Zensur
Vor dem Unterstand. Aus: Champagne-Kriegszeitung 2 (1916) Nr. 96 vom 23.2.1916 (beschlagnahmte Ausgabe)
Bataillonsstab mit Gasmasken. Aus: Champagne-Kriegszeitung 2 (1916) Nr. 96 vom 23.2.1916 (korrigierte Ausgabe)
Dafür, dass die Feldzeitungen nichts enthielten, was dem Gegner sachdienlich sein könnte, sorgte die Zensur, die in der Regel beim zuständigen Nachrichtenoffizier lag. Über militärische Details schwiegen sich die Zeitungen selbstverständlich aus.
Ein Beispiel für Zensur ist die Ausgabe der Champagne-Kriegszeitung vom 23. Februar 1916. Sie wurde beschlagnahmt wegen des Fotos „Vor dem Unterstand“, das die abgebildeten Soldaten befehlswidrig ohne Gasmasken zeigte. Es wurde durch ein ähnliches Bild ersetzt, das „Bataillonsstab mit Gasmasken“ betitelt ist. Auch Schwärzungen sind überliefert wie die in der Vogesenwacht vom 17. Mai 1917.
Seit Gründung der Feldpressestelle beim Generalstab im März 1916 wuchs die Einflussnahme der Heeresleitung, die die Feldzeitungen als militärinternes Propagandainstrument zu nutzen versuchte, indem sie sie mit Pressediensten versorgte und ihnen den Wiederabdruck ihrer Artikel nahelegte. Der Gestaltungsspielraum der Feldzeitungen verengte sich, und dem kriegsmüden Lesepublikum, dessen Kampfeswilligkeit und Durchhaltevermögen manipuliert werden sollte, blieb das natürlich nicht verborgen. Die Feldzeitungen wandelten sich zu Propagandablättern und zum „Forum für die militärische Meinungslenkung“.
Vogesenwacht Nr. 11 vom 17.5.1917