Ostfront

An der Ostfront, die von der Ostsee bis zur Schwarzmeerküste reichte und im Norden von deutschen Truppen, im Süden von österreichisch-ungarischen Verbänden gebildet wurde, entstanden Ende 1915, nach dem Großen Rückzug des russischen Heeres, in kurzer Zeit mehrere Feldzeitungen mit hohen Auflagen für deutsche Armeeangehörige.

Bei ihnen stand immer der Nachrichtenaspekt im Vordergrund, weil Zeitungen aus dem Deutschen Reich nicht oder nur mit großer Verzögerung verfügbar waren. Sie erschienen zumeist als Tageszeitungen.

Die Druckorte im Baltikum und Weißrussland lagen im Besatzungsgebiet „Ober-Ost“ und standen unter deutscher Militärverwaltung. Dieses Territorium erklärte die deutsche Propaganda zu „urdeutschem Gebiet“, entsprechend rief auch die Zeitung der 10. Armee, die seit Dezember 1915 in Vilnius erschien, immer wieder zur Achtung der vorgefundenen Kultur auf. Doch gleichzeitig plünderte die Militärverwaltung das Gebiet für die deutsche Kriegswirtschaft und wütete insbesondere gegen die jüdischen Einwohner durch Zwangs­arbeit und vielfältige Misshandlungen.

Mit dem Kriegseintritt Rumäniens auf Seiten der Entente im August 1916 verlängerte sich die Ostfront um weitere 500 Kilometer. Noch auf dem Vormarsch erschien am 29. September 1916 in Sebeș (Mühlbach) in Siebenbürgen die erste Nummer der Kriegszeitung der 9. Armee.

Titelseite der Zeitung „Die Wacht im Osten“ vom 11. Juli 1917. In der Kopfzeile ist eine Illustration, die drei kampfbereite Soldaten zeigt.

Die Wacht im Osten. Feldzeitung der Armee-Abteilung Scheffer.
Lida: Armeedruckerei.
Nr. 588 vom 11.7.1917.

Im weißrussischen Grodno begann Ende November 1915 der Druck der Wacht im Osten, der Feldzeitung der 12. Armee. Mit deren Vormarsch wurde die Druckerei im Mai 1916 nach Lida verlegt und in einer jüdischen Hefefabrik untergebracht.

Es erschienen 1078 Nummern.

Erscheinungsverlauf: 1.12.1915-28.11.1918

Periodizität: täglich

Umfang: 4 Seiten

Auflage: 9.000-27.000

Das Blatt zeigte wechselnde Titelköpfe, von April bis August 1917 wurde die Darstellung dreier Feldgrauer im Handgranatenkampf genutzt.

Lippische Landesbibliothek Detmold, 2° Zs 218
BLB bis 1942: *Aa 61 Nr. 37

Zu sehen ist eine Illustration, die Soldaten während der Weihnachtszeit zeigen. Hier sägen zwei Soldaten eine Tanne ab, um sie aufstellen zu können. Im Hintergrund ist ein Flieger zu erkennen.
Zu sehen ist eine Illustration, die Soldaten während der Weihnachtszeit zeigen. Hier steht eine Gruppe zusammen um eine geschmückte Tanne und öffnen Pakete.

Die Wacht im Osten. Kriegsbilderbogen.
Lida: Armeedruckerei.
Nr. 54 von Neujahr 1918.

Die Wacht im Osten bot eine Tiefdruckbeilage „Das Leben im Bild“ und eine jeweils einfarbige Steindruckbeilage „Kriegsbilderbogen“, die wöchentlich erschien und in Text und Bild mit den belorussischen und baltischen Besatzungsgebieten vertraut machte. Von dieser Beilage erschienen zwischen Dezember 1916 und Juni 1918 insgesamt 80 Nummern.

Die Abbildungen der Nummer 54 von Neujahr 1918 sind den Fliegern an der Ostfront gewidmet.

Lippische Landesbibliothek Detmold, 2° Zs 218 Beil.
BLB bis 1942: *Aa 61 Nr. 37

Zu sehen ist eine Zeitungsseite vom 21. März 1917.

Feldzeitung der Bugarmee.
Biala: Etappendruckerei.
Nr. 460 vom 21.3.1917.

Weiter südlich, im Frontabschnitt bei Brest-Litowsk, wurde ab Dezember 1915, ebenfalls als Tageszeitung, die Feldzeitung der Bugarmee gedruckt. Die Zeitung erschien bis September 1917 im Etappenhauptort Biala. Die Druckerei befand sich im Gebäude einer polnischen Bank. Gedruckt wurde im Quartformat mit deutschem Papier und Typenmaterial, das ein deutscher Druckereibesitzer zur Verfügung gestellt hatte

Es erschienen 1058 Nummern.

Erscheinungsverlauf: 18.12.1915-9.11.1918

Periodizität: täglich

Umfang: 6-8 Seiten.

