Propaganda

Die Feldzeitungen geben nicht die soldatische Lebenswirklichkeit wieder. Sie waren vor allem ein Instrument der Propaganda, eine publizistische Kriegswaffe, die zur siegreichen Beendigung des Krieges beitragen sollte. Wir sehen, was den Soldaten an geistiger Nahrung angeboten wurde, welche Denkmuster verstärkt, welche Einstellungen geprägt werden sollten. Die Feldpresse offenbart, welches Verhalten der kämpfenden Truppe empfohlen und als der Kampfmoral förderlich angesehen wurde. Unermüdlich festigte sie die bekannten Feindbilder, die Stereotypen des nationalen Selbstverständnisses.

Den größten Nutzen hatten die Feldzeitungen als „Wellenbrecher gegen geistige Abspannung im grausamen Kriegslärm“. Wie das Konzert- und Theaterleben hinter der Frontlinien, wie das Feldbüchereiwesen sugge­rierten sie den Soldaten, es gebe so etwas wie die Aufrechterhaltung der deutschen Kultur bis in die letzten Minuten vor dem Heldentod und jeder Einzelne habe die Möglichkeit sie mitzugestalten. Die Feldzeitung könne so „auch jene starke Linie der Verteidigung mitschaffen, die für unsere Feinde bisher noch immer unüberwindlich blieb.“

Die Kriegswichtigkeit solcher Pressearbeit nahm spätestens seit Mitte 1916 immer mehr zu, weil die Durchhalte- und Opferbereitschaft der Soldaten rapide sank. Und so hieß es:

„Man darf sie heute getrost mit als die dritte große Kriegswerkstatt ansprechen; denn wenn die Proviantmagazine dazu da sind, den Leib unserer Soldaten zu erhalten, wenn die Munitionsfabriken die Aufgabe haben, sie zu bewaffnen, so ist es die Feldpresse vor allen, die den Geist stärkt, den Willen schmiedet und stählt, und dergestalt dem Heere die geistige, ethisch-moralische Rüstung schafft und pflegt.“

Elsass-Lothringen

Titelseite der Zeitung „Der Stosstrupp“ vom 5. September 1917. Zu sehen ist eine Illustration, die Soldaten beim Sortieren der Feldpost zeigt.

Der Stoßtrupp : Feldzeitung der Armeeabteilung A.
Saarbrücken: Hofer.
1 (1917) Nr. 47 vom 5.9.1917.

Die Armeeabteilung A war am nördlichen Frontabschnitt zwischen Metz und Straßburg eingesetzt. Sie erhielt im März 1917 eine eigene Feldzeitung, die in Saarbrücken, also auf Reichsgebiet und folglich im Frakturdruck, hergestellt wurde. Die erste Nummer teilt ganz unverhohlen mit, dass das Blatt dazu dienen sollte, den Durchhaltewillen seiner Leser zu stärken, indem es „von der begeisternden Kraft, die an der Front und daheim so herrliche Taten vollbracht hat“, Kunde gab.

Als einer der Zeichner diente der bayerische Maler Otto Weil (1884-1929), der regelmäßig das Titelbild gestaltete, hier Soldaten beim Sortieren der Feldpost. Der Zeitungskopf zeigt vier Soldaten mit Stahlhelm, die bereit sind, als Stoßtrupp in den unter Beschuss liegenden feindlichen Graben vorzudringen.

Es erschienen 125 Nummern.

Zeitraum: 28.3.1917-10.11.1918.

Periodizität: mittwochs und samstags, ab 1918 sonntags.

Umfang: 4 Seiten, ab Juli 1917 6 Seiten, mit Formatwechsel ab Januar 1918 16 Seiten

Auflage: 30.000 – sinkend auf 18.000-20.000.

Badische Landesbibliothek: ZC 84
Bis 1942 vorhanden: *Aa 61 Nr. 42

Titelseite der Zeitung „Aus Sundgau und Wasgenwald“ vom 4. Juli 1918.

Aus Sundgau und Wasgenwald, Feldzeitung der Armeeabteilung B.
Colmar: Druckerei der Armeezeitung.
2 (1918) Nr. 57 vom 4.7.1918.

Die Armeeabteilung B sicherte den südlichen Frontab-schnitt zwischen Straßburg und Mulhouse. Erst spät, im Dezember 1917, erhielt auch sie eine eigene Feldzeitung, die in Colmar mit Antiqua-Typen gedruckt wurde. Schriftleiter war Oskar Gluth (1887-1955), im Zivilberuf Redakteur der Münchener Neuesten Nachrichten.

Der Zeitungskopf zeigt das Château du Haut-Kœnigsbourg (deutsch: Hohkönigsburg) bei Or-schwiller im Elsass, als Wahrzeichen „für die eiserne Wehr, die unser Elsaß schirmt gegen wel-sche Gier“. Der Entwurf des Gefreiten Edelmaier war aus einem Preisausschreiben mit 158 Einsendungen als Sieger hervorgegangen.

Die aufgeschlagene Ausgabe teilt den Lesern „Die Wahrheit über unsere Landsleute im besetzten Elsass“ mit: „Das Elsaß ist und bleibt deutsch, unsere tapferen Mitbürger im besetzten Elsaß können sich auf uns verlassen.“

Es erschienen 94 Nummern.

Zeitraum: 19.12.1917-10.11.1918.

Periodizität: mittwochs und samstags, ab April 1918 donnerstags und sonntags.

Umfang: 6 Seiten, mit Formatwechsel ab April 1918 12 Seiten.

Auflage: 14.000-18.000.

Badische Landesbibliothek: ZC 21
Bis 1942 vorhanden: *Aa 61 Nr. 92