Verschlusssache – Die Diskreten
Einige Veröffentlichungen sind in Bibliotheken nur gegen Vorlage eines Dienstausweises einsehbar. Der Zugang ist auf einen klar definierten Personenkreis beschränkt – meist Angehörige bestimmter Behörden.
Der Grund liegt zum einen im Schutz von Persönlichkeitsrechten: Fahndungsmedien wie das Landeskriminalblatt (früher Fahndungsblatt) enthalten beispielsweise sensible Informationen zu gesuchten, verdächtigen oder von Straftaten betroffenen Personen und dürfen daher nicht frei zugänglich sein. Zum anderen spielen Sicherheitsaspekte eine zentrale Rolle. Bestimmte Dienstvorschriften, etwa Polizeidienstvorschriften (PDV), regeln unter anderem operative Abläufe – von Einsatzstrategien bis hin zum Waffengebrauch – und sind deshalb nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.
Dass diese Vorsicht berechtigt ist, zeigt auch ein Blick in die Vergangenheit: 1977 nutzte der RAF-Terrorist Günter Sonnenberg Bestände der Badischen Landesbibliothek für Recherchen im Umfeld der Ermordung des Generalstaatsanwalts Martin Buback, der selbst Nutzer der Bibliothek war.
Derartige Zugangsbeschränkungen sind daher kein Widerspruch zum Bildungsauftrag von Bibliotheken, sondern dienen dem Ausgleich zwischen Informationsfreiheit, Persönlichkeitsrechten und öffentlicher Sicherheit.
Leihkarte von Günter Sonnenberg, Nr. 51736
5. April 1976
Badische Landesbibliothek
Günter Sonnenberg meldete sich im Frühjahr 1976 als Student zur Benutzung der Badischen Landesbibliothek an. In Karlsruhe wohnte er mit den RAF-Terroristen Adelheid Schulz, Christian Klar und Knut Folkerts in einer Wohngemeinschaft. Er war es vermutlich, der das Motorrad fuhr, von dem aus Generalbundesanwalt Siegfried Buback erschossen wurde. Das Motorrad hatte er gemietet.
Leihkarte von Siegfried Buback, Nr. 52710
14. Juni 1976
Badische Landesbibliothek
Siegfried Buback (1920–1977) war von Mai 1974 bis zu seiner Ermordung in Karlsruhe am 7. April 1977 Generalbundesanwalt am Bundesgerichtshof. Mit seiner Ermordung durch Mitglieder der Roten Armee Fraktion (RAF) begann das „Terrorjahr“ 1977: Im Herbst folgten die Ermordung Hanns Martin Schleyers, die Entführung des Lufthansa-Flugzeugs Landshut und die Selbstmorde der inhaftierten Anführer der ersten RAF-Generation im Gefängnis von Stammheim.
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