an einem der berühmten Zwiebeltürme fest.
Zu erkennen ist eine Karikatur, bei der nur die Farben Schwarz, Weiß und Dunkelblau verwendet wurden. Sie zeigt eine Frau, die eine Wage auf dem Rücken trägt. Die schwere Seite der Wage ist voll mit Geld und Waffen, auf der Schale steht „6. Kriegsanleihe“. Die leichtere Seite ist mit Ketten gefüllt, auf der Schale steht „Friendesbe[…] der Feinde“. Die Schrift ist teilweise von den Kettengliedern bedeckt. Auf dem Boden schlängelt eine große, drei-köpfige Schlange.

Vogesenwacht.
2 (1917) Nr. 7/8.

Die Titelblätter und zweifarbig gedruckten Karikaturen von Rudolf Eberle begründen den hohen künstlerischen Rang der Zeitung. Hier die Karikatur „Frühlings Erwachen“ auf die Februarrevolution 1917 in Sankt Petersburg in der Ausgabe vom 26. März 1917 und seine plakative Werbung für die sechste Kriegsanleihe in der Ausgabe vom 10. April 1917.

Badische Landesbibliothek, ZB 2669