Auflage: 5.000-52.000

Lippische Landesbibliothek Detmold, Slg 49 Nr 13 BLB bis 1942 vorhanden: *Aa 61 Nr. 48

Abgebildet ist eine Zeitungsseite zum Neujahr 1916, samt Neujahrs-Gklückwunsch.

Deutsche Kriegszeitung von Baranowitschi.
Baranowitschi: Divisionsdruckerei.
1 (1916) Nr. 1 vom 1.1.1916. 

Am Eisenbahnknotenpunkt Baranowitschi in Weißrussland gab die 3. Landwehr-Division ab Januar 1916 zweimal wöchentlich die Deutsche Kriegszeitung von Baranowitschi heraus. Die Divisionszeitung hatte den Charakter eines Lokalblatts, bot Veranstaltungsberichte, Theater- und Filmkritiken, berichtete etwa auch von der Einrichtung eines „Grabenmuseums“.

Der Kopf der Zeitung zeigt anfangs Schattenrisse von Soldaten beim Durchschneiden von Stacheldrähten im Drahtverhau. Hergestellt wurde sie in einer jüdischen Druckerei, die zuvor vom russischen Generalstab für Akzidenzdrucke genutzt und verwüstet zurückgelassen worden war. Sie wurde instandgesetzt, das Typenmaterial der Frakturschrift lieferte eine Berliner Großdruckerei.

Es erschienen 274 Nummern.

Erscheinungsverlauf: 1.1.1916-17.8.1918

Periodizität: mittwochs und sonnabends

Umfang: 4-6 Seiten

Auflage: 5.000-10.500

Auch die Deutsche Kriegszeitung von Baranowitschi war sich früh ihres Sammlerwertes bewusst, fahndete selbst nach älteren vergriffenen Nummern und bot ihren Sammlern gegen Vorkasse die Lieferung passender Einbanddecken für die ersten beiden Jahrgänge an.

Im Juni 1916 wurde die weitere Umgebung der Stadt im Zusammenhang mit der Brussilow-Offensive Schauplatz einer der größten Schlachten des Ersten Weltkrieges, die innerhalb weniger Tage fast 100.000 Soldaten das Leben kostete.

Badische Landesbibliothek, 113 K 354
Bis 1942 vorhanden: *Aa 61 Nr. 49

Zu sehen ist eine Zeitungsseite, auf der Gedichte, Rätsel, sowie Werbeanzeigen gedruckt sind.

Deutsche Kriegszeitung von Baranowitschi.
Baranowitschi: Divisionsdruckerei.
1 (1916) Nr. 6 vom 19.1.1916.

Die Zeitung unterhielt einen anfangs recht umfangreichen Anzeigenteil, der für Feldzeitungen ungewöhnlich war und mit der finanziellen Absicherung bald auch wieder schrumpfte: Soldatenheime, Offizierskasinos und die örtlichen Kammer-Lichtspiele warben für den Besuch, der Kaufmann Bregmann empfahl „zu billigsten Preisen“ Seidenstoffe, Ersatzbatterien, Seife, Schuhwichse, Hosenträger, Tischdecken und Winterwäsche, zu haben in seinem „Kaufhaus des Ostens“ in Baranowitschi. Die Händler Sachim, Goldschmidt und Wassermann priesen als Andenken Drechslerwaren aus russischem Birkenholz in allen Preislagen an.

Auch deutsche Firmen wurden für Inserate gewonnen, etwa die Likörfabrik Carl Mampe in Berlin, die Sektkellerei Hoehl in Bad Geisenheim, die Weingroßhandlung Franz Wehr in Bernkastel an der Mosel, die Keksfabriken Bahlsen in Hannover und Trüller in Celle. Die Quieta-Werke Bad Dürkheim warben für ihren Milch-Nähr-Kakao, die Solinger Stahlwarenfabrik Engelswerk für ihre Dolche, Jagd- und Taschenmesser und die Gummiwaren-Fabrik Quentin in Halle/Saale erklärte ihre Wasserschutz-Strümpfe für „im Felde unentbehrlich, sichern jedem trockene, warme Füße, selbst bei größter Nässe.“

Badische Landesbibliothek, 113 K 354

Zu sehen ist eine Zeitungsseite vom 25. April 1917. Auf der Seite ist auch eine Anzeige, die damit werbt, dass jede Kriegsanleihe eine Sparkarte mehr bringt.

Kriegszeitung von Baranowitschi.
Baranowitschi: Divisionsdruckerei.
2 (1917) Nr. 33 vom 25.4.1917.

Mit Beginn des zweiten Jahrgangs 1917 änderte sich die Darstellung im Titelkopf und bot nun den Zweikampf eines deutschen Infanteristen mit einem russischen Soldaten im Drahtverhau.

Badische Landesbibliothek, 113 K 355