Westfront

Das erste Quartier der Champagne-Kriegszeitung in Monthois, 1915

Der schnelle Erfolg der ersten Feldzeitungen führte zu rasanten Auflagensteigerungen und ließ bald bei vielen Truppenteilen an der Westfront ähnliche Blätter entstehen. In kurzer Zeit wurde daraus eine Angelegenheit der Heeresleitung, die für den Frontdienst untaugliche Redakteure, Setzer und Drucker zur Feldpresse abkommandierte und für regelmäßige Papierlieferungen sorgte.

Die Westfront reichte über 700 Kilometer von der Nordsee bis zur Schweiz. Sie war schon nach wenigen Wochen im Stellungskrieg erstarrt. Hier fanden die großen Materialschlachten statt. Hier forderte der erste Giftgaseinsatz im April 1915 das Leben von 5.000 französischen und britischen Soldaten. Die Zerstörungskraft von Granaten, Minen und Bomben hinterließ zerfurchtes Gelände mit tiefen Granattrichtern, toten Baumstümpfen und unbewohnbaren Ortschaften. Der Verwüstung standen nur minimale Geländegewinne gegenüber, die oft schnell wieder verloren gingen.

Die Champagne-Kriegszeitung im Schützengraben, 1915/17

Doch in den Ortschaften hinter den Operationsgebieten entstanden personalintensive Zeitungsunternehmen mit dem Ehrgeiz, die Soldaten an der Front durch Bildung, Belehrung und Unterhaltung mental aufzubauen und den Gemeinschaftssinn zu stärken. 

Die Zeitungen der Westfront wurden fast ausnahmslos mit beschlagnahmten Setz- und Druckmaschinen des französischen und belgischen Besatzungsgebietes hergestellt. Mit dem Schriftmaterial konnte man natürlich nur in der „feindlichen“ Antiqua drucken. Umlaute und ß-Typen waren gar nicht vorhanden, oft auch Vokale ohne Akzentzeichen und w- oder k-Lettern nicht in ausreichender Menge. Wurde eine Feldzeitung in Fraktur gedruckt, so stammte das Satzmaterial aus dem Reich.

Kopfzeile der Champagne Kriegs-Zeitung. Über dem Titel der Zeitung befindet sich von links nach rechts, ein eisernes Kreuz, eine Sonne und der preußische Adler, samt FR-Monogramm, der ein Schwert und ein Zepter hält. Über der Krone des Adlers steht „Nec soli credit“.
Schwarz-weiße Fotografie von Soldaten im Graben.

Champagne-Kriegszeitung.
Hrsg. vom VIII. Reserve-Korps.
Monthois: Korpsdruckerei.
2 (1916) Nr. 96 vom 23.2.1916.

Nur wenige Kilometer von Vouziers entfernt erschien ab Januar 1915 zunächst in Monthois, dann in Savigny die Champagne-Kriegszeitung, herausgegeben vom VIII. Reserve-Korps. Das VIII. Reservekorps marschierte im Verband mit der 4. Armee in Frankreich ein und kämpfte den gesamten Krieg über an der Westfront.

Es erschienen 276 Nummern.

Zeitraum: 21.1.1915-31.12.1917.

Periodizität: zweimal wöchentlich.

Umfang: 8 Seiten

Auflage: 20.000

Das anfangs hektografierte Blatt entwickelte sich schnell zur gedruckten Feldzeitung mit fünfköpfiger Redaktion. Mit Jahresbeginn 1918 ging die erfolgreiche Zeitung in der Kriegszeitung der 1. Armee auf.

Badische Landesbibliothek, ZC 92

Zum Digitalisat der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz 

Schwarz-weiße Fotografie von Soldaten im Graben, die Gasmasken aufhaben.

Champagne-Kriegs-Zeitung.
2 (1916) Nr. 96 vom 23.2.1916.
Seite 544 (Ausgabe nach Zensur).

Die Ausgabe Nr. 96 vom 23. Februar 1916 ist im Bestand der Badischen Landesbibliothek doppelt vorhanden.

Beschlagnahmt wurde die Ausgabe wegen des Fotos „Vor dem Unterstand“, das die abgebildeten Soldaten befehlswidrig ohne Gasmasken zeigte. Es wurde in der korrigierten Ausgabe durch ein ähnliches Bild ersetzt, das „Bataillonsstab mit Gasmasken“ betitelt ist.

Interessanterweise ist das von der Zensur verbotene Foto aber später in der zweiten Folge der von der Champagne-Kriegszeitung herausgegeben Bildbände trotzdem abgedruckt worden.

Badische Landesbibliothek, ZC 92

Zum Digitalisat der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz 

Einband des Werkes „Bilder aus der Champagne 1914/1916“. Es handelt sich um einen simplen einfarbigen Umschlag mit goldener Schrift, die aus einer Kette aus Eichenblättern umrahmt wird.

Bilder aus der Champagne 1914/16.
Hrsg. von der Champagne-Kriegszeitung des VIII. Reserve-Korps im Dezember 1915.
2. Aufl. Köln: Du Mont Schauberg, 1915.

Die Champagne-Kriegszeitung war umfangreich mit Fotos ausgestattet. Diese Fotos ließ die Schriftleitung in zwei Folgen 1915-1916 im Kölner Verlag DuMont Schauberg drucken. Die „Champagne-Alben“ wurden in Auflagen von mehr als 20.000 Exemplaren hergestellt und zum Preis von 50 bzw. 75 Pfennig sehr preisgünstig an die Leser abgegeben. „Zu jedem Büchlein wird ein Briefumschlag zur Versendung in die Heimat unentgeltlich mitgeliefert“, heißt es in der Zeitung selbst.

Badische Landesbibliothek, 113 H 595,1

Titelseite des Werkes „Bilder aus der Champagne und von der Aisne“. Der Titel ist mit einer Kette aus Eichenblättern umrahmt.

Bilder aus der Champagne und von der Aisne.
2. Folge. Hrsg. von der Champagne-Kriegszeitung des VIII. Reserve-Korps.
Köln : Du Mont Schauberg, 1916.

Gezeigt werden Fotos aus dem Lagerleben – etwa von Sportfesten, Skatturnieren, von Kaninchenzucht und Gartenbau –, aus den Schützengräben und Unterständen, aus Lazaretten und von Soldatengräbern. Die Umgebung dokumentieren Fotos der Ortschaften und ihrer Bewohner im besetzten Gebiet, auch Fotos von zerstörten Bauwerken, zertrümmerten Ortschaften und zerschossenen Geschützen.

Badische Landesbibliothek: 113 H 595,2

Schlichter grauer Einband, mit simplem schwarzem Druck, der einen Ausschnitt einer Stadt zeigt.

Von Aubérive bis Brimont. Bilder aus der Champagne.
3. Folge. Hrsg. von der Schriftleitung der Champagne-Kriegszeitung.
Gedruckt im Felde: Armeedruckerei der 1. Armee, 1918

Der dritte Band der Serie wurde 1918, nach der Zusammenlegung der Champagne-Kriegszeitung mit der Wacht im Westen, in der Druckerei der 1. Armee in Charleville gedruckt. Das Vorwort teilt mit:

„Manche der Bilder haben inzwischen bereits insofern eine historische Bedeutung erhalten, als die fortschreitende Zerstörung auch der rückwärtigen Ortschaften durch die französische Beschießung seither weitere beträchtliche Fortschritte gemacht hat.“

Badische Landesbibliothek, 113 H 595,3