Herstellung

Voraussetzung für die Herstellung einer Feldzeitung war das Vorhandensein der notwendigen Maschinen. Feldzeitungen entstanden deshalb zunächst da, wo diese Voraussetzung zufällig gegeben war, also vorhandene Druckereien beschlagnahmt werden konnten. Als sich das Feldpressewesen etabliert hatte, wurden auch Zeitungsdruckereien neu eingerichtet.

Eine weitere Voraussetzung war, dass mit einer längeren Verweildauer am selben Ort gerechnet werden konnte. Folglich entstanden die Feldzeitungen an der Westfront sehr schnell, an der Ostfront erst Ende 1915, nach dem Großen Rückzug der russischen Armee.

Die meisten der größeren Feldzeitungen wurden auf einer Schnellpresse hergestellt, über eine Rotationspresse verfügten nur wenige, etwa die Liller Kriegszeitung im Westen und die Zeitung der 10. Armee in Vilnius. Daneben kamen auch vorhandene Tiegeldruckpressen zum Einsatz, die für Kunstdruckbeilagen verwendet, meistens aber für den Akzidenzdruck genutzt wurden, denn es waren auch verschiedenste Maueranschläge, Dienstvorschriften, Meldezettel, Formulare, Karten oder Programmzettel zu drucken.

Probleme bereitete im Kriegsverlauf die Papierbeschaffung. Papier wurde ständig knapper und immer teurer. Seit Anfang 1916 wurde es durch die neu eingerichtete Kriegswirtschaftsstelle zugeteilt. Insbesondere an der Ostfront stockte der Nachschub oft. Dann wurde der Umfang der Zeitungen bis zu dessen Eintreffen drastisch reduziert. Im letzten Kriegsjahr sanken die Auflagen beträchtlich.

Seewärts gegen England – die Nordseeküste

Zu sehen ist die Titelseite der Zeitung „An Flanderns Küste“ vom 15. Juli 1917. In der Kopfzeile ist eine Illustration zu erkennen, die Soldaten am Ufer zeigt.

An Flanderns Küste. Kriegszeitung für das Marinekorps.
Brügge. Nr. 30 (1.6.1917) - 47 (15.2.1918)

Die Küste zum Ärmelkanal war eine ungeschützte Flanke der deutschen Heeresverbände. Zu ihrer Sicherung wurde das Marinekorps Flandern eingesetzt. Es bestand aus See-, Luft- und Bodenstreitkräften in einer Stärke von 70.000 Mann und operierte auch zur See. Das Korps wurde weitgehend aus Reservisten der Marine rekrutiert, die bei der Mobilmachung eingezogen worden waren, aber auf den Schiffen der Kriegsmarine keine Verwendung finden konnten.

Für diese Soldaten erschien als erste Kriegszeitung der Marine ab März 1916 An Flanderns Küste. Die Schriftleitung residierte im ehemaligen Kriegsgericht am Burgplatz in Brügge. Gedruckt wurde auf einer Flachdruckpresse, die zuvor für das kirchliche Wochenblatt De Nieuwe Zondagsbode genutzt worden war.

Es erschienen 60 Nummern.

Zeitraum: 15.3.1916-1.9.1918.

Periodizität: halbmonatlich.

Umfang: 8 Seiten.

Auflage: 7.000 – wachsend auf 22.000.

Badische Landesbibliothek: 113 F 677
Bis 1942 vorhanden: *Aa 61 Nr. 91

Zu sehen ist eine illustrierte Liste an Baderegeln für die flämische Küste aus dem Jahr 1917. Um das Textfeld, in dem die zwölf Regeln stehen, sind verschiedene Strandszenen dargestellt.

Ostender Baderegeln 1917.
Aus: An Flanderns Küste  Nr. 35 vom 15.8.1917.

Badische Landesbibliothek: 113 F 677
Bis 1942 vorhanden: *Aa 61 Nr. 91

Zu erkennen ist der Einband des Sammelbandes für die Zeitung „An Flanderns Küste“, gefüllt mit ausgewählten Gedichten, Bildern etc.

Flandern-Almanach auf das Jahr 1917.
Hrsg von der Kriegszeitung für das Marinekorps "An Flanderns Küste"
Brügge o. J.

Die Leitung der Zeitung An Flanderns Küste stand den Unternehmungen der Armeezeitungen in nichts nach. Auch sie ließ im Juni 1917 einen bebilderten Auswahlband mit Gedichten und Aufsätzen erscheinen, der in der eigenen Druckerei hergestellt worden war.

Badische Landesbibliothek, 114 E 222
Bis 1942 vorhanden: Aa 1265

Abgebildet ist ein illustriertes Gedicht in einer Zeitung vom 2. Oktober 1915.

Kriegszeitung der Festung Borkum.
Borkum: Brauer. 1.1915/16 Nr. 1 7.8.1915) - 52 (29.7.1916)

Die westlichste der Ostfriesischen Inseln, Borkum, hatte 1902 den Status einer Seefestung erhalten. Sie war daraufhin mit Batteriestellungen und Bunkeranlagen versehen worden, große Truppenkontingente wurden stationiert. In den Kriegsjahren war die Festung mit 1.500 Mann als „Wacht gegen England“ zur Küstenverteidigung besetzt, Kriegshandlungen fanden aber nicht statt. So entstand auf Anregung des Festungskommandanten auch hier eine Feldzeitung zum Zeitvertreib der Soldaten.

Es erschienen 172 Nummern.

Zeitraum: 7.8.1915-16.11.1918

Periodizität: wöchentlich, samstags

Umfang: 8-12 Seiten

Auflage: 2.500 - sinkend auf 2.000.

Hergestellt wurde die Zeitung auf der Insel selbst. In den ersten Nummern wurden jeweils die „Badezeiten am Strand von Borkum“ angegeben.

Lippische Landesbibliothek Detmold: Slg 49 Nr 28
BLB bis 1942: Aa 1282

Mitteilung an die Abonnenten der Kriegszeitung der Festung Borkum.

Kriegszeitung der Festung Borkum.
3.1917/18 Nr. 153 vom 6.7.1918.

Der Nummer 143 vom 6. Juli 1918 ist eine Mitteilung  an die Abonnenten betreffend den Postbezug des Blattes aufgeklebt.

Lippische Landesbibliothek Detmold: Slg 49 Nr 28

Einband eines speziellen Themenheftes der Kriegszeitung der Festung Borkum aus dem Jahr 1917.

Kriegszeitung der Festung Borkum. Auswahl aus zwei Jahrgängen. Hrsg. von Carl Lange.
Berlin: Decker 1917

Chefredakteur der Kriegszeitung der Festung Borkum war ab Mai 1916 der Schriftsteller Carl Lange (1885-1959). Er verfolgte ehrgeizige volksbildnerische Ziele, erfand spezielle „Nordsee-Nummern“, „Flotten-Nummern“ etc. und veranstaltete vielfach spezielle Themenhefte. Als Beiträger für die Kriegszeitung gewann er namhafte Schriftsteller wie Gustav Frenssen, Heinrich Lersch, Walter von Molo und andere.

Badische Landesbibliothek: 113 E 2627
Bis 1942 vorhanden: Aa 1282