Zensur

Dafür, dass die Feldzeitungen nichts enthielten, was dem Gegner sachdienlich sein könnte, sorgte die Zensur, die in der Regel beim zuständigen Nachrichtenoffizier lag. Über militärische Details schwiegen sich die Zeitungen selbstverständlich aus.

Ein Beispiel für Zensur ist die Ausgabe der Champagne-Kriegszeitung vom 23. Fe­bruar 1916. Sie wurde be­schlagnahmt wegen des Fotos „Vor dem Unterstand“, das die abgebildete n Soldaten befehlswidrig ohne Gasmasken zeigte. Es wurde durch ein ähnliches Bild ersetzt, das „Bataillonsstab mit Gasmasken“ betitelt ist. Auch Schwärzungen sind überliefert wie die in der Vogesenwacht vom 17. Mai 1917.

Seit Gründung der Feldpressestelle beim Generalstab im März 1916 wuchs die Einflussnahme der Heeresleitung, die die Feldzeitungen als militärinternes Propagandainstrument zu nutzen versuchte, indem sie sie mit Pressediensten versorgte und ihnen den Wiederabdruck ihrer Artikel nahelegte. Der Gestaltungsspielraum der Feldzeitungen verengte sich, und dem kriegsmüden Lesepublikum, dessen Kampfeswilligkeit und Durchhaltevermögen manipuliert werden sollte, blieb das natürlich nicht verborgen. Die Feldzeitungen wandelten sich zu Propagandablättern und zum „Forum für die militärische Meinungslenkung“.

Illustration, die zwei Soldaten zeigt, die vor einem Blindgänger, einer nicht detonierten Bombe, stehen. Einer von ihnen zeigt auf sie. Die Schrift unten drunter liest: „Künftig weiche zurück, so oft du jenem begegnest…“

Litauen: Zeitung der 10. Armee.
Wilna: Armeedruckerei.
1 (1915/16) Nr. 69 vom 5.5.1916.

Im Dezember 1915 gründete die 10. Armee in Litauen eine Tageszeitung mit dem nüchternen Titel Zeitung der 10. Armee. Sie wurde mit den Antiqua-Typen einer beschlagnahmten ehemals polnischen Druckerei in Vilnius (Wilna) gedruckt. Das Feuilleton wurde unter dem Titel „Liebesgabe“ geführt, die Antworten auf Leseranfragen befanden sich in der „Ordonnanzmappe“, in der Rubrik „Antreten!“ gab es einen Veranstaltungskalender, und unter „Helm ab!“ wurden die Gottesdienste angezeigt. Die Zeitung war mit einer Vielzahl unterschiedlicher Beilagen ausgestattet.

Es erschienen 774 Nummern.

Erscheinungsverlauf: 9.12.1915-31.12.1918

Periodizität: anfangs 3 x wöchentlich, dienstags, donnerstags und sonnabends, später täglich außer montags

Umfang: 8 S.

Auflage: 36.000-52.000

Badische Landesbibliothek, 113 C 75
Bis 1942 vorhanden: *Aa 61 Nr. 16

Illustration, die einen Soldaten auf einem Pferd zeigt. Neben ihm explodiert eine Granate. Er schaut erschrocken.

Scheinwerfer. Bildbeilage zur Zeitung der 10. Armee.
Wilna: Zeitung der 10. Armee.
1 (1915/16) Nr. 12 vom 27.4.1916.

Die Zeitung der 10. Armee hatte eine illustrierte Sonntagsbeilage mit dem Titel Scheinwerfer. Hier erschienen im Frühjahr 1916 in drei Folgen Karikaturen von Hans Geh, in denen Verse der Ilias auf die Situation der Kriegsdienstleistenden des Ersten Weltkriegs bezogen waren.

Badische Landesbibliothek, 113 C 75
Bis 1942 vorhanden: *Aa 61 Nr. 43

Einband des Kunstbandes „Homer im Felde“. Zu sehen ist eine griechische Amphore auf rotem Hintergrund. Statt antiken Figuren sind Soldaten des ersten Weltkrieges, nach antikem Vorbild, auf der Vase abgebildet.

Homer im Felde: Bilder zur Ilias. Von Leutnant d.R. Hans Geh.
Wilna: Zeitung der 10. Armee, 1917.

Die Karikaturen wurden 1917 in einem Sonderdruck separat herausgegeben.

Badische Landesbibliothek, 113 E 1969
Bis 1942 vorhanden: Tc 293

Einband des Soldatenführers durch Wilna.

Ich weiß Bescheid: Kleiner Soldatenführer durch Wilna.
Wilna, Zeitung der 10. Armee, 1917.

Damit sich der Neuankömmling in Wilna zurechtfindet, gab die Zeitung der 10. Armee diesen kleinen Führer heraus, der über die Organisation von Unterkunft und Verpflegung unterrichtet und Adressen mitteilt, aber auch einen kleinen Rundgang zu den Sehenswürdigkeiten anbietet.

Badische Landesbibliothek, 113 H 588
Bis 1942 vorhanden: Mc 1931

Zu sehen sind Zeichnungen, die darstellen sollen wie „der kleine Moritz“ sich Kriegserscheinungen vorstellt. Der spanische Reiter wird bspw. als Soldat auf einem hölzernen Pferd dargestellt.

Der Scheinwerfer. Beilage zur Zeitung der 10. Armee.
Wilna: Armeedruckerei.
1 (15/16) Nr. 6 vom 7.3.1916.

Fred Hendriok (um 1890-1942) gestaltete im März 1916 eine Karikaturenausgabe des Scheinwerfers. Der später sehr bekannte Hamburger Werbegrafikers und Illustrator war im Zweiten Weltkrieg wieder zum Kriegsdienst eingezogen und fiel 1942 ausgerechnet in der Nähe von Wilna.

Badische Landesbibliothek, 113 C 75
Bis 1942 vorhanden: *Aa 61 Nr. 16

Schlichter einfarbiger Bucheinband. Über dem Werktitel wurde sich als grafisches Element für die Silhouette einer Kirche in einem ovalen Rahmen entschieden.

Die St. Annenkirche und die Klosterkirchen von St. Bernhardin und St. Michael in Wilna. Bearbeitet von Landsturmmann Walter Jäger.
Wilna: Zeitung der 10. Armee, 1918.

Ein „urdeutsches Baudenkmal“ hatte der Scheinwerfer am 27. Juli 1916 zum Thema. Die St. Annenkirche in Wilna, das Meisterwerk der litauischen Gotik, wurde auch in diesem Kunstführer aus dem Verlag der 10. Armee als „Markstein des Deutschtums im Auslande“ propagandistisch in Anspruch genommen.

Badische Landesbibliothek, 113 E 1986