Scheffel I: Zum 200. Geburtstag des größten Dichters Badens
Abb. 1: Joseph Viktor von Scheffel (1826–1886), Quelle: Wikipedia.
Ludger Syré, 16.2.2026
DOI: https://doi.org/10.58019/gvgk-3x29
Badens größter Dichter, Joseph Victor von Scheffel, wurde 1826 in Karlsruhe geboren und starb 1886 in seiner Heimatstadt. Anlässlich seines 200. Geburtstags und seines 140. Sterbetags widmet ihm die Badische Landesbibliothek zu seinem Doppeljubiläum zwei Blog-Artikel. Der folgende Artikel fokussiert dabei auf Scheffels schriftstellerisches Schaffen.
Joseph Victor von Scheffel: Jugend, Studium und Berufstätigkeit
Joseph Victor Scheffel wurde am 16. Februar 1826 in Karlsruhe geboren. Kurze Zeit nach seiner Geburt zog die Familie von der Steinstraße 47 in die Stephanienstraße 16 um. Ab 1833 besuchte Scheffel das Karlsruher Lyzeum, wo er 1843 als Primus Omnium das Abitur bestand. Auf Drängen seines Vaters Philipp Jakob Scheffel, der als Regierungsingenieur bei der badischen Wasser- und Straßenbaudirektion tätig war, schrieb sich Scheffel im Wintersemester 1843/44 an der Universität München für das Jurastudium ein; nebenbei lernte er Italienisch.
Ein Jahr später wechselte er an die Universität Heidelberg, vorübergehend nach Berlin und dann wieder zurück nach Heidelberg, wo er am 31. Juli 1848 die Staatsprüfung und am 11. Januar 1849 die Prüfung zum Dr. jur. ablegte, offenbar ohne Abfassung einer schriftlichen Dissertation. Während seines Studiums trat er nacheinander den studentischen Burschenschaften Alemannia, Teutonia und Frankonia bei. Seine vielen in Heidelberg entstandenen studentischen Lieder, darunter Als die Römer frech geworden und Alt-Heidelberg, du feine, wurden durch den Abdruck in Zeitungen weit verbreitet. Im August 1846 unternahm er eine Reise nach Rügen; in den Fliegenden Blättern veröffentlichte er die Lieder eines fahrenden Schülers.
Während der Revolution 1848/49 bekannte sich Scheffel zwar zu liberalen demokratischen Ideen, distanziere sich jedoch von radikalen Bestrebungen. Zwischen März und Juli 1848 fungierte er als zweiter Sekretär des badischen Bundestagsgesandten Karl Theodor Welcker; beobachtend nahm er an den Sitzungen des Vorparlaments und der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche teil; im Juni fuhr er nach Eisenach zum zweiten Wartburgfest der deutschen Burschenschaften; im Juli begleitete er im Zusammenhang mit der Schleswig-Holstein-Frage Welcker auf einer Reise nach Lauenburg. Während des badischen Maiaufstands stellte er sich als Mitglied der Bürgerwehr auf die Seite der staatlichen Ordnung.
Nach kurzer Praktikantentätigkeit am Heidelberger Oberamtsgericht trat Scheffel zu Beginn des Jahres 1850 eine Stelle als Dienstrevisor am Bezirksamt in Säckingen an, doch schon im Dezember 1851 wechselte er als Sekretär zum Hofgericht in Bruchsal. Nach nicht einmal dreieinhalb Jahren im Beruf gab Scheffel im Mai 1852 seine juristische Laufbahn auf. Im Mai 1852 brach er nach Italien auf, wo er ein Jahr lang in verschiedenen Künstlerkolonien lebte, um sich zum Maler ausbilden zu lassen. Später musste er allerdings erkennen, dass er zwar ein großes malerisches Talent besaß, dass dieses zum künstlerischen Beruf jedoch nicht ausreichen würde. Deshalb verlegte er sich auf die Dichtung.
In Italien entstanden: Der Trompeter von Säckingen
Angeregt von dem Ausspruch der Gattin von Eduard von Engerth: „Aber Scheffel, Sie sind ja ein Dichter, warum schreiben Sie das Zeug nicht auf?“, während seines Aufenthalts in den Albaner Bergen, verfasste Scheffel 1853 auf der Insel Capri sein erstes großes literarisches Werk, das Versepos Der Trompeter von Säckingen, ein Gesang vom Oberrhein, das zugleich zu seinem berühmtesten Werk wurde, untrennbar verbunden mit seinem Namen.
