Schatten der Vergangenheit – Die Nachgelassenen

Zahlreiche Nachlässe von Dichtern, Denkern und anderen wichtigen Personen der badischen Geschichte befinden sich in der Bibliothek. Das ist keine große Neuigkeit: Wer sich für diese Art von Quellenmaterial interessiert, kann es finden und auch benutzen. Ob Briefe von den Brüdern Grimm, eigenhändige Korrekturen von Johann Peter Hebel an seinen Allemannischen Gedichten oder Werke von Musikern, die in Diensten des Karlsruher Großherzogs standen: Vieles ist bekannt, vieles auch schon digitalisiert.

Neben solchen Dokumenten finden sich in den Nachlässen häufig aber auch Gegenstände, die dem verstorbenen Menschen wichtig waren, einen besonderen Bezug zu seiner Biographie hatten oder ein Hobby dokumentieren. Wer hätte etwa gedacht, dass ein süddeutscher Komponist, der vor allem mit elektronischer Musik experimentiert hat, begeisterter Leichtathlet war und den Speer, den er als junger Mann benutzte, bis zu seinem Tod aufgehoben hat? Genauso unvermutet stellen sich oftmals Alltagsgegenstände aller Art dar. Ab und zu finden auf diese Weise auch Totenmasken oder Porträtbüsten den Weg in die Bibliothek und geben den Nachlässen buchstäblich ein Gesicht. Aber auch Andenken an die Person, die von Verwandten oder Bekannten des Verstorbenen weitergegeben wurden, wirken aus heutiger Sicht häufig skurril, wie etwa ein versilberter Babyschuh, der die Jahrzehnte überdauert hat.

Solche Gegenstände ermöglichen einen Blick auf die Privatperson hinter dem öffentlich bekannten Schriftsteller oder dem ehrgeizigen Musiker. Sie machen die Persönlichkeit greifbar und erzählen manchmal sogar ein eigenes Stück der Biographie. Deswegen werden sie zuweilen ebenso wie die Dokumente zur Person aufbewahrt.

Krawatte mit geometrischem Muster und mehrere Manschettenknöpfe in verschiedenen Formen und Farben auf weißem Hintergrund.

Manschettenknöpfe und Krawatte des Komponisten Ernst-Lothar von Knorr(1896–1973)
Badische Landesbibliothek, K 3335 D 1017 und 1020

Bronzefigur einer sitzenden Katze mit glatter Oberfläche.
Bronzene Petschaft mit einer Gravur von einem stilisierten Menschen, Sternen und den Buchstaben L und Z.

Karl Albiker: Petschaft in Katzenform
Bronze, um 1910 (?)
Badische Landesbibliothek, K 3053c, 535

Der badische Künstler Karl Albiker (1878–1961) gestaltete die Bronzeskulptur als Petschaft für den Schriftsteller und Philosophen Leopold Ziegler (1881–1958). Unter dem Fuß der Katze finden sich dessen Initialen "LZ" sowie eine Darstellung des antiken griechischen Jägers Orion und seines Sternbilds.

Offizielle Olympia-Medaille der XX. Olympiade 1972 in München in einer weißen Schmuckschatulle mit hellblauem Samtfutter.

Gedenkmünze von den Olympischen Spielen 1956
Badische Landesbibliothek, K 3256 D 7

Aus dem Nachlass des Musikers Karlheinz Nürnberg (1918–1999), glühender Olympia-Fan.

Weißes Porzellan-Schreibset mit blauen Blumenmustern, bestehend aus Tintenfass, Federhalter und Kerzenhalter mit einer gelben Kerze.

Schreibset aus dem Nachlass von Maria van Look (1909–1994)
Badische Landesbibliothek, K 3189-03 I e 10

Maria van Look (1909–1994) war Zahnärztin in Freiburg und eine enge Freundin des Dichters Reinhold Schneider. Sie verehrte ihn und sammelte alles, was mit ihm zu tun hatte. So sind in ihrem Nachlass zahllose Dokumente und Gegenstände aus seinem Besitz erhalten. Ob auch dieses Schreibset dazu gehörte oder ob es ihr eigenes war, ist unbekannt.

Langer, dünner Taktstock mit hellem Holzgriff und dunklem Schaft auf weißem Hintergrund.

Taktstock des Musikers Karlheinz Nürnberg (1918–1999)
Badische Landesbibliothek, K 3256 D 29

Kleine schwarze Gasdruckpistole mit gelbem Abzug und geriffeltem Griff.

Gasdruckpistole aus dem Nachlass des Musikers Ernst-Lothar von Knorr (1896–1973)
Badische Landesbibliothek, K 3335 D 1022

Metallbecher mit unregelmäßigem, herzförmigem Rand auf weißem Untergrund.

Blechbecher von Alfred Mombert (1872–1942)
Badische Landesbibliothek, Mo 130 A 3

Die Konservendose wurde durch einfaches Verbiegen mit einem Ausguss versehen. Sie stammt aus dem Besitz des Heidelberger Dichters Alfred Mombert, der 1940 als Person jüdischer Abstammung in das südfranzösische Internierungslager Gurs deportiert wurde. Wahrscheinlich hat Mombert sie dort als Schöpfgefäß verwendet, als Teil seines Versuchs, unter den katastrophalen Bedingungen des Lagers zu überleben. Er starb 1942 mit im Alter von 70 Jahren in Freiheit bei einem Freund in der Schweiz.

Altes, abgenutztes Babyschuhmodell aus Leder mit Schnürsenkeln.

Babyschuh des Dichters Reinhold Schneider (1903–1958)
Badische Landesbibliothek, K 2881,4

Goldfarbene Centaur-Statue auf zweistufigem rosafarbenem Marmorsockel mit bronzefarbenem Mittelteil und Metallplakette.

Ehrungen für Karl-Heinz Nürnberg (1918–1999)
Badische Landesbibliothek, K 3256 D 24 | 25 | 27

  • a. Gran Premio D’Europa La Musa Dell’Arte
  • b. IV Quadriennale „Il Centauro d’Oro“
  • c. 1o Premio Lauro d'Oro dell’Arte

Der Musiker Nürnberg befasste sich häufig mit experimenteller Musik. Der kommerzielle Erfolg blieb aus, seine Netzwerke erstreckten sich jedoch über halb Europa. So erhielt er mehrere Preise von teils recht obskuren Künstlervereinigungen, in denen er Mitglied war oder die er sogar mit gründete, die aber meist nur für wenige Jahre existierten.

Zu sehen ist eine Bronzebüste eines älteren Mannes mit zurückgehendem Haaransatz auf quadratischem Sockel.

Arthur Zweiniger: Alfred Mombert
1931
Badische Landesbibliothek

Die Bronze stand ursprünglich im Garten des Schweizer Dichters Hans Reinhart (1880–1963) in Winterthur und war eine Kopie des Originals, das dem Heidelberger Dichter Alfred Mombert (1872–1942) selbst gehörte. Sie markierte ab 1942 den Ort der Bestattung von Momberts Asche in Winterthur. Bis heute ist unklar, ob die Asche sich in dem 1965 erneuerten Sockel befindet oder im Garten in Winterthur beerdigt wurde – oder doch ganz woanders hinkam. Mombert selbst hatte sich gewünscht, dass die Asche verstreut werden solle.

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