Sammlung

Der Sammler. Aus: Kriegszeitung der 9. Armee Nr. 245 vom 31.5.1918.

Ihrer Sammelwürdigkeit und ihres Andenkencharakters waren sich die Feldzeitungen von Anfang an bewusst. Es wurden „Sammel-Mappen mit patentierter Einklemmvorrichtung“ verkauft oder auch vorgefertigte Einband­decken. Es erschienen aus Einzelbeiträgen zusammen­gestellte Sammelhefte und ab 1916 auch Auswahlbände, entweder themenbezogen oder nach Art der Beiträge unterschieden in Fotoalben, Gedichtbände, Karikaturensammlungen etc. „Zu jedem Büchlein wird ein Briefumschlag zur Versendung in die Heimat unentgeltlich mitgeliefert“, warb die Champagne-Kriegszeitung beim Erscheinen ihrer Foto-Auswahlbände. Ziel war immer, „das Beste der Kriegszeitung als dauernden Besitz für später zu erhalten“.

In kurzer Zeit entstand ein Sammlermarkt, der noch während des Krieges die Preise in die Höhe schnellen ließ und Fälschungen hervorrief, für die nun ihrerseits wieder extraordinäre Preise bezahlt wurden. Gleich die erste Feldzeitung des Kriegs, der Landsturm von Vouziers, wurde als Nachdruck vertrieben. Anfang 1918 kostete ein vollständiges Exemplar der Liller Kriegszeitung 1.300 Mark.

Das Kalkül der Zeitungsmacher, ihre Feldzeitungen zu prominenten Zeugnissen der Erinnerungskultur zu machen, ist aufgegangen. Sie wurden so breit gesammelt und so umfassend aufbewahrt, dass ihre Überlieferung ihnen bis heute ein Stück der Deutungshoheit über das Kriegsgeschehen sichert, die schon damals ihr substanzielles Ziel war.

Vgl. auch die Datenbank Kriegssammlungen in Deutschland 1914-1918