Abb. 2: Titelblatt Der Trompeter von Säkkingen : ein Sang vom Oberrhein, 3. Aufl., Stuttgart : Metzler, 1863, Quelle: Wikipedia.
Das Versepos handelt von den zwei Liebenden Margareta von Schönau und Werner Kirchhofer. Werner wird Stabstrompeter am Schloss des Freiherrn von Schönau in Säckingen, dem Vater Margaretas. Es entsteht eine Liebesbeziehung zwischen der Adeligen und dem Angestellten. Die Standesschranken jener Zeit – wir sind im 17. Jahrhundert – verhindern eine Ehe und Werner Kirchhofer muss das Schloss verlassen. Zum Abschied spielt dieser vom Rhein her ein Lied, dessen Zeilen zu einem geflügelten Wort wurden: Behüt' dich Gott, es wär' so schön gewesen, Behüt dich Gott! es hat nicht sollen sein. Nach fünf Jahren der Trennung treffen sich Margareta und Werner erneut und es tritt eine überraschende Wendung ein. Der Autor begleitet in der Gestalt des Katers Hiddigeigei während des ganzen Romans das Geschehen und umrahmt dieses mit philosophischen Gedanken.
Das Buch wurde anfangs wenig gekauft, doch langsam bahnte sich ein Erfolg an, der seinen Höhepunkt in den 1880er Jahren fand. Bis in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg erschienen über 320 Auflagen der Geschichte und zahlreiche Übersetzungen in andere Sprachen. Scheffels Werk ließ die Stadt Säckingen (seit 1978 Bad Säckingen) weltberühmt werden; stolz trägt sie heute den Beinamen „Trompeter-Stadt“, und noch immer erinnern Denkmäler, Brunnen, Gaststätten und sogar ein Fahrgastschiff auf dem Rhein an das Epos. Im Laufe der Zeit wurden das Buch, sein Titel und vor allem seine Hauptfigur, der Trompeter, zum Produkt und entsprechend vermarktet; Postkarten, Uhren, Werbematerialien und Souvenirs mit den Motiven des Trompeters zeugen davon. Auch Schauspiel, Oper und Film griffen das Motiv auf.
Rückkehr in die Heimat
Nach seiner Heimkehr nach Karlsruhe im Sommer 1853 besaß Joseph Victor Scheffel keine berufliche Perspektive. Er sträubte sich gegen einen Wiedereintritt in den Staatsdienst, er zweifelte an seinen malerischen Fähigkeiten und er glaubte auch nicht so recht an eine Karriere als Schriftsteller. Im Juni schilderte er seinem Freund Karl Friedrich Schwanitz seine Situation:
„Ich selber lebe zurzeit in der unerträglichen Stellung eines Mannes, der noch keinen Boden unter den Füssen hat. In Staatsdienst geh' ich nicht zurück, zum Maler bin ich zu alt, bleibt wahrscheinlich nichts übrig, als Privatdozent und Proletarier in Heidelberg zu werden.“
Als sein am 24. Dezember 1853 veröffentlichtes Erstlingswerk auf zunehmende Resonanz stieß, bot sich ihm doch noch die Perspektive als Dichter an. Im Anschluss an dieses Buch übertrug er das lateinische Walthari-Lied ins Deutsche, das ihm literarische Anregungen für seine eigenen Mittelaltergeschichten lieferte. Im April 1854 reiste er an den Bodensee. Im Zuge einer langen Wanderung rund um den See, die auf dem Hohentwiel bei Singen endete, besuchte er die Handlungsorte seines neuen, gerade entstehenden Werkes, darunter die Festung Hohentwiel, die Reichenau, Radolfzell und Sankt Gallen. Im Februar 1855 erschien sein erster historischer Roman Ekkehard. Über ihn urteilte Hugo von Hofmannsthal 1926:
„Sein besonderes Schönes ruht darin, dass die rein und zart umrissenen Gestalten zugleich in eine ferne deutsche Vergangenheit gestellt sind und in eine völlig gegenwärtige deutsche Landschaft; und in eine solche, die durch ihre Lage besonders bedeutend ist: weil sie den Alpen nahe liegt, zugleich auch dem größten deutschen See und dem Jünglingslauf des deutschen Stroms. Die ferne Zeit, in welcher die Handlung sich abspielt, ist die vorgotische: eine noch nicht sehnsüchtige, sondern volle und jugendliche des Mittelalters.“
Nach einer erfolglos verlaufenen Bewerbung um den Lehrstuhl für deutsche Literatur am Eidgenössischen Polytechnikum Zürich unternahm Scheffel im Sommer 1855 Reisen nach Italien und Südfrankreich; gemeinsam mit dem Maler Anselm Feuerbach besuchte er Venedig, Meran und den Tobliner See in Trient. In der Hoffnung, in der bayrischen Hauptstadt neue Anregungen zu finden, siedelte er nach einem Kuraufenthalt in Bad Rippoldsau im September 1856 nach München über, wo er sich dem Dichterkreis um Emanuel Geibel anschloss. Hier besuchte ihn seine Schwester Marie; ihr Tod infolge einer Typhuserkrankung am 19. Februar 1857 empfand Scheffel als herben Schicksalsschlag. Dieser blieb nicht ohne Folgen für seine ohnehin labile seelische und gesundheitliche Situation.
Als er im Herbst desselben Jahres von der vakanten Stelle des Bibliothekars an der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek in Donaueschingen erfuhr, bewarb sich Scheffel mit Erfolg um diese Aufgabe. Auf Empfehlung des Großherzogs von Weimar trat er am 30. November 1857 seinen Dienst bei Fürst Karl Egon III. von Fürstenberg an und widmete sich vor allem der Katalogisierung von Handschriften. Durch die Übernahme der über 10.000 Bände zählenden Druck- und Handschriftensammlung des Freiherrn Joseph von Laßberg hatte die Donaueschinger Hofbibliothek einen enormen qualitativen und quantitativen Zuwachs erfahren. In Laßbergs Sammlung befand sich auch die Handschrift C des Nibelungenliedes, die seit 2001 in der Badischen Landesbibliothek verwahrt wird.
Abb. 3: Titelblatt der Erstauflage von Scheffels Ekkehard, Quelle: Wikipedia.
Erneut auf Wanderung
Doch bereits 1859, im März vorläufig, im August endgültig, verließ er die Stadt wieder, von der aus er zu vielen, seine Dichtung inspirierende Wanderungen aufgebrochen war. In den folgenden Jahren reiste er viel, musste sich aber auch Behandlungen und Kuraufenthalten unterziehen. Auf einer Reise in die Schweiz 1860 erlitt er einen Nervenzusammenbruch; erfolgreich wurde er im Rahmen eines Kuraufenthalts in einer Heilanstalt am Hallwiler See behandelt. Das Zeichnen der umliegenden Schlösser wurde für ihn zur Therapie. Monatelang schrieb er keine einzige Zeile.
An Angeboten für eine feste Stelle fehlte es nach der fluchtartigen Aufgabe der Bibliotheksarbeit in Donaueschingen nicht, doch Scheffel lehnte die Annahme ab. Er wollte weder für Großherzog Karl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach noch für Großherzog Friedrich I. von Baden das Amts des Hofbibliothekars übernehmen: „Ich werde lieber Steinklopfer als Beamter in Carlsruhe.“ Er entschied sich endgültig für den Beruf des freien Schriftstellers.
In der Rückschau können die Jahre zwischen 1853 und 1859 als Scheffels kreativste Phase bezeichnet werden. Dem Erfolg des Trompeters von Säckingen 1854 folgten der von der Kritik lobend aufgenommene historische Roman Ekkehard 1855, die Reisebilder aus Italien 1856 und die in Westermanns Monatsheften 1857 abgedruckte Novelle Hugideo. Eine alte Geschichte. Am Ende des Jahres erhielt Scheffel von Großherzog Karl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach den Auftrag, einen historischen Roman zu schreiben, der den Sängerkrieg auf der Wartburg um 1200 zum Inhalt haben sollte. Das große Wandgemälde von Moritz von Schwind auf der Wartburg, das den Sängerkrieg illustriert, lieferte den Anstoß dazu.
Das Projekt des Wartburg-Romans unter dem Arbeitstitel Viola schleppte Scheffel jahrelang mit sich herum; über Vorstudien und Versatzstücke, darunter 1863 die Sammlung Frau Aventiure. Lieder aus Heinrich von Ofterdingens Zeit, kam es nie hinaus. Scheffel scheiterte an seinen eigenen hohen Ansprüchen, denen er nicht gerecht zu werden glaubte. Sein Leben verlief danach eher krisengeschüttelt. Statt der ihm nachgesagten Daseinsfreude und eines versöhnlichen Humors, wie er in seinen literarischen, besonders auch lyrischen Werken zum Vorschein kam, prägten Ruhelosigkeit, Enttäuschungen und Streitigkeiten zunehmend sein Leben. Eine Wiederbegegnung mit der inzwischen verheirateten Jugendliebe Emma Heim, die vergebliche Werbung um eine andere Frau und weitere Ursachen trieben ihn in eine „große Anwandlung von Schwermut“.
Kurzes Eheglück
Am 22. August 1864 heiratete Scheffel Caroline von Malzen, die Tochter des bayerischen Gesandten am Karlsruher Hof. Das private Glück währte allerdings nicht lange. Als am 20. Mai 1867 der gemeinsame Sohn Viktor in der Schweiz, wo das Ehepaar seit der Hochzeit lebte, geboren wurde, war die Vernunftehe bereits gescheitert. Vier Monate später brach Karoline Scheffel den Kontakt zu ihrem Mann ab, der willigte jedoch nicht in eine Scheidung ein. Die Ehe blieb formal bestehen, die Eheleute lebten fortan getrennt.
Am 5. Februar 1865 starb Scheffels Mutter Josephine in Karlsruhe; sie wurde in einem Familiengrab auf dem damaligen Karlsruher Friedhof an der Kapellenstraße beigesetzt, von dem heute nur noch der Grabstein zeugt.
Mit der Gedichtsammlung Frau Aventiure hatte sich Scheffel 1863 auf dem Buchmarkt zurückgemeldet. 1866 erschien seine Novelle Juniperus. Geschichte eines Kreuzfahrers als Frucht seiner Beschäftigung mit den Altdeutschen Schriften der Donaueschinger Hofbibliothek. Mit der im Jahr der Trennung publizierten Sammlung Gaudeamus! Lieder aus dem Engeren und Weiteren (1868) gelang Scheffel ein weiterer großer schriftstellerischer Erfolg. Seine Popularität stieg auch deswegen, weil einige der bereits in seiner Heidelberger Studentenzeit entstandenen Trinklieder in das erstmals 1858 erschienene Allgemeine Deutsche Kommersbuch aufgenommen wurden, einem Liederbuch für den Gebrauch auf der studentischen Kneipe. Im Jahr darauf entstanden das berühmte Staffelberglied sowie einige der Bergpsalmen, die 1870 im Druck erschienen. Einen hohen Bekanntheitsgrad erlangte auch das Frankenlied mit dem Eingangsvers: „Wohlauf, die Luft geht frisch und rein, Wer lange sitzt, muss rosten.“
Als alleinerziehender Vater – seinen Sohn hatte er von einem Spielplatz in der Nähe von Carolines Münchner Wohnung entführt – zog sich Scheffel in den folgenden Jahren ins Privatleben zurück. In Radolfzell erwarb er Reb- und Gartenland und ließ sich 1872 von dem Karlsruher Architekten Josef Durm die Villa Seehalde bauen. Noch im gleichen Jahr kaufte er unweit seines Hauses die sich in den Bodensee erstreckende Halbinsel Mettnau; das dortige Pächterhaus versah er mit einem Turm, es wurde zum Scheffelschlösschen. Mit den Fischern der Insel Reichenau verstrickte sich der immer streitsüchtiger werdende Dichter in einen jahrelangen Rechtsstreit über die Fischereirechte.
Abb. 4: Scheffelschlößchen in Radolfszell, Quelle: Wikipedia.
In dieser Phase verfasste er Gelegenheits- und Auftragsdichtungen wie das lyrische Festspiel Der Brautwillkomm auf Wartburg, das zur Hochzeit des Weimarer Erbgroßherzogs Karl August von Sachsen-Weimar-Eisenach am 23. September 1873 uraufgeführt wurde und von Franz Liszt vertont worden ist.
Ehrungen und Erhebung in den Adelsstand
Am 16. Februar 1876, anlässlich seines 50. Geburtstags, erhob ihn Großherzog Friedrich I. von Baden in den erblichen Adelsstand, so dass er sich seitdem Joseph Victor von Scheffel nennen konnte. Scheffel wurde mit Ehrungen überhäuft; der König von Württemberg verlieh ihm den Kronenorden, mit dem der Personenadel verbunden ist; Heidelberg, Säckingen und Radolfzell ernannten ihn zum Ehrenbürger. Scheffel kommentierte das gegenüber seinem Freund Anton von Werner: „Ich bin halb zu tot jubiliert.“ Zur Erinnerung an den prominenten Gast, aber natürlich auch aus werbetechnischen Gründen, ehrten manche Gasthäuser, die Scheffel auf seinen zahlreichen Wanderungen besucht hatte, den Dichter, indem sie entsprechende Bilder aufhängten oder Erinnerungsstücke ausstellten oder einzelne Räume nach ihm benannten, wie beispielsweise der Gasthof Laub in Berghausen.
Bis zu seinem Tod am 9. April 1886 in Karlsruhe publizierte er kaum noch neue Texte. Ausnahmen waren die Dichtungen Waldeinsamkeit, 1878 veröffentlicht, und Der Heini von Steier, 1883 erschienen. Posthum erschienen 1887 unter dem Titel Reisebilder Scheffels Beschreibungen seiner nach Beendigung des Deutsch-Französischen Kriegs unternommenen Wanderungen, die schon 1872 als Skizzen aus dem Elsass in einer Zeitung abgedruckt worden waren.
Abb. 5: Scheffel-Denkmal am Scheffelplatz in Karlsruhe um 1900, Quelle: Wikipedia.
Scheffels Immobilienkäufe auf der Mettnau belegen, dass der Dichter trotz der eigentlich geringen Anzahl an Einzeltiteln nicht nur zu einem im Deutschen Kaiserreich sehr populären, sondern auch zu einem ökonomisch sehr erfolgreichen Schriftsteller geworden war. Seine Bücher wurden immer wieder neu aufgelegt. Von mehreren Werken erschienen großformatige Prachtausgaben mit ganzseitigen Illustrationen, ausgeschmückten Seiten und aufwendigen Einbänden – zu entsprechend hohen Preisen. Viele Buchausgaben sind durch Anton von Werner einfühlsam illustriert worden; Werner, ein Freund Scheffels aus Karlsruhe, war einer der populärsten Maler des wilhelminischen Deutschlands. Nach Goethe und Schiller rangierte Scheffel im 19. Jahrhundert, gemessen an der Auflagenhöhe, an dritter Stelle. Bis zur Jahrhundertwende sind von seinen Werken mehr als eine Million Exemplare verkauft worden. Dieser Erfolg machte Scheffel zum Bestsellerautor – und zu einem wohlhabenden Mann.
Literatur:
- Joseph Victor von Scheffel: Werke. Hrsg. von Friedrich Panzer. 4 Bände. Leipzig, Wien: Bibliographisches Institut 1919. Neudruck Hildesheim: Olms 2004 [eine von mehreren Werkausgaben]
- Günther Mahal: Joseph Viktor von Scheffel. Versuch einer Revision. Karlsruhe. C. F. Müller 1986 [zu einzelnen Dichtungen]
- Ludger Syré: Der Dichter als Bibliothekar: Joseph Victor von Scheffel in Donaueschingen. In: Joseph Victor von Scheffel (1826–1886): Ein deutscher Poet – gefeiert und geschmäht. Hrsg. von Walter Berschin und Werner Wunderlich. Stuttgart: Thorbecke 2003, S. 135-163 [Sammelband mit 12 Aufsätzen]
- Natalie Gutgesell: „Da hat Herr Scheffel etwas dazu gedichtet“. Joseph Victor von Scheffel als bildender Künstler. 2 Bände. Halle/Saale: Mitteldeutscher Verlag 2014 [Dissertation und Ausstellungskatalog]
Links:
- Scheffel-Briefe in den Digitalen Sammlungen der Badischen Landesbibliothek