Superlative – Die Unpraktischen
In einer Sammlung mit rund drei Millionen unterschiedlichsten Medien gibt es natürlich immer Dinge, die besonders herausstechen. Was ist denn beispielsweise eigentlich das älteste Stück im Haus? Was das größte? Was das wertvollste? Das lässt sich meist gar nicht so leicht ermitteln. Einige Superlative sind aber doch relativ klar erkennbar. Nur lassen sie sich schwer handhaben, aus ihren je eigenen Gründen.
Denn wie geht man mit einem Buch um, das nicht nur groß, sondern vor allem auch so schwer ist, dass es sich eigentlich nur von zwei Personen heben lässt? Wie bewahrt man ein Miniaturbuch von der Größe eines 2-Euro-Stücks davor, versehentlich verloren zu gehen? Was muss man tun, damit ein fast 1.500 Jahre altes Pergamentblatt auch die nächsten fünfhundert Jahre noch übersteht? Und wo im Hause ist ein Tisch, auf dem sich ein rund sechs Meter langes Blatt in voller Größe ansehen ließe?
Diese praktischen Probleme lassen die Superlative der Bibliothek häufig unsichtbar werden. In der Ausstellung sind einige aber dennoch zu sehen – machen Sie sich auf die Suche!
Nibelungenlied-Handschrift C
Süddeutschland, 2. Viertel des 13. Jh.s (Faksimile)
Badische Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen 63
Wo die Abschrift des Nibelungenlieds ihre ersten Jahrhunderte verbrachte, ist unbekannt. 1755 im Schloss Hohenems wiederentdeckt, wurde sie nach 1803 mehrfach verkauft und gelangte schließlich in den Besitz des Freiherrn Joseph von Laßberg. Der verkaufte sie mit seiner übrigen Bibliothek 1853 an seine ehemaligen Arbeitgeber, die Fürsten von Fürstenberg. Aus deren Hofbibliothek wurde sie 1999 für 24 Mio. DM verkauft und befindet sich seit 2001 in der BLB – als vermutlich teuerstes Stück der Sammlung. 2009 wurde sie in das UNESCO-Weltdokumentenerbe aufgenommen, ihr Wert dürfte dadurch nun um ein Vielfaches höher liegen.
Friedrich Schiller: Das Lied von der Glocke
Dresden: Stange, 1905
Badische Landesbibliothek, 69 A 134 RE
Schillers sehr langes Lied von der Glocke erschien zuerst 1799. Dass es trotz seiner neunzehn (nach anderer Zählung: 35) langen Strophen auch in ein Miniaturformat passt, bewies der Dresdner Verlag Stange im Schillerjahr 1905, hundert Jahre nach Schillers Tod. Zwischen dem Bildnis einer Glocke auf der Vorderseite und dem Kopf des Dichters auf der Rückseite sind alle 425 Verse enthalten – auf 48 Seiten mit einer Größe von gerade einmal 2,4 x 2 cm.